Sakai entdecken: Kaisergräber, Messer und Tee
Reiseführer · redaktionellDie größten Grabhügel Japans liegen mitten zwischen Wohnstraßen und Bahngleisen – und doch wissen viele Reisende nicht, dass sie dafür nach Sakai müssen. Eine Sakai Reise ist ein kurzer Sprung von Osaka in eine alte Handelsstadt, die Messer, Teekultur und das kaiserliche Altertum geprägt hat.
Kofun: Welterbe in Schlüssellochform
Die Kofun-Gruppe Mozu-Furuichi wurde 2019 UNESCO-Welterbe. Ihr Kern ist der Daisen-Kofun, der dem Kaiser Nintoku zugeschrieben wird: ein schlüssellochförmiger Hügel von rund 486 Metern Länge, umgeben von drei Wassergräben und dicht bewaldet. Betreten darf man ihn nicht, und vom Boden aus sieht man vor allem Bäume. Das Gesamtbild erschließt sich besser von der kostenlosen Aussichtsetage im 21. Stock des Rathauses oder im Stadtmuseum im benachbarten Daisen-Park, das Grabbeigaben und Haniwa-Tonfiguren zeigt. Ein Spazierweg führt knapp drei Kilometer um den Hügel herum.
Die Stadt der Kaufleute
Im 15. und 16. Jahrhundert war Sakai eine weitgehend selbstverwaltete Hafenstadt, von Gräben umgeben und von reichen Kaufleuten regiert; jesuitische Missionare verglichen sie mit Venedig. Hier wurden Feuerwaffen nach portugiesischem Vorbild gefertigt, und hier wurde Sen no Rikyū geboren, der die Teezeremonie prägte. Das Kulturzentrum Sakai Rishō no Mori erzählt von ihm und von der Dichterin Yosano Akiko, ebenfalls eine Tochter der Stadt; im Teehaus kann man eine Schale Matcha trinken.
Tempel und Leuchtturm: rund um die Altstadt
Zwischen den Bahnlinien hat sich viel vom alten Sakai erhalten. Der Tempel Myōkoku-ji ist berühmt für einen über tausend Jahre alten Palmfarn, der als Naturdenkmal geschützt ist, und der Zen-Tempel Nanshū-ji, eng mit Sen no Rikyū verbunden, besitzt einen schönen Trockengarten und ein Teehaus. Am früheren Hafen steht der hölzerne Leuchtturm von 1877, einer der ältesten erhaltenen seiner Art in Japan. Ein Spaziergang vom Leuchtturm durch die Altstadt bis zum Rikyū-Zentrum dauert kaum eine Stunde und zeigt die Stadt abseits der Grabhügel.
Messer, Kombu und Süßes: Essen und Handwerk in Sakai
Aus Waffenschmiede und Tabakmessern entwickelte sich eine Klingentradition, die bis heute Profiköche in aller Welt anzieht: Sakai-Messer werden in arbeitsteiligen Werkstätten geschmiedet, geschliffen und mit Griffen versehen. Im Sakai Denshōkan, dem Museum für traditionelles Handwerk, gibt es Vorführungen und Verkauf, weitere Schmieden finden sich in den Gassen der Altstadt entlang der Hankai-Straßenbahn. Typisch ist auch die Verarbeitung von Kombu, der einst über den Hafen ankam, und als Süßigkeit Kurumi-Mochi, Reiskuchen unter einer grünen Bohnenpaste. Für Restaurants mit Okonomiyaki, Kushikatsu und Izakaya-Küche sind die Viertel rund um die Bahnhöfe Sakai-Higashi und Sakai die erste Adresse.
Unterwegs in Sakai und beste Reisezeit
Von Namba in Osaka fährt die Nankai-Bahn in rund 15 Minuten nach Sakai-Higashi oder Sakai, zum Daisen-Kofun nimmt man die JR-Hanwa-Linie bis Mozu. Der Flughafen Kansai (KIX) ist etwa eine halbe Stunde entfernt. Die Hankai-Straßenbahn, die letzte ihrer Art im Raum Osaka, rattert von Sakai bis nach Tennōji. Für die verstreuten Grabhügel lohnt ein Leihrad, die Wege sind flach. Angenehm sind Frühling und Herbst; der Sommer ist schwül und heiß.
