Matera entdecken: Höhlenstadt der Sassi
Reiseführer · redaktionellHäuser, Kirchen und Treppen, übereinandergeschichtet an den Hängen einer Schlucht, viele davon in den weichen Tuffstein gehauen: Matera sieht aus wie eine Kulisse – und diente oft genug als eine, vom Jesusfilm bis zu James Bond. Eine Reise nach Matera führt in eine der ältesten durchgehend bewohnten Siedlungen der Welt.
Von der „Schande Italiens“ zur Kulturhauptstadt
Höhlen in der Schlucht der Gravina wurden schon in der Steinzeit bewohnt. Über Jahrhunderte wuchsen die Sassi zu einer Stadt, in der Menschen und Tiere in Höhlenwohnungen lebten. Der Schriftsteller Carlo Levi beschrieb in „Christus kam nur bis Eboli“ die bittere Armut der 1930er-Jahre, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bewohner in neue Viertel umgesiedelt. Die Sassi verfielen, bis man ab den 1980er-Jahren mit der Sanierung begann. 1993 wurden sie UNESCO-Welterbe, 2019 war Matera Kulturhauptstadt Europas.
Sehenswürdigkeiten in Matera
Die Altstadt besteht aus zwei Vierteln: dem Sasso Barisano im Norden, mit vielen restaurierten Höhlenhäusern, Hotels und Restaurants, und dem ursprünglicheren Sasso Caveoso im Süden. Dazwischen erhebt sich auf dem Civita-Hügel die romanische Kathedrale. Über hundert Felsenkirchen gibt es in und um Matera, darunter Santa Maria de Idris auf einem Felsen und San Pietro Barisano, teils mit byzantinischen Fresken. In der Casa Grotta di Vico Solitario ist eine Höhlenwohnung eingerichtet, wie sie bis in die 1950er-Jahre bewohnt war. Riesige Zisternen wie der Palombaro Lungo unter der Piazza Vittorio Veneto zeigen, wie die Bewohner Regenwasser sammelten. Den schönsten Blick auf die Sassi hat man vom Belvedere auf der gegenüberliegenden Schluchtseite im Park der Murgia Materana.
Essen und Ausgehen
Das Brot von Matera, ein großer Laib aus Hartweizengrieß mit geschützter Herkunftsbezeichnung, gilt als eines der besten Italiens. Typisch sind Crapiata, eine Suppe aus Hülsenfrüchten, Cavatelli und Orecchiette, Peperoni cruschi, getrocknete und knusprig frittierte Paprika, und Lamm. Viele Restaurants befinden sich in ausgebauten Höhlen. Abends trifft man sich an der Piazza Vittorio Veneto und an der Via Ridola.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Bari, von dort fahren Busse und die Schmalspurbahn Ferrovie Appulo Lucane in gut einer Stunde nach Matera. Die Sassi sind steil, und vieles erreicht man nur über Treppen; gutes Schuhwerk ist wichtig. Ideal sind Frühling und Herbst; im Sommer wird es heiß, im Winter kann es kalt und feucht sein. Am 2. Juli feiert Matera das Fest der Madonna della Bruna, bei dem ein Pappmaché-Wagen am Ende von der Menge zerlegt wird. Ausflüge führen nach Altamura, berühmt für sein Brot und einen Neandertalerfund, ins Valle d'Itria mit den Trulli von Alberobello und nach Craco, einem verlassenen Bergdorf auf einem Felsrücken. Im Park der Murgia Materana führen Wanderwege zu Höhlenkirchen und Aussichtspunkten; besonders stimmungsvoll ist ein Besuch am späten Nachmittag, wenn die Sassi im warmen Licht leuchten und nach und nach die Lichter angehen. Wer in einem Höhlenhotel übernachtet, erlebt Matera am Abend und frühen Morgen, wenn die Tagesbesucher fort sind.








