
Über Cardiff Castle
Cardiff Castle, walisisch Castell Caerdydd, ist eine faszinierende kulturelle Stätte, die sich im Herzen der walisischen Hauptstadt befindet. Die Anlage vereint die Geschichte einer mittelalterlichen Burg mit der Pracht eines neugotischen Herrenhauses im viktorianischen Stil. Sie liegt östlich des River Taff an der südöstlichen Ecke des Bute Parks und ist durch ihre Lage innerhalb der Mauern eines ehemaligen römischen Kastells besonders bemerkenswert. Als Kulturdenkmal der höchsten Kategorie und geschütztes Monument spiegelt der Ort einen breiten Querschnitt der militärischen und architektonischen Entwicklung Wales wider. Besucher erwartet hier ein Ort, an dem sich römische, normannische, mittelalterliche und viktorianische Epochen auf engstem Raum begegnen.
Die Geschichte des Ortes beginnt in der Antike. Zwischen 55 und 66 nach Christus entstand an einer Furt über den River Taff ein römisches Kastell, das als Stützpunkt für Feldzüge gegen die Silurer diente. Dieses erste Lager war eine rechteckige Erd- und Holzbefestigung, die deutlich größer war als die heutige Burganlage. Nach einer kurzen Phase der Aufgabe wurde gegen Ende des ersten Jahrhunderts ein kleineres Lager errichtet, gefolgt von einem dritten Lager zu Beginn des zweiten Jahrhunderts. Das vierte und letzte römische Kastell entstand um 276 bis 285. Es verfügte über steinerne Befestigungen und wurde etwa ein Jahrhundert lang genutzt. Die Fundamente dieser römischen Mauern bilden bis heute das Fundament der gesamten Anlage.
Mit der normannischen Eroberung im 11. Jahrhundert begann ein neues Kapitel. Wilhelm der Eroberer ließ 1081 innerhalb der noch vorhandenen römischen Mauern eine Motte mit hölzernen Befestigungen errichten. Diese Burg sicherte weiterhin die strategisch wichtige Furt über den Fluss und diente als Ausgangspunkt für die Eroberung des walisischen Königreichs Morgannwg. Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurde der hölzerne Turm durch einen steinernen Shell Keep ersetzt. Die Anlage entwickelte sich zu einem Verwaltungszentrum der normannischen Herrschaft in Glamorgan. Im späten Mittelalter wurde die Burg zu einem wohnlichen Anwesen ausgebaut, das im 16. und 18. Jahrhundert weiter vergrößert wurde.
Der Übergang von der reinen Festung zum repräsentativen Wohnsitz vollzog sich schrittweise. Nach dem Tod des letzten Barons Despenser im Jahr 1400 blieb die Burg im Besitz seiner Familie, bis sie 1423 an Richard Beauchamp fiel. Dieser ließ den Octagon Tower sowie ein neues Wohngebäude an der Westseite errichten. Im 16. Jahrhundert kam die Anlage in den Besitz der Familie Herbert, die die westlichen Wohngebäude weiter ausbaute. Während des englischen Bürgerkriegs diente die Burg zeitweise als Stützpunkt der Parlamentstruppen. Nach dem Krieg wurde sie nicht geschleift, verfiel jedoch im 18. Jahrhundert zunehmend, da die Familie Herbert ihren Wohnsitz nach Wiltshire verlegte.
Die Wiedergeburt des Ortes begann 1766, als die Burg an John Stuart, den späteren 1. Marquess of Bute, fiel. Er begann mit der Renovierung der vernachlässigten Anlage und ließ den Burghof nach Plänen von Lancelot Brown neu gestalten. Henry Holland entwarf den Westflügel und einen südlichen Anbau im neugotischen Stil. Diese Arbeiten wurden unter dem 2. Marquess von Bute bis 1818 vollendet. Der eigentliche Wandel zum prächtigen Herrenhaus erfolgte jedoch erst im späten 19. Jahrhundert. Der 3. Marquess beauftragte den Architekten William Burges, die Wohngebäude an der Westseite, die sogenannten Western Apartments, in ein neugotisches Märchenschloss umzubauen.
William Burges gestaltete die Innenräume mit großer Fantasie und aufwendiger Handwerkskunst. Siebzehn Räume wurden in unterschiedlichen historischen Stilen dekoriert, darunter der Winter Smoking Room mit einem prächtigen Rippengewölbe und der Summer Smoking Room mit einer ausgemalten Kuppel. Der große Speisesaal besitzt ein hölzernes Gewölbe, während der Arab Room im orientalisierenden Stil mit einem vergoldeten Deckengewölbe besticht. Auch die Bibliothek mit ihren Marmorregalböden und der Chaucer Room mit Glasmalereien aus den Canterbury Tales sind eindrucksvoll. Nach Burges Tod 1881 wurde das Projekt von seinen Assistenten fortgeführt und schließlich in den 1920er Jahren abgeschlossen.
Die äußere Erscheinung der Burg ist durch die römischen Mauern geprägt, die eine Fläche von 3,7 Hektar umschließen. Diese Mauern waren bis zu drei Meter dick und wurden im 19. Jahrhundert teilweise restauriert und neu errichtet. Der Haupteingang bildet das Südtor, eingerahmt von zwei Türmen, wobei der westliche Turm der mittelalterliche Black Tower ist. An der Westseite erhebt sich das Herrenhaus mit fünf unterschiedlich gestalteten Türmen. Der höchste ist der 40 Meter hohe Uhrturm an der südwestlichen Ecke, der 1875 vollendet wurde. Weitere markante Türme sind der Beauchamp Tower aus dem 15. Jahrhundert sowie der Herbert, der Guest und der Bute Tower.
