Chihuahua entdecken: Pancho Villa und der Chepe-Zug
Reiseführer · redaktionellZwischen Wüste und Sierra Madre liegt die Hauptstadt des größten Bundesstaats Mexikos, und sie hat Geschichte geschrieben: Hidalgo wurde hier hingerichtet, Pancho Villa hatte hier sein Hauptquartier. Für eine Reise in den Norden ist Chihuahua außerdem der Startpunkt einer der spektakulärsten Bahnfahrten der Welt – in die Kupferschlucht.
Silber, Unabhängigkeit und Revolution
Gegründet wurde die Stadt 1709 als Bergbausiedlung, nachdem in den umliegenden Bergen Silber entdeckt worden war. Mit dem Erz finanzierte man prachtvolle Kirchen. 1811 wurde Miguel Hidalgo, der Vater der Unabhängigkeit, in Chihuahua gefangen gehalten und hingerichtet. Während der Mexikanischen Revolution war die Stadt Hochburg der División del Norte, und Pancho Villa regierte zeitweise den Bundesstaat. Später kamen Viehzucht, Holz und Industrie hinzu. Heute zählt Chihuahua zu den wirtschaftlich stärksten Städten des Landes, mit Maquiladoras und einer wachsenden Luftfahrtindustrie.
Sehenswürdigkeiten in Chihuahua
Die Kathedrale an der Plaza de Armas ist eines der schönsten Barockbauwerke im Norden Mexikos, mit reich verzierter Fassade aus rosafarbenem Stein. Im Palacio de Gobierno zeigen großformatige Wandbilder von Aarón Piña Mora die Geschichte des Bundesstaats, und eine Gedenkstätte markiert den Ort, an dem Hidalgo erschossen wurde. Das Museo Casa de Villa, auch Quinta Luz genannt, war das Wohnhaus des Revolutionärs; im Hof steht der Dodge, in dem er 1923 bei einem Attentat in Parral ermordet wurde, mit Einschusslöchern. Die Quinta Gameros, ein prunkvolles Jugendstilpalais, beherbergt heute ein Museum mit Möbeln und Kunst des frühen 20. Jahrhunderts.
Kultur und Ausgehen
Die Altstadt verbindet Fußgängerzonen wie die Calle Libertad, auf der Händler, Straßenmusiker und Familien unterwegs sind. Das Teatro de los Héroes und das Centro Cultural Universitario bieten Konzerte und Theater. Im Herbst bringt das Festival Internacional Chihuahua Künstler aus aller Welt in die Stadt. Am Abend treffen sich Einheimische in Bars rund um das Zentrum und entlang der Avenida Juárez, wo es Craft-Bier und Livemusik gibt. In Stiefelläden sieht man die Kultur des Nordens: Lederstiefel, Hüte und Gürtelschnallen gehören zur Alltagsmode vieler Rancher.
Essen in Chihuahua
Rindfleisch dominiert die Speisekarte. Die Carne asada wird mit großen Weizentortillas gegessen, Machaca kommt zum Frühstück auf den Tisch. Burritos haben hier ihre Heimat; sie sind schmal, mit Fleisch in Chilisoße gefüllt und werden oft auf der Straße verkauft. Eine Spezialität ist Discada, ein Eintopf aus verschiedenen Fleischsorten, der auf einer Pflugscheibe zubereitet wird. Aus den Mennonitensiedlungen um Cuauhtémoc kommt der queso menonita, ein milder Käse, der in Quesadillas schmilzt. Sotol, ein Brand aus einer Wüstenpflanze, ist das regionale Getränk und wird zunehmend auch in Cocktailbars der Stadt ausgeschenkt. Zum Nachtisch gibt es Pan de mujer, ein leicht süßes Brot, oder Dulces de leche aus den Dörfern der Umgebung.
Unterwegs in Chihuahua und Sicherheit
Der Flughafen General Roberto Fierro Villalobos (CUU) liegt nordöstlich der Stadt und hat Verbindungen nach Mexiko-Stadt, Monterrey und in die USA. In der Stadt verkehrt das Schnellbussystem Vivebús, ansonsten nutzt man Taxis oder Fahrdienste. Vom Bahnhof startet der Chepe Regional in Richtung Creel und Divisadero; der komfortablere Chepe Express verkehrt ab Creel. Der Bundesstaat Chihuahua hat Regionen mit hoher Kriminalität; die Stadt selbst ist für Touristen meist unproblematisch, doch Überlandfahrten sollten tagsüber stattfinden. Wer die Kupferschlucht mit dem Zug besucht, bucht am besten Tickets im Voraus, besonders in den Ferienzeiten.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Chihuahua liegt auf rund 1.400 Metern Höhe; die Sommer sind heiß, die Winter kühl und manchmal frostig. Die beste Reisezeit liegt im Frühling und im Herbst. Höhepunkt ist ein Ausflug in die Barrancas del Cobre, ein Netz von Schluchten, die teilweise tiefer sind als der Grand Canyon. Dort leben die Rarámuri, bekannt für ihre Ausdauer als Läufer. Näher an der Stadt liegt die Mennonitenregion um Cuauhtémoc, wo man Käsereien und Höfe besuchen kann, und die Grutas de Nombre de Dios, eine Tropfsteinhöhle am Stadtrand.


