Morelia entdecken: Rosa Stein, Aquädukt und Monarchen
Reiseführer · redaktionellWenn abends die Kathedrale angestrahlt wird und der rosafarbene Stein der Fassaden zu glühen beginnt, versteht man, warum Morelia als eine der schönsten Kolonialstädte Mexikos gilt. Eine Reise in die Hauptstadt von Michoacán verbindet Architektur, Musik und eine der vielseitigsten Küchen des Landes – und im Winter einen Ausflug zu Millionen Schmetterlingen.
Von Valladolid zu Morelia
1541 gegründet, hieß die Stadt zunächst Valladolid und entwickelte sich zum geistlichen und intellektuellen Zentrum der Region. Im Colegio de San Nicolás, einer der ältesten Bildungsstätten des amerikanischen Kontinents, studierte Miguel Hidalgo, der spätere Anführer des Unabhängigkeitskampfes. In Valladolid wurde 1765 José María Morelos geboren, und 1828 erhielt die Stadt ihm zu Ehren ihren heutigen Namen. Das historische Zentrum mit weit über tausend erhaltenen Bauten aus rosa Cantera-Stein steht seit 1991 auf der UNESCO-Welterbeliste.
Sehenswürdigkeiten in Morelia
Die Kathedrale mit ihren rund 70 Meter hohen Zwillingstürmen dominiert die Avenida Madero. An Samstagabenden wird sie mit einem Feuerwerk und Lichtspiel in Szene gesetzt – ein Ritual, das viele Einheimische anzieht. Östlich des Zentrums verläuft das Aquädukt aus dem 18. Jahrhundert mit über 250 Bögen, an dessen Ende die Fuente de las Tarascas steht, ein Brunnen mit drei Purépecha-Frauen, die einen Fruchtkorb tragen. Die stille Calzada Fray Antonio de San Miguel führt von dort zum Santuario de Guadalupe, dessen Inneres über und über mit farbigen Stuckblüten bedeckt ist. Der Palacio de Gobierno zeigt Wandbilder von Alfredo Zalce zur Geschichte Mexikos.
Museen, Musik und Kultur
Morelia hat eine lebendige Musiktradition: Das Conservatorio de las Rosas gilt als eine der ältesten Musikschulen Amerikas, und jeden Herbst lädt das Festival Internacional de Música ein. Weltweit bekannt ist das Filmfestival von Morelia im Oktober, das junges mexikanisches Kino zeigt. Im Museo Casa de Morelos und im Geburtshaus des Helden lässt sich die Unabhängigkeitsgeschichte anhand von Dokumenten, Möbeln und persönlichen Gegenständen nachvollziehen, während das Museo del Dulce in einem Laden voller Gläser und Holzregale die Süßwarentradition der Stadt feiert. Die Biblioteca Pública in einer ehemaligen Jesuitenkirche ist allein wegen ihres Raumes einen Besuch wert. Wer Kunsthandwerk sucht, findet in der Casa de las Artesanías im ehemaligen Franziskanerkloster Lackarbeiten, Kupfergefäße, Gitarren aus Paracho und Keramik aus den Dörfern Michoacáns.
Essen in Morelia
Michoacán ist eine Hochburg der mexikanischen Küche. Am Morgen isst man Corundas, dreieckige Tamales mit Sahne und Salsa, später Uchepos aus jungem Mais. Die Carnitas aus Schweinefleisch, in Kupferkesseln geschmort, stammen aus dieser Region, ebenso die Sopa Tarasca. Als Snack gibt es Gazpacho moreliano – keine kalte Tomatensuppe, sondern gewürfeltes Obst mit Orangensaft, Chili und Käse. Im Mercado de Dulces neben dem Colegio Clavijero locken Ates aus Fruchtpaste, Cajeta und Milchbonbons. Rund um die Plaza de Armas und im Viertel Chapultepec reihen sich Restaurants und Cafés unter Arkaden.
Unterwegs in Morelia und Sicherheit
Der Flughafen Francisco J. Mujica (MLM) liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich, die Fahrt mit dem Bus von Mexiko-Stadt dauert rund vier Stunden. Die Altstadt erkundet man am besten zu Fuß; für Viertel wie Ventura Puente oder Chapultepec Sur nimmt man Taxi oder App-Fahrdienste. Für Teile des Bundesstaats Michoacán bestehen Reisehinweise wegen organisierter Kriminalität; das Zentrum von Morelia ist touristisch gut besucht, dennoch empfiehlt es sich, nachts keine Überlandstrecken zu fahren und aktuelle Hinweise zu beachten.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Die beste Reisezeit liegt zwischen November und März: trocken, sonnig, mit kühlen Abenden. Genau dann überwintern die Monarchfalter in den Wäldern östlich der Stadt; das Biosphärenreservat El Rosario ist UNESCO-Welterbe und als Tagesausflug machbar. Am Pátzcuaro-See, etwa eine Stunde entfernt, feiern die Purépecha um den 1. und 2. November die berühmteste Totennacht des Landes, etwa auf der Insel Janitzio. Ebenfalls nah liegen Santa Clara del Cobre mit seinen Kupferschmieden und das Dorf Tzintzuntzan mit Ruinen der Purépecha-Hauptstadt.



