León entdecken: Lederstadt im Herzen des Bajío
Reiseführer · redaktionellWer in León aus dem Bus steigt, riecht mancherorts frisch gegerbtes Leder: Die größte Stadt des Bundesstaats Guanajuato fertigt einen erheblichen Teil der Schuhe Mexikos. Eine Reise nach León ist daher oft eine Einkaufstour – doch die Stadt bietet auch ein lebendiges Zentrum, eines der größten Ballonfestivals der Welt und kurze Wege zu den Kolonialstädten des Bajío.
Von der Villa zur Industriestadt
León wurde 1576 als Villa de León gegründet, um die Silberroute zwischen Zacatecas und Mexiko-Stadt gegen Angriffe der Chichimeken zu sichern. Die fruchtbare Ebene des Bajío machte die Region zur Kornkammer, und Viehzucht lieferte Häute, aus denen sich früh ein Lederhandwerk entwickelte. Im 20. Jahrhundert wurde daraus eine Industrie mit Hunderten Gerbereien und Schuhfabriken. Heute siedeln sich im Umland zudem Autohersteller und Zulieferer an, und León zählt zu den am schnellsten wachsenden Städten des Landes.
Sehenswürdigkeiten in León
Das Zentrum ist kompakt und weitgehend autofrei. An der Plaza de los Fundadores und der Plaza de los Mártires stehen der Palacio Municipal und Arkadengänge, unter denen Schuhputzer und Eisverkäufer warten. Die Kathedrale Basílica de la Madre Santísima de la Luz stammt aus dem 18. Jahrhundert, der neugotische Templo Expiatorio, an dem jahrzehntelang gebaut wurde, beeindruckt mit seinen unterirdischen Katakomben. Der Arco de la Calzada, ein Triumphbogen mit Löwenskulptur, markiert den Beginn einer Allee Richtung Süden und ist das Wahrzeichen der Stadt. Im Viertel um den Templo de San Juan de Dios wirken die Gassen ruhiger, mit niedrigen bunten Häusern.
Leder, Märkte und Museen
Die Zona Piel rund um den Busbahnhof ist ein riesiges Einkaufsgebiet mit Geschäften für Schuhe, Gürtel, Jacken, Taschen und Sättel – handeln ist üblich, die Preise liegen deutlich unter denen in Europa. Das Museo de Arte e Historia de Guanajuato zeigt regionale Kunst, und das Forum Cultural Guanajuato mit dem modernen Teatro del Bicentenario ist Bühne für Oper und Konzerte. Fußballfans kennen den Club León, der im Estadio León, genannt Nou Camp, spielt.
Essen in León: Guacamayas und Caldo de oso
Die bekannteste Spezialität der Stadt ist die Guacamaya, ein Bolillo-Brötchen gefüllt mit knusprigen Chicharrones, also frittierter Schweinehaut, und einer scharfen Tomaten-Salsa – ein billiger, sättigender Imbiss an fast jeder Straßenecke. Dazu kommen Tacos de cabeza, Enchiladas mineras aus dem Bergbaustaat Guanajuato und Caldo de oso, eine Fischsuppe, deren Name trotz „Bär“ nichts mit Bärenfleisch zu tun hat. Im Mercado Aldama und an den Ständen rund um die Plaza Principal isst man günstig. Als Getränk sind Fruchtwasser und Atole verbreitet, zum Nachtisch gibt es Fresas con crema aus dem nahen Irapuato.
Feste und Ausgehen
Jedes Jahr im November findet im Parque Metropolitano das Festival Internacional del Globo statt, bei dem Hunderte Heißluftballone in der Morgendämmerung aufsteigen. Im Januar und Februar zieht die Feria de León, ein Volksfest mit Konzerten, Fahrgeschäften und Viehschau, Besucher aus der ganzen Region an. Das Nachtleben konzentriert sich auf Bars an der Avenida Campestre und rund um den Boulevard López Mateos.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Del Bajío (BJX) liegt zwischen León und Silao und hat Direktflüge in die USA sowie nach Mexiko-Stadt, Monterrey und Cancún. In der Stadt verbindet das Schnellbussystem Optibús die wichtigsten Achsen, ansonsten sind Taxis per App praktisch. In Teilen des Bundesstaats Guanajuato ist die Gewaltkriminalität hoch, betroffen sind vor allem bestimmte Gemeinden und Außenbezirke; im Zentrum und in den Einkaufsvierteln ist man bei üblicher Vorsicht gut unterwegs. Beste Reisezeit ist von Oktober bis April. Ausflüge führen in die Kolonialstadt Guanajuato mit ihren unterirdischen Straßen, zum Christus-Monument auf dem Cerro del Cubilete und nach San Miguel de Allende. Wer Natur sucht, findet im Parque Metropolitano am Stausee El Palote Rad- und Wanderwege, und in den Hügeln nördlich der Stadt liegen kleine Dörfer, in denen noch Landwirtschaft und Viehzucht den Alltag bestimmen.


