Kitakyūshū entdecken: Hafen, Burg und Stahlerbe
Reiseführer · redaktionellWo Honshū und Kyūshū sich fast berühren, schieben sich Frachter durch die Kanmon-Straße, und am Kai von Mojikō stehen Backsteinbauten aus der Zeit, als hier Welthandel getrieben wurde. Kitakyūshū ist die Stadt der Schiffe, Schornsteine und Märkte – und eine überraschend lohnende Station für eine Reise nach Südjapan. Wer einen Kitakyūshū Urlaub plant, findet Burgen, Industriegeschichte, Glyzinienblüten und eine eigenwillige Küche.
Fünf Städte, ein Name
Kitakyūshū existiert erst seit 1963, als sich die Städte Moji, Kokura, Wakamatsu, Yahata und Tobata zusammenschlossen. Jede hat ihre eigene Geschichte: Kokura war Burgstadt, Moji ein internationaler Hafen für Kohle und Reis, Wakamatsu ein Verladeplatz für Kohle aus den Minen des Chikuhō-Reviers. Mit dem staatlichen Stahlwerk Yawata, 1901 in Betrieb genommen, begann Japans moderne Schwerindustrie. Einige Anlagen gehören seit 2015 zum UNESCO-Welterbe der Stätten der industriellen Revolution der Meiji-Zeit. Die Luftverschmutzung der 1960er-Jahre war berüchtigt; dass Kitakyūshū heute als Vorbild für Umweltschutz gilt, ist eine der bemerkenswerten Wendungen der Stadtgeschichte.
Sehenswürdigkeiten in Kitakyūshū
Im Bezirk Kokura-Kita steht die Burg Kokura, deren Hauptturm 1959 wieder aufgebaut wurde; daneben liegt ein Garten im Stil eines Fürstensitzes. Fünf Gehminuten weiter beginnt der Tanga-Markt, eine schmale, überdachte Marktstraße, die man die Küche von Kitakyūshū nennt – Fisch, eingelegtes Gemüse und Bentos in kleinen Läden. Im Bezirk Moji lädt Mojikō Retro zum Bummeln ein: das alte Bahnhofsgebäude von 1914, Zollhaus, Handelskontore und eine Klappbrücke für Fußgänger. Wer mag, läuft durch den rund 780 Meter langen Kanmon-Fußgängertunnel unter dem Meer nach Shimonoseki auf Honshū. Im Bezirk Yahata-Nishi bietet der Berg Sarakura, per Seilbahn erreichbar, einen Nachtblick, der zu den schönsten Japans gezählt wird.
Blumen, Kultur und Museen
Ende April und Anfang Mai verwandelt der Garten Kawachi Fujien im Bezirk Yahata-Higashi seine Glyzinientunnel in ein Meer aus Violett und Weiß; der Eintritt muss in dieser Zeit vorab gebucht werden. Kulturell interessant sind das Matsumoto-Seichō-Museum, das dem berühmten Krimiautor gewidmet ist, und das TOTO-Museum zur Geschichte der Sanitärtechnik – die Firma stammt aus Kitakyūshū. Das Museum für Naturkunde und Menschheitsgeschichte im Bezirk Yahata-Higashi zeigt Dinosaurierskelette. Im Juli dröhnen beim Kokura Gion Daiko die Trommeln, die auf Wagen durch die Straßen gezogen werden.
Essen in Kitakyūshū
Kitakyūshū reklamiert gleich zwei Gerichte für sich: In Kokura soll nach dem Krieg Yaki-Udon erfunden worden sein, gebratene dicke Nudeln mit Gemüse und Fleisch. In Mojikō wiederum gibt es Yaki-Curry, Reis mit Currysoße und Käse, im Ofen überbacken. Bodenständig ist Nukadaki, Sardinen oder Makrelen, in Reiskleiepaste geschmort – ein Erbe der Arbeiterküche. Wegen der Lage am Meer sind Fugu aus der Kanmon-Straße, Tintenfisch und Austern aus der Region verbreitet. Nachts öffnen in Kokura einige Yatai, die typischen Straßenstände. Auf dem Tanga-Markt lohnt es sich, mittags eine Schale Reis zu kaufen und sie an den Ständen mit Sashimi, Tempura oder Gyōza zu einer eigenen Mahlzeit zusammenzustellen. Fisch aus der Genkai-See ist hier besonders frisch, und wer süße Mitbringsel sucht, stößt in Mojikō auf allerlei Bananengebäck – eine Anspielung auf die Zeit, als Bananen aus Taiwan hier angelandet und lautstark versteigert wurden.
Ausgehen und Unterwegs
Das Nachtleben konzentriert sich auf Kokura, vor allem rund um die Uomachi-Einkaufsstraße und die Ufer des Murasaki-Flusses mit dem Einkaufszentrum Riverwalk. Die Stadt ist ein guter Verkehrsknoten: Kokura liegt an der Shinkansen-Strecke, Hakata in Fukuoka ist in etwa 15 Minuten erreicht, Hiroshima in knapp einer Stunde. Der Flughafen Kitakyūshū liegt auf einer künstlichen Insel und ist rund um die Uhr geöffnet; alternativ bietet der Flughafen Fukuoka mehr Verbindungen. Innerhalb der Stadt fährt eine Einschienenbahn von Kokura nach Süden, JR-Linien verbinden die Bezirke.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst; Ende April bis Mitte Mai ist wegen der Glyzinien besonders gefragt. Die Kalksteinhochebene Hiraodai im Süden der Stadt eignet sich für Wanderungen zwischen grasbewachsenen Felsen, die an Schafherden erinnern. Shimonoseki mit seinem Fischmarkt Karato ist mit der kleinen Fähre ab Mojikō in wenigen Minuten erreichbar, und die Großstadt Fukuoka liegt nur eine kurze Zugfahrt entfernt.


