Padua entdecken: Giotto, Antonius und Prato
Reiseführer · redaktionellNur eine halbe Stunde mit dem Zug von Venedig entfernt, aber mit ganz eigenem Rhythmus: Padua ist Universitätsstadt, Pilgerziel und Schatzkammer der Malerei. Eine Städtereise nach Padua führt zu Giottos revolutionären Fresken, über weite Marktplätze und in Arkadengassen, in denen Studenten zum Spritz zusammenkommen.
Gelehrte und Heilige
Padua gilt als eine der ältesten Städte Norditaliens; der Legende nach gründete sie der Trojaner Antenor. Die 1222 gegründete Universität ist eine der ältesten Europas. Galileo Galilei lehrte hier fast zwei Jahrzehnte, und 1678 wurde mit Elena Lucrezia Cornaro Piscopia an der Universität Padua die erste Frau der Welt promoviert. Im Palazzo del Bo, dem Hauptgebäude, steht das älteste erhaltene feste Anatomische Theater der Welt. Über Jahrhunderte gehörte die Stadt zur Republik Venedig, deren Löwe noch vielerorts an Fassaden prangt.
Sehenswürdigkeiten in Padua
Die Scrovegni-Kapelle ist der Grund, warum viele Kunstliebhaber nach Padua reisen. Giotto malte hier um 1305 einen Zyklus zum Leben Marias und Christi, dessen lebensnahe Figuren und tiefblauer Sternenhimmel die Malerei der Renaissance vorwegnahmen. Der Besuch ist nur mit Zeitfenster möglich, Reservierung ist ratsam. Seit 2021 gehören die Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts in mehreren Bauten der Stadt zum UNESCO-Welterbe. Die Basilika des heiligen Antonius, mit ihren orientalisch anmutenden Kuppeln, zieht jährlich Pilger aus aller Welt an; davor steht Donatellos Reiterstandbild des Gattamelata. Ganz in der Nähe liegt der Orto Botanico, gegründet 1545 und damit der älteste noch am ursprünglichen Ort bestehende Universitätsgarten der Welt.
Plätze und Märkte
Der Palazzo della Ragione mit seinem riesigen, freskierten Saal teilt zwei Marktplätze: die Piazza delle Erbe und die Piazza della Frutta. Unter seinen Arkaden verkaufen seit Jahrhunderten Metzger, Käsehändler und Bäcker ihre Waren. Abends verwandeln sich die Plätze in Treffpunkte für den Aperitivo, und Padua beansprucht für sich, eine Heimat des Spritz zu sein. Die Prato della Valle gilt als einer der größten Plätze Europas: eine elliptische Insel, umgeben von einem Kanal und 78 Statuen berühmter Persönlichkeiten.
Essen in Padua
Die Küche ist venetisch geprägt: Bigoli mit Entensauce, Risotto, gekochtes Fleisch mit Salsa verde und das Huhn der lokalen Rasse Padovana. Im Caffè Pedrocchi, einem klassizistischen Kaffeehaus aus dem 19. Jahrhundert, das früher Tag und Nacht geöffnet war, trinkt man den Caffè Pedrocchi mit Minzcreme und Kakao. Als Vorspeise sind Cicchetti verbreitet, kleine Häppchen wie in Venedig, die man im Stehen mit einem Glas Wein isst.
Unterwegs und Ausflüge
Padua liegt an der Hauptstrecke Mailand–Venedig, der nächste Flughafen ist Venedig Marco Polo, mit dem Bus in rund einer Stunde erreichbar. Eine Straßenbahnlinie verbindet den Bahnhof mit dem Zentrum und den südlichen Vierteln. Lohnende Ausflüge führen in die Euganeischen Hügel mit Thermalorten wie Abano Terme, zu den Villen an der Brenta und nach Vicenza. Die beste Reisezeit ist das Frühjahr und der Frühherbst; im Juni feiert die Stadt am 13. ihren Heiligen Antonius mit einer großen Prozession.












