Kanazawa entdecken: Kenroku-en, Teehäuser und Blattgold
Reiseführer · redaktionellAuf einem Teller Eis liegt ein ganzes Blatt Gold, so dünn, dass es beim Atmen zittert – in Kanazawa ist das kein Luxus, sondern Lokalkolorit. Die Stadt an der Japanischen See entging im Zweiten Weltkrieg den Bombenangriffen und bewahrte Samuraiviertel, Teehausgassen und einen der schönsten Gärten Japans. Für eine Kanazawa Städtereise sollte man mindestens zwei Tage einplanen.
Die reiche Burgstadt der Maeda
Ab 1583 regierte die Familie Maeda von Kanazawa aus das Lehen Kaga, nach dem Shogunat das reichste Fürstentum Japans. Weil die Maeda politisch nicht auffallen durften, steckten sie ihr Vermögen in Kunst und Handwerk: Teezeremonie, Nō-Theater, Lackkunst, Kaga-Yūzen-Seidenmalerei und Kutani-Porzellan blühten. Bis heute stammt fast das gesamte Blattgold Japans aus Kanazawa. Die Neujahrsbeben auf der Noto-Halbinsel 2024 trafen die Präfektur Ishikawa schwer, Kanazawa selbst kam aber weitgehend glimpflich davon.
Sehenswürdigkeiten in Kanazawa
Der Kenroku-en gilt als einer der drei großen Landschaftsgärten Japans. Über mehr als anderthalb Jahrhunderte gewachsen, vereint er Teiche, Teehäuser, eine zweibeinige Steinlaterne und im Winter die Yukitsuri, kegelförmige Seilgerüste, die Kiefernäste vor Schneelast schützen. Gegenüber liegt der Burgpark mit rekonstruierten Toren und Wachtürmen, deren weiße Dachziegel aus Blei gefertigt wurden. Im Nagamachi-Viertel führen Gassen zwischen Lehmmauern zu Samuraihäusern wie dem der Familie Nomura mit seinem kleinen Garten. Der Tempel Myōryū-ji, wegen seiner Fallen, Geheimtreppen und versteckten Räume „Ninja-Tempel“ genannt, ist nur mit Führung und Reservierung zu besichtigen.
Teehausviertel Higashi Chaya und Kazuemachi
Am Ufer des Asano-Flusses liegt Higashi Chaya, das bekannteste der drei Teehausviertel. Hinter den holzvergitterten Fassaden empfingen Geishas einst ihre Gäste; das Teehaus Shima aus dem Jahr 1820 ist als Museum zugänglich, andere sind zu Cafés und Läden für Blattgoldwaren geworden. Am Abend, wenn die Laternen angehen, ist die Stimmung am schönsten. Kazuemachi auf der anderen Flussseite ist kleiner und ruhiger, Nishi Chaya liegt jenseits des Sai-Flusses nahe dem Tempelviertel Teramachi.
Museen und moderne Kunst
Das 21st Century Museum of Contemporary Art, ein flacher, kreisrunder Glasbau des Büros SANAA, zeigt zeitgenössische Kunst und ist vor allem für Leandro Erlichs „Swimming Pool“ bekannt, in dem Besucher scheinbar unter Wasser stehen. Ganz in der Nähe meditiert man im D. T. Suzuki Museum, einem minimalistischen Bau von Yoshio Taniguchi mit Wasserspiegel, der dem Zen-Gelehrten gewidmet ist. Das Präfekturmuseum für Kunst zeigt Kutani-Porzellan und Werke aus dem Besitz der Maeda, und im Blattgoldmuseum Yasue erfährt man, wie das Gold auf wenige Zehntausendstel Millimeter geschlagen wird.
Essen in Kanazawa: Ōmichō-Markt und Wintergaben
Der Ōmichō-Markt versorgt die Stadt seit fast 300 Jahren; zwischen den Fischständen servieren kleine Lokale Kaisendon, Reisschalen mit rohem Fisch, Garnelen und Seeigel. Im Winter sind Krabben die Stars, besonders die kleinen weiblichen Kōbako-Krabben. Nodoguro, der Rotbarsch mit schwarzem Schlund, gilt als Delikatesse. Typisch sind Jibuni, ein Eintopf mit Ente und Weizengluten in gebundener Brühe, sowie Kanazawa-Oden, das hier ganzjährig gegessen wird. Wer es deftig mag, probiert Kanazawa-Curry mit dicker, dunkler Soße und Schnitzel. Abends ziehen Einheimische in die Bars und Izakaya von Katamachi und Kōrinbō. Zur Teezeit gehören Wagashi dazu: Kanazawa zählt neben Kyōto und Matsue zu den großen Süßwarenstädten Japans, und in alten Konditoreien gibt es Gebäck, das passend zur Jahreszeit geformt ist.
Unterwegs in Kanazawa und beste Reisezeit
Seit 2015 fährt der Hokuriku-Shinkansen von Tokio in rund zweieinhalb Stunden nach Kanazawa, seit 2024 auch weiter bis Tsuruga. Vor dem Bahnhof empfängt das hölzerne Tsuzumi-mon-Tor mit gläserner Kuppel die Reisenden. Der Flughafen Komatsu liegt etwa 40 Minuten mit dem Bus entfernt. In der Stadt fahren Loop-Busse zu den Hauptsehenswürdigkeiten, viele Wege lassen sich auch zu Fuß oder mit Leihrädern erledigen. Ein Schirm gehört ins Gepäck: Kanazawa ist eine der regenreichsten Städte Japans. Die beste Reisezeit sind die Kirschblüte im April und der Herbst; im Winter locken Schnee im Kenroku-en und frische Krabben. Lohnend sind Ausflüge zu den Strohdachhäusern von Shirakawa-gō und Gokayama.




