Tarent entdecken: Zwei Meere und Magna Graecia
Reiseführer · redaktionellTarent liegt zwischen zwei Meeren: dem offenen Mar Grande und dem lagunenartigen Mar Piccolo, verbunden durch einen Kanal, über den sich eine Drehbrücke spannt. Die alte Hafenstadt am Golf von Tarent ist weniger touristisch als andere Orte Apuliens, bietet aber eines der wichtigsten archäologischen Museen Italiens. Eine Reise nach Tarent zeigt eine Stadt im Wandel, mit großem Erbe und rauem Charme.
Spartas Kolonie
Im 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten Spartaner die Stadt Taras, die zur reichsten Metropole der Magna Graecia aufstieg. Der Philosoph Archytas, ein Freund Platons, regierte hier. Nach den Römern folgten Byzantiner, Sarazenen, Normannen und Aragonesen. Im 19. Jahrhundert wurde Tarent zum Hauptstützpunkt der italienischen Marine, im 20. Jahrhundert entstand eines der größten Stahlwerke Europas, dessen Zukunft und Umweltfolgen bis heute diskutiert werden.
Sehenswürdigkeiten in Tarent
Das Museo Archeologico Nazionale, kurz MArTA, zeigt Goldschmuck, Vasen, Terrakotten und Skulpturen aus der griechischen Zeit; die „Ori di Taranto“, filigraner Goldschmuck, gelten als einzigartig. Die Altstadt liegt auf einer Insel zwischen den beiden Meeren. Hier stehen die Kathedrale San Cataldo, eine der ältesten Apuliens, mit einer prachtvollen barocken Kapelle, und zwei dorische Säulen eines Tempels aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Das aragonesische Kastell am Kanal wird von der Marine verwaltet, die Besucher kostenlos führt. Die Drehbrücke öffnet sich, wenn Kriegsschiffe in das Mar Piccolo einlaufen – ein Schauspiel, das man vom Ufer aus beobachten kann. In der Altstadt wird seit einigen Jahren saniert, viele Gassen sind aber noch von Verfall geprägt.
Essen in Tarent
Das Mar Piccolo ist berühmt für seine Miesmuscheln, die hier seit Jahrhunderten gezüchtet werden. Die „Cozze tarantine“ werden roh, gratiniert oder mit Pasta serviert. Dazu kommen Austern, Seeigel und Fisch, den man am Fischmarkt der Altstadt kauft. Orecchiette und Focaccia sind ebenso verbreitet wie im übrigen Apulien. Zum Essen passt ein Primitivo di Manduria aus dem Hinterland.
Feste und Kultur
Die Karwoche ist in Tarent besonders eindrucksvoll: Bruderschaften in Kapuzen ziehen in langsamen, schwankenden Schritten stundenlang durch die Straßen, begleitet von Trauermärschen. Im Mai feiert die Stadt ihren Schutzpatron San Cataldo mit einer Prozession auf dem Meer.
Unterwegs und beste Reisezeit
Die nächsten Flughäfen sind Brindisi und Bari, beide gut eine Stunde entfernt; Busse und Züge verbinden sie mit Tarent. Innerhalb der Stadt fahren Busse, die Altstadtinsel erkundet man zu Fuß. Die Strände an der ionischen Küste, etwa bei Lido Silvana oder Marina di Pulsano, sind mit dem Auto in einer halben Stunde erreichbar. Ausflüge führen nach Grottaglie mit seinen Keramikwerkstätten, nach Martina Franca im Valle d'Itria und nach Matera. Beste Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober, wenn das Meer warm ist und die Sonne noch nicht brennt. Wer die Karwochenprozessionen erleben möchte, sollte früh buchen, denn dann reisen auch viele Italiener an. Ein Spaziergang am Lungomare Vittorio Emanuele III mit Blick auf das Mar Grande und die Inseln Cheradi gehört bei Sonnenuntergang zu den schönsten Momenten einer Reise nach Tarent.








