Hiroshima entdecken: Friedenspark, Tram und Okonomiyaki
Reiseführer · redaktionellMorgens fährt die grüne Straßenbahn an der Ruine der Atombombenkuppel vorbei, und Schulklassen falten am Kinderdenkmal Papierkraniche – wer eine Reise nach Hiroshima plant, begegnet zuerst der Erinnerung. Doch die Stadt im Delta des Ōta-Flusses ist heute vor allem lebendig, grün und erstaunlich entspannt. Ein Hiroshima Urlaub verbindet Nachdenken mit Okonomiyaki, Baseballabenden und einem Abstecher zur Insel Miyajima.
Vom Burgstädtchen zum Symbol des Friedens
Gegründet wurde Hiroshima 1589, als der Feudalherr Mōri Terumoto auf einer Flussinsel seine Burg errichten ließ. Später regierte hier über zwei Jahrhunderte die Familie Asano, und in der Meiji-Zeit wuchs die Stadt zu einem wichtigen Militär- und Hafenstandort heran. Am 6. August 1945 zerstörte die erste im Krieg eingesetzte Atombombe weite Teile des Zentrums; Zehntausende starben sofort, viele weitere an den Folgen. Der Wiederaufbau begann schon wenige Jahre später, und 1949 erklärte ein eigenes Gesetz Hiroshima zur Friedensstadt. Heute ist sie Millionenstadt, Sitz von Mazda und Heimat des Baseballklubs Hiroshima Toyo Carp, dessen rote Mützen man überall sieht.
Sehenswürdigkeiten in Hiroshima
Ausgangspunkt fast jeder Erkundung ist der Friedenspark im Bezirk Naka. Die Atombombenkuppel, das stehen gebliebene Gerippe der einstigen Industrie- und Handelskammer, gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Gegenüber liegt das von Kenzō Tange entworfene Friedensdenkmal-Museum, das mit persönlichen Gegenständen der Opfer – verkohlten Schuluniformen, einer stehen gebliebenen Uhr – eindringlich erzählt, was an jenem Morgen geschah. Man sollte dafür mindestens zwei Stunden einplanen und danach Zeit haben, um am Flussufer durchzuatmen. Ein paar Straßenbahnstationen weiter erhebt sich die Burg Hiroshima, deren Hauptturm 1958 rekonstruiert wurde und ein kleines Museum zur Samuraizeit beherbergt. Ganz in der Nähe lädt der Shukkei-en, ein Landschaftsgarten aus dem frühen 17. Jahrhundert, mit Teehäusern, Brücken und Karpfenteich zum Verweilen ein. Kunstfreunde finden im Hiroshima Museum of Art französische Impressionisten.
Miyajima und Ausflüge in die Umgebung
Der bekannteste Ausflug führt nach Miyajima. Von Miyajimaguchi setzt die Fähre in rund zehn Minuten zur Insel über, auf der der Itsukushima-Schrein auf Stelzen im Wasser steht; sein großes, zinnoberrotes Torii scheint bei Flut zu schwimmen. Zahme Hirsche begleiten die Besucher, und wer früh aufbricht, kann vor dem Tagesansturm auf den Berg Misen wandern oder die Seilbahn nehmen. Wer mehr Zeit hat, fährt ostwärts in die Hafenstadt Onomichi mit ihren Tempelpfaden und Startpunkt der Radroute Shimanami Kaidō, oder ins Sake-Städtchen Saijō, wo sich mehrere Brauereien rund um den Bahnhof drängen.
Essen in Hiroshima: Okonomiyaki und Austern
Kulinarisch dreht sich vieles um eine Spezialität: das Okonomiyaki nach Hiroshima-Art. Anders als in Osaka wird der Teig nicht vermischt, sondern geschichtet – dünner Pfannkuchen, ein Berg Weißkohl, Schweinebauch, Nudeln, ein Spiegelei und zum Schluss reichlich dunkle Soße. In der Okonomimura nahe der Einkaufsstraße Hondōri teilen sich zahlreiche kleine Stände mehrere Etagen, man sitzt direkt an der heißen Platte. Im Winter sind Austern aus der Bucht von Hiroshima Pflicht, gegrillt, frittiert oder im Eintopf. Dazu kommen die kalten Tsukemen-Nudeln mit scharfer Dippsoße und als Mitbringsel die ahornblattförmigen Momiji-Manjū aus Miyajima.
Ausgehen und Stadtleben
Abends verlagert sich das Leben in den Bezirk Naka. Die überdachte Hondōri und die Seitenstraßen von Hatchōbori sind voller Kaufhäuser und Izakaya, während das Viertel Nagarekawa mit kleinen Bars, Karaoke und Snackbars das traditionelle Nachtleben bildet. Zwischen April und September lohnt ein Heimspiel der Carp in der Mazda Zoom-Zoom Stadium nahe dem Bahnhof im Bezirk Minami: Die Stimmung ist ausgelassen, die Fans gelten als die treuesten des Landes. Am 6. August, dem Gedenktag, setzen Tausende Menschen Papierlaternen auf den Motoyasu-Fluss – ein stiller, bewegender Moment.
Unterwegs in Hiroshima und beste Reisezeit
Mit dem Shinkansen ist Hiroshima von Osaka in etwa 90 Minuten, von Tokio in rund vier Stunden erreichbar. Der Flughafen Hiroshima liegt etwa 50 Kilometer östlich, Limousinenbusse fahren in knapp einer Stunde ins Zentrum. Vor Ort ist die Straßenbahn Hiroden das ideale Verkehrsmittel: Sie verbindet Bahnhof, Friedenspark und sogar den Fährhafen nach Miyajima. Die beste Reisezeit sind der Frühling zur Kirschblüte und der Herbst, wenn die Ahornwälder auf Miyajima leuchten; der Sommer ist schwül und heiß, die Austernsaison reicht von etwa November bis Februar.






