Kōriyama entdecken: Kanäle, Karpfen und Chorgesang
Reiseführer · redaktionellOhne einen Kanal aus dem 19. Jahrhundert wäre Kōriyama vermutlich ein Dorf geblieben – heute ist es die größte Wirtschaftsstadt der Präfektur Fukushima und ein Verkehrsknoten im Herzen Tōhokus. Für eine Reise in die Region eignet sich die Stadt als Basis für den Inawashiro-See, Aizu und die Onsen von Bandai-Atami.
Die Geschichte des Asaka-Kanals
Lange war die Asaka-Hochebene trocken und kaum bewirtschaftet. Das änderte sich mit dem Asaka-Sosui, einem Bewässerungskanal, der Wasser aus dem Inawashiro-See durch die Berge in die Ebene leitet. 1882 fertiggestellt, war er eines der ersten großen staatlichen Infrastrukturprojekte der Meiji-Zeit; der niederländische Ingenieur Cornelis van Doorn wirkte an der Planung mit, eine Statue erinnert an ihn am See. Mit dem Wasser kamen Reisfelder, Siedler aus ganz Japan und später Industrie. Im Kaiseizan-Park, dem früheren Zentrum der Erschließung, stehen der Schrein Kaiseizan Daijingū und hunderte Kirschbäume.
Sehenswürdigkeiten in Kōriyama
Am Bahnhof ragt der Big-i auf, ein Hochhaus mit Aussichtsetage und dem Wissenschaftszentrum Fureai, dessen Planetarium einst als das höchstgelegene der Welt im Guinness-Buch stand. Das Städtische Kunstmuseum in einem Hügelpark zeigt britische Malerei und Werke aus Japan. Kōriyama bezeichnet sich zudem als Musikstadt: Schul- und Laienchöre aus der Stadt gewinnen regelmäßig nationale Wettbewerbe, und Konzerte finden in mehreren Sälen statt. Im Westen liegt der Onsenort Bandai-Atami, wo seit Jahrhunderten heiße Quellen aus dem Boden sprudeln und Ryokan entlang eines Gebirgsbachs stehen.
Essen in Kōriyama
Eine Besonderheit ist der Karpfen: Kōriyama gehört zu den Orten in Japan, an denen am meisten Karpfen gezüchtet und gegessen wird. Serviert wird er als Koi no Umani, süßlich in Sojasauce geschmort, als Sashimi mit Essig-Miso oder frittiert. Die Region ist außerdem für Ramen mit klarer Sojabrühe und für Sake aus den Bergen bekannt, die Präfektur Fukushima gewinnt seit Jahren viele Goldmedaillen bei Japans Sake-Wettbewerb. Abends verteilt sich das Leben auf die Gassen östlich und westlich des Bahnhofs, wo Izakaya und Bars bis spät geöffnet haben.
Anreise, Ausflüge und beste Reisezeit
Mit dem Tōhoku-Shinkansen ist Kōriyama von Tokio in rund 80 Minuten erreichbar; der Flughafen Fukushima liegt etwa eine halbe Stunde südöstlich. Die Ban'etsu-West-Linie führt nach Aizu-Wakamatsu mit seiner Burg Tsuruga, unterwegs passiert sie den Inawashiro-See und den Vulkan Bandai. Östlich liegt die Abukuma-Höhle mit ihren Tropfsteinen. Die beste Reisezeit sind April mit der Kirschblüte, unter anderem am berühmten Miharu-Takizakura im Nachbarort, sowie der goldene Oktober. Die Winter sind kalt, aber meist schneeärmer als im westlichen Aizu.
Feste und Stadtleben
Im Sommer feiert Kōriyama mit dem Uneme-Fest, bei dem Tausende in Sommerkimonos durch die Innenstadt tanzen; es geht auf die Legende der Hofdame Uneme zurück, die einst eine Hungersnot der Region beim Kaiser zur Sprache gebracht haben soll. Rund um die Ekimae-Straße und die Einkaufspassagen findet man Kaufhäuser, Business-Hotels und kleine Läden mit Spezialitäten aus ganz Fukushima, etwa Lackwaren aus Aizu oder Pfirsichsüßigkeiten. Wer mehrere Tage in Tōhoku unterwegs ist, schätzt die zentrale Lage: Sendai, Aizu und Nikkō liegen jeweils in Reichweite.


