Morioka entdecken: Nudeln, Burgpark und Mount Iwate
Reiseführer · redaktionellZwei Flüsse, ein Vulkan am Horizont und eine Nudelkultur, die ihresgleichen sucht: Morioka ist überschaubar, entspannt und erstaunlich vielseitig. Seit die New York Times die Stadt 2023 auf ihre Liste der Reiseziele des Jahres setzte, entdecken mehr Besucher den Charme der Präfekturhauptstadt – ideal für eine ruhige Städtereise nach Morioka im Norden Honshus.
Burgstadt am Kitakami
Die Nanbu-Fürsten ließen ab dem späten 16. Jahrhundert die Burg Morioka errichten. Von ihr sind nur die mächtigen Granitmauern geblieben, heute Teil des Iwate-Parks im Zentrum, wo im Frühling die Kirschen blühen. Am Nakatsu-Fluss, der hier in den Kitakami mündet, ziehen im Herbst Lachse flussaufwärts, mitten durch die Stadt. Ein beliebtes Fotomotiv ist der Ishiwari-Zakura vor dem Landgericht: Ein über 350 Jahre alter Kirschbaum wächst aus einem gespaltenen Granitfelsen. Nahebei steht das Rotziegelgebäude der Iwate Bank, 1911 von Tatsuno Kingo entworfen, dem Architekten des Tokioter Bahnhofs.
Sehenswürdigkeiten in Morioka
Die Altstadt lässt sich bequem zu Fuß erkunden. In der Gasse Konyachō und am Ufer des Nakatsu stehen Lagerhäuser und Handwerksläden aus der Meiji-Zeit. In Werkstätten wie dem Kamasada-Atelier entstehen Nanbu-Tekki, schwere gusseiserne Teekessel, die weltweit geschätzt werden. Literaturfreunde folgen den Spuren von Ishikawa Takuboku und Miyazawa Kenji, die beide in Morioka zur Schule gingen. Über allem thront der gut 2.000 Meter hohe Vulkan Iwate-san, den man von vielen Brücken aus sieht. An der Kaiunbashi-Brücke gegenüber dem Bahnhof steht man auf der klassischen Postkartenposition: Fluss im Vordergrund, schneebedeckter Gipfel dahinter. Abends treffen sich Einheimische in den kleinen Kaffeehäusern und Jazzbars, für die Morioka unter Japanern bekannt ist.
Die drei großen Nudeln
Morioka ist eine Nudelstadt. Bei Wanko-Soba füllen Bedienungen unermüdlich kleine Portionen Buchweizennudeln in die Schale, bis der Gast den Deckel schließt; Geübte schaffen hundert Schälchen und mehr. Morioka-Reimen sind feste, durchscheinende Kaltnudeln in Rinderbrühe mit Kimchi und einer Scheibe Wassermelone oder Birne, ein Erbe koreanischer Einwanderer. Jajamen schließlich sind dicke Weizennudeln mit Miso-Fleischpaste, die man am Ende mit einem rohen Ei und Brühe zur Suppe „Chītantan“ verlängert. Zum Nachtisch gibt es Milchprodukte von der Koiwai-Farm am Fuß des Iwate-san.
Feste im Jahreslauf
Im Juni zieht beim Chagu-Chagu-Umakko eine Prozession prächtig geschmückter Pferde mit klingenden Glöckchen von Takizawa nach Morioka. Anfang August folgt der Sansa Odori, bei dem Tausende Tänzer und Trommler durch die Innenstadt ziehen; das Fest hält einen Weltrekord für die meisten gleichzeitig gespielten Taiko-Trommeln.
Anreise und beste Reisezeit
Der Hayabusa-Shinkansen erreicht Morioka von Tokio aus in gut zwei Stunden; hier zweigt auch der Akita-Shinkansen ab. Der Flughafen Iwate Hanamaki liegt etwa 45 Minuten entfernt. Im Zentrum fahren Rundbusse. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober; die Winter sind schneereich, aber ideal für Skigebiete wie Appi oder Shizukuishi in der Umgebung. Im Februar kommt das Schneelaternenfest im Iwate-Park hinzu, wenn Kerzen in Schneehäuschen die alten Burgmauern beleuchten.

