Okayama entdecken: Kōrakuen, Krähenburg und Momotarō
Reiseführer · redaktionellVor dem Bahnhof wartet ein Junge mit Hund, Affe und Fasan auf die Reisenden: Momotarō, der Pfirsichjunge aus dem bekanntesten Märchen Japans, ist Okayamas Maskottchen. Die sonnige Stadt am Seto-Binnenmeer bietet einen der drei großen Gärten Japans, eine schwarze Burg und eine Lage, die sie zum idealen Ausgangspunkt für eine Reise nach Kurashiki, Naoshima oder Shikoku macht. Ein Okayama Urlaub ist kurz, aber erstaunlich vielseitig.
Burgstadt der Ikeda
Ende des 16. Jahrhunderts ließ der Feldherr Ukita Hideie die Burg Okayama errichten. Später übernahm die Familie Ikeda, die bis zum Ende der Edo-Zeit regierte und die Stadt zu einem Zentrum von Bildung und Kultur machte: Mit der Shizutani-Schule entstand eine der ersten Schulen Japans für das einfache Volk. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Burg nieder; ihr Hauptturm wurde 1966 in Beton rekonstruiert. Die Region rund um Okayama, das alte Kibi, war schon in der Frühzeit ein mächtiges Reich, wovon Hügelgräber und Schreine zeugen. Hier verorten viele Einheimische auch die Legende von Momotarō, der Dämonen auf einer Insel besiegte.
Sehenswürdigkeiten in Okayama
Der Kōrakuen, um 1700 unter Ikeda Tsunamasa vollendet, gehört zu den drei großen Gärten Japans. Weite Rasenflächen, Teiche, Teehäuser, ein kleiner Hügel als Aussichtspunkt und sogar Reis- und Teefelder machen ihn zu einem Wandelgarten mit Blick auf die Burg. Diese liegt auf der anderen Seite des Asahi-Flusses und wird wegen ihrer schwarzen Holzverkleidung „Krähenburg“ genannt. Im Inneren erzählt eine Ausstellung von der Geschichte der Ikeda, und im Sommer leuchtet die Burg bei abendlichen Lichtspielen. Wer mehr Zeit hat, radelt auf dem Kibiji-Radweg durch Reisfelder zu alten Schreinen wie dem Kibitsu-Schrein mit seinem langen, überdachten Wandelgang.
Museen und Kultur
Rund um Kōrakuen und Burg konzentrieren sich die Museen. Das Hayashibara-Kunstmuseum zeigt die Sammlung der Fürstenfamilie Ikeda mit Rüstungen, Schwertern und Nō-Kostümen. Das Orient-Museum widmet sich dem Alten Orient, und das Yumeji-Kunstmuseum erinnert an Takehisa Yumeji, einen in Okayama geborenen Maler, berühmt für seine melancholischen Frauenbilder. Das Präfektur-Kunstmuseum zeigt Werke des Tuschmalers Sesshū, der in der Region aufwuchs. Im Februar zieht das Saidaiji Eyō, ein Nacktfest im Tempel Saidai-ji im Bezirk Higashi, Tausende Männer in Lendenschurz an, die um heilige Holzstäbe ringen.
Essen in Okayama: Obst und Barazushi
Dank des sonnigen Klimas gilt Okayama als „Obstkönigreich“. Weiße Pfirsiche und Muskattrauben werden hier in einer Qualität angebaut, die sie zu begehrten Geschenken macht; im Sommer servieren Cafés aufwendige Parfaits. Herzhaft wird es mit Barazushi, einem bunten Reisgericht mit Meeresfrüchten und Gemüse, das zu Festen gegessen wird, und mit Demi-Katsudon, Schnitzel auf Reis mit Demiglace-Soße statt Ei. Als Mitbringsel gibt es Kibidango, kleine, weiche Reisklößchen – genau die, mit denen Momotarō seine Tiergefährten gewann. Gute Restaurants in Okayama und kleine Bars findet man rund um den Bahnhof und die Einkaufsstraße Omotechō.
Ausgehen und Stadtleben
Abends spielt sich das Leben vor allem in den Gassen südöstlich des Bahnhofs und rund um Omotechō ab, wo Izakaya, Weinbars und Lokale mit Fisch aus dem Seto-Binnenmeer dicht beieinanderliegen. Viele Speisekarten führen Sake aus der Region und Craft-Bier lokaler Brauereien. Der Nishigawa-Kanal mitten in der Innenstadt ist mit seinen Grünanlagen ein beliebter Ort für einen Abendspaziergang unter Kirsch- und Weidenbäumen. Im August feiert die Stadt das Momotarō-Fest mit Tänzen und Feuerwerk.
Unterwegs in Okayama und Ausflüge
Okayama liegt an der Sanyō-Shinkansen-Strecke: Osaka ist etwa 45 Minuten, Hiroshima rund 40 Minuten entfernt. Über die Seto-Ōhashi-Brücke fahren Züge nach Shikoku. Vom Flughafen Okayama erreicht man das Zentrum mit dem Bus in etwa einer halben Stunde. Die Straßenbahn bringt Besucher vom Bahnhof zu Kōrakuen und Burg. Die Altstadt von Kurashiki mit ihren weißen Speicherhäusern am Kanal liegt nur rund 15 Minuten mit dem Zug entfernt, und über den Hafen Uno erreicht man die Kunstinsel Naoshima. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst; im Sommer locken die Pfirsiche, die Region gilt als eine der regenärmsten Japans.


