Basilikata: Matera und das stille Süditalien
Reiseführer · redaktionellZwischen Kampanien, Apulien und Kalabrien liegt eine der am dünnsten besiedelten Regionen Italiens, lange vergessen und heute vor allem durch Matera bekannt. Ein Urlaub in der Basilikata führt zu Höhlenstädten, einsamen Bergdörfern und zwei kurzen, sehr unterschiedlichen Küsten.
Berge, Lehmhügel und zwei Meere
Die Basilikata, auch Lukanien genannt, ist zu großen Teilen Bergland. Im Westen erhebt sich der Apennin, im Süden teilt sich die Region mit Kalabrien den Nationalpark Pollino. Im Osten wird das Land weicher, mit Lehmhügeln und tiefen Erosionsrinnen, den Calanchi bei Aliano, die Carlo Levi im Roman Christus kam nur bis Eboli beschrieb. Am Tyrrhenischen Meer hat die Region nur rund 30 Kilometer steile Küste, am Ionischen Meer einen langen, flachen Sandstreifen. Im Norden ragt der erloschene Vulkan Monte Vulture auf, umgeben von Weinbergen und Kraterseen.
Matera, Stadt der Sassi
Matera ist das bekannteste der Basilikata Reiseziele. Die Sassi, zwei in den Kalkfels gegrabene Stadtviertel, waren noch in den 1950er Jahren bewohnt, oft von Familien mit ihren Tieren in einer Höhle. Die Zustände galten als nationale Schande, die Bewohner wurden umgesiedelt. Heute sind die Sassi Welterbe und mit Hotels, Restaurants und Felsenkirchen mit byzantinischen Fresken belebt. 2019 war Matera Kulturhauptstadt Europas, und Filme wie Die Passion Christi und ein James-Bond-Film wurden hier gedreht. Auf dem gegenüberliegenden Plateau der Murgia Materana liegen weitere Höhlenkirchen in einem Naturpark.
Sehenswürdigkeiten in der Basilikata
Potenza, die Hauptstadt, liegt auf über 800 Metern und ist eine der höchstgelegenen Provinzhauptstädte Italiens; ihre lange Rolltreppenanlage verbindet die Stadtteile. Im Norden steht in Melfi eine normannische Burg, in der Friedrich II. 1231 die Konstitutionen von Melfi verkündete. Venosa war Geburtsort des Dichters Horaz und besitzt eine unvollendete Abteikirche, die Incompiuta. In den Lukanischen Dolomiten verbindet der Volo dell'Angelo, eine Seilrutsche, die Bergdörfer Castelmezzano und Pietrapertosa. Craco, ein nach Erdrutschen verlassenes Dorf, ist eine beeindruckende Geisterstadt bei Pisticci.
Die Küsten: Maratea und Metaponto
Maratea am Tyrrhenischen Meer ist das schönste Küstenstück, mit Buchten, Grotten und einer weißen Christusstatue auf dem Monte San Biagio, die über die Bucht blickt. Die Ionische Küste mit Policoro und Metaponto bietet lange Strände und Pinienwälder. Bei Metaponto stehen die Tavole Palatine, Säulen eines griechischen Hera-Tempels; Pythagoras soll hier gestorben sein. Nahebei liegt Bernalda, Heimatort der Familie von Francis Ford Coppola, der dort ein Hotel eröffnete.
Essen, Anreise und beste Reisezeit
Die lukanische Küche ist einfach: Peperoni cruschi, getrocknete und frittierte Paprika, Lucanica-Wurst, die schon die Römer kannten, Pane di Matera aus Hartweizen und Orecchiette mit Ragù. Der Aglianico del Vulture ist ein kräftiger Rotwein. Einen eigenen Flughafen gibt es nicht, man reist meist über Bari an, das mit Matera durch eine Privatbahn verbunden ist. Ein Auto ist fast unverzichtbar. Die beste Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober; im Hochsommer ist es im Landesinneren heiß, im Winter in den Bergen kalt.













