Hamamatsu entdecken: Klaviere, Aal und Drachenfest
Reiseführer · redaktionellKlaviere, Motorräder und Aal – kaum eine japanische Stadt hat so eigenwillige Markenzeichen wie Hamamatsu. Wer eine Hamamatsu Reise plant, findet zwischen dem Hamana-See und den Bergen des Tenryū-Tals eine Industriestadt mit Burggeschichte, Dünen am Pazifik und einem großen Drachenfest.
Von Ieyasus Burg zur Stadt der Erfinder
Tokugawa Ieyasu residierte 17 Jahre lang auf der Burg Hamamatsu, bevor er nach Sunpu und später nach Edo weiterzog. Weil mehrere spätere Burgherren zu hohen Ämtern im Shogunat aufstiegen, gilt sie als „Burg der Karriere“. Der heutige Hauptturm ist eine Rekonstruktion von 1958, die grob geschichteten Steinmauern aber stammen noch aus dem 16. Jahrhundert. Später wurde Hamamatsu zum Erfindernest: Torakusu Yamaha baute hier 1887 seine erste Orgel, Kawai und Roland folgten; Michio Suzuki begann mit Webstühlen, Sōichirō Honda eröffnete in Hamamatsu seine ersten Werkstätten. Suzuki hat bis heute hier seinen Hauptsitz. Seit den Eingemeindungen von 2005 reicht die Stadt bis tief in die Berge und gehört flächenmäßig zu den größten Japans; seit 2024 gliedert sie sich in die Bezirke Chūō, Hamana und Tenryū.
Sehenswürdigkeiten in Hamamatsu
Das Musikinstrumentenmuseum nahe dem Bahnhof war das erste öffentliche seiner Art in Japan und zeigt Gamelan-Orchester, afrikanische Trommeln und frühe Hammerklaviere – viele Instrumente darf man selbst ausprobieren. Daneben ragt der Act Tower über 200 Meter auf, dessen Form an eine Mundharmonika erinnern soll; von der Aussichtsetage reicht der Blick über Stadt und Küste. Im Norden liegt der Tempel Ryōtan-ji mit einem Garten, der dem Teemeister Kobori Enshū zugeschrieben wird. Am Pazifik erstrecken sich die Sanddünen von Nakatajima, an denen Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Technikinteressierte besuchen das Suzuki-Museum oder die Ausstellung Innovation Road am Yamaha-Hauptsitz.
Rund um den Hamana-See
Der Hamana-See, eine Brackwasserlagune mit schmaler Öffnung zum Meer, prägt den Westen der Stadt. Am Ostufer liegt Kanzanji Onsen mit Thermalhotels und einer Seilbahn über das Wasser auf den Ōkusayama, von dem man bei klarem Wetter bis zum Fuji blickt. Im See werden Austern gezogen – und vor allem Aale: Am Hamana-See begann im 19. Jahrhundert die japanische Aalzucht. Bei Bentenjima steht ein großes rotes Torii im Wasser, bei Sonnenuntergang das beliebteste Fotomotiv der Gegend.
Essen in Hamamatsu: Unagi und Gyoza
Gegrillter Aal mit süßer Sojaglasur auf Reis ist das Festessen der Region; in den Fachrestaurants wird er mal nach Kantō-Art gedämpft, mal nach Kansai-Art direkt gegrillt – Hamamatsu liegt kulinarisch genau auf der Grenze. Alltäglicher und mindestens ebenso stolz verteidigt sind Hamamatsu-Gyoza: Die Teigtaschen werden kreisförmig in der Pfanne angeordnet und mit einem Häufchen gekochter Sojasprossen in der Mitte serviert. Mit Utsunomiya liefert sich die Stadt seit Jahren einen freundschaftlichen Wettstreit um den höchsten Gyoza-Verbrauch. Als Mitbringsel kauft man Unagi Pie, knuspriges Blätterteiggebäck mit Aalextrakt. Wegen der großen brasilianischen Gemeinde, die seit den 1990er-Jahren in den Fabriken arbeitet, gibt es zudem Churrascarias und brasilianische Supermärkte.
Feste und Ausgehen
Das Hamamatsu-Fest vom 3. bis 5. Mai ist der Höhepunkt des Jahres: Die Stadtteile lassen über den Dünen von Nakatajima riesige Drachen gegeneinander kämpfen, abends ziehen prächtig beleuchtete Festwagen durch das Zentrum. Alle drei Jahre findet zudem der Internationale Klavierwettbewerb Hamamatsu statt. Zum Ausgehen trifft man sich in den Izakaya und Bars rund um die Kajimachi-dōri, in Tamachi und Sakanamachi unweit des Bahnhofs. Im Sommer badet man am Hamana-See oder schaut den Feuerwerken am Ufer zu, im Winter bieten die Bergdörfer im Bezirk Tenryū heiße Quellen und Ruhe.
Unterwegs in Hamamatsu und beste Reisezeit
Mit dem Tōkaidō-Shinkansen erreicht man Hamamatsu von Tokio in etwa 90 Minuten, von Nagoya in gut einer halben Stunde. Nächste Flughäfen sind Mt. Fuji Shizuoka (FSZ) und Chūbu Centrair (NGO) bei Nagoya. Vor Ort verbinden die roten Züge der Enshū-Eisenbahn das Zentrum mit dem Norden, Busse fahren zum Hamana-See und nach Nakatajima. Am angenehmsten ist Hamamatsu im Frühling und Herbst; der Winter ist sonnig, aber vom kalten, trockenen Nordwestwind geprägt, den die Einheimischen Enshū no Karakaze nennen.





