Saga entdecken: Ballons, Burgpalast und Ariake-Meer
Reiseführer · redaktionellAn einem kalten Novembermorgen steigen über dem Fluss Kase Hunderte Heißluftballons gleichzeitig in den Himmel – dann zieht Saga Besucher aus aller Welt an. Eine Reise nach Saga lohnt aber auch abseits des Festivals: Die ruhige Präfekturhauptstadt im Nordwesten Kyūshūs bewahrt die Geschichte eines reformfreudigen Fürstentums und liegt mitten zwischen Porzellanstädten und Onsen.
Die Nabeshima und die Moderne
Über zweieinhalb Jahrhunderte regierte die Familie Nabeshima das Fürstentum Saga. Im 19. Jahrhundert wurde es unter Fürst Nabeshima Naomasa zu einem Vorreiter der Modernisierung: Hier entstanden einer der ersten Flammöfen Japans für Kanonenguss und eine Dampfmaschine nach westlichem Vorbild. In der Marinewerft Mietsu baute man das erste in Japan konstruierte Dampfschiff; die Überreste gehören heute zum UNESCO-Welterbe der Stätten der industriellen Revolution der Meiji-Zeit, ein Besucherzentrum veranschaulicht sie digital. Aus Saga stammten auch Staatsmänner wie Ōkuma Shigenobu, zweimal Premierminister und Gründer der Waseda-Universität, dessen Geburtshaus besichtigt werden kann.
Sehenswürdigkeiten in Saga
Im Zentrum steht das Geschichtsmuseum Burg Saga, eine originalgetreue Rekonstruktion des Honmaru-Palasts von 1838 aus Holz, mit langen Korridoren und Tatamihallen, die man barfuß durchschreitet. Erhalten ist das ursprüngliche Shachi-Tor mit Einschusslöchern aus dem Saga-Aufstand von 1874. Ringsum liegen breite, von Lotus bedeckte Burggräben und alte Kampferbäume. Der Saga-Schrein ehrt die Nabeshima-Fürsten, und im Präfekturmuseum sind Lackarbeiten und Keramik der Region ausgestellt. Im Ballonmuseum in der Innenstadt erfährt man in Simulatoren, wie es sich anfühlt, einen Ballon zu steuern.
Das Ballonfestival
Die Saga International Balloon Fiesta Anfang November gilt als größtes Ballonfestival Asiens. Über fünf Tage starten frühmorgens Wettkampfballons vom Flussufer, abends leuchten die Hüllen beim Night Glow im Takt der Musik. Für das Festival hält die JR eigens an einem temporären Bahnhof direkt am Startfeld. Wer dabei sein will, sollte Unterkünfte früh buchen, viele weichen nach Fukuoka aus.
Essen in Saga
Die Ariake-See vor der Stadt ist ein riesiges Wattenmeer mit starkem Tidenhub. Hier wird ein großer Teil des japanischen Nori geerntet, und im Schlick leben Schlammspringer, die gegrillt als Spezialität gelten. Saga-Rind ist für seine feine Marmorierung bekannt und kommt in den Restaurants als Steak, Shabu-Shabu oder Sushi auf den Tisch. Zum Nachtisch gibt es Marubōro, runde Kekse aus der Zeit des Portugiesenhandels, und Yōkan aus dem nahen Ogi, einer Süßbohnenpaste, die dort seit dem 19. Jahrhundert in Holzkisten getrocknet und mit einer feinen Zuckerkruste verkauft wird. Abends findet man rund um den Bahnhof und in den Einkaufsstraßen der Innenstadt Izakaya, in denen Muscheln aus dem Ariake-Meer gegrillt und Sake aus Brauereien der Präfektur ausgeschenkt werden.
Anreise und Ausflüge
Von Hakata fährt der Limited Express in etwa 40 Minuten nach Saga; der Flughafen Kyūshū Saga verbindet mit Tokio. Ausflüge führen zu den Porzellanstädten Arita und Imari, zu den Onsen von Takeo und Ureshino oder zur prähistorischen Siedlung Yoshinogari. Die beste Reisezeit sind der Frühling mit Kirschblüte an den Burggräben und das Ballonfestival im Herbst; im Sommer ist es heiß und schwül, im Winter mild.