Im Inneren der Anlage finden Besucher neben den Prunkräumen auch historische Stätten wie den normannischen Shell Keep auf der Motte. Dieser achteckige Turm besteht aus hellem Mauerwerk und ist von einem rekonstruierten Wassergraben umgeben. Im Burghof sind die Fundamente früherer Gebäude zu sehen, während die römischen Mauerreste an der Südseite deutlich sichtbar sind. Seit 1974 ist die Anlage als Museum öffentlich zugänglich. Neben den historischen Räumen können auch Luftschutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg sowie das Museum zur Geschichte der walisischen Soldaten besichtigt werden.
Cardiff Castle ist heute ein zentraler kultureller Ort in Wales. Die Kombination aus römischen Fundamenten, mittelalterlichen Befestigungen und viktorianischer Pracht macht die Anlage zu einem einzigartigen Zeugnis der Geschichte. Die sorgfältige Restaurierung hat es ermöglicht, die verschiedenen Epochen sichtbar zu machen, ohne die mittelalterliche Substanz zu überdecken. Der Ort dient nicht nur als Museum, sondern auch als Veranstaltungsort für bedeutende Anlässe, wie etwa das Festbankett beim NATO-Gipfel 2014. Für Besucher bietet Cardiff Castle einen eindrucksvollen Einblick in die militärische und kulturelle Vergangenheit der walisischen Hauptstadt.
Steckbrief
- Kategorie
- Sehenswürdigkeit › Burgen
- Bewertung
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- Adresse
- Castle St
CF10 3RB Cardiff, Großbritannien - Stadtteil
- Castle
- Telefon
- +442920878100
- Website
- www.cardiffcastle.com
- cardiffcastle@cardiff.gov.uk
- Koordinaten
- 51.48220° N · -3.18123° E
- Datenqualität
- confidence 0.97
- Kennung
- ID bb465bd2-0fa…
Teil der Tour
Cardiff an einem Tag: Burg, Civic Centre und Bucht →Lage & Umgebung
Ebenen zuschaltenHäufige Fragen zu Cardiff Castle
kurz beantwortetWas ist Cardiff Castle?
Cardiff Castle, walisisch Castell Caerdydd, ist eine Burganlage im Herzen von Cardiff, der Hauptstadt von Wales, die eine mittelalterliche Burg mit einem neugotischen Herrenhaus im viktorianischen Stil verbindet. Sie liegt an der Castle St östlich des River Taff an der südöstlichen Ecke des Bute Parks. Als Kulturdenkmal der höchsten Kategorie und geschütztes Monument zeigt Cardiff Castle römische, normannische, mittelalterliche und viktorianische Epochen auf engstem Raum.
Wie alt ist Cardiff Castle?
Die Geschichte von Cardiff Castle reicht bis in die Römerzeit zurück: Zwischen 55 und 66 nach Christus entstand an diesem Ort in Cardiff ein erstes römisches Kastell an einer Furt über den River Taff. Das vierte und letzte römische Kastell mit steinernen Befestigungen wurde um 276 bis 285 errichtet, und seine Mauerfundamente tragen bis heute die gesamte Anlage. Die eigentliche Burg begann 1081, als Wilhelm der Eroberer innerhalb der römischen Mauern eine Motte mit hölzernen Befestigungen bauen ließ.
Wer hat Cardiff Castle im Laufe der Geschichte geprägt?
Cardiff Castle in Cardiff wurde nacheinander von Normannen, englischen Adelsfamilien und schließlich der Familie Bute geprägt. Im 12. Jahrhundert ersetzte ein steinerner Shell Keep den hölzernen Turm, und ab 1423 ließ Richard Beauchamp den Octagon Tower sowie ein neues Wohngebäude an der Westseite errichten. Im 16. Jahrhundert baute die Familie Herbert die westlichen Wohngebäude aus, bevor die Burg 1766 an John Stuart, den späteren 1. Marquess of Bute, fiel.
Was kann man rund um Cardiff Castle besichtigen?
Rund um Cardiff Castle in Cardiff findest du mehrere Museen, Denkmäler und historische Stätten in Gehweite. travelguide195 listet unter anderem das Cardiff Roman Fort in rund 13 Metern Entfernung, das Firing Line Cardiff Castle Museum of the Welsh Soldier, die Wartime Shelters und das Queen's Dragoon Guards Museum. Etwas weiter liegen die Duke St. Arcade, der Gorsedd Stone Circle, die Animal Wall und das South African War Memorial in rund 295 Metern.
Kann man in der Nähe von Cardiff Castle essen gehen?
Ja, in der Umgebung von Cardiff Castle in Cardiff gibt es ein großes gastronomisches Angebot. travelguide195 listet rund 93 Restaurants im Umkreis von 500 Metern um die Burg. Wer den Besuch in einen Stadtrundgang einbinden möchte, findet die Burg zudem in der Tour „Cardiff an einem Tag: Burg, Civic Centre und Bucht“.
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Der Großteil der heutigen Burg ist eine Kreation des viktorianischen Architekten William Burges. Zwischen 1868 und 1881 baute er die verfallene mittelalterliche Burg für den 3. Marquis of Bute, im Neogotischen Stil zu einer "Wohnburg" um. Der Marquis wünschte sich eine Märchenburg als Heim und er bekam sie. Im weitläufige Innenhof, der das Gelände des römischen Forts aus dem 1. Jh. bedeckt, ist der Bergfried auf seinem von einem Wassergraben umgebenen Hügel (11. Jh.) erhalten. Spuren der römischen Mauern sind an den Außenmauern zu erkennen. Ein Teil der Räume der Burg sind frei zugänglich, andere können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Im Rahmen des Rundgangs hat man z. B. Zugang zum Dachgarten, Kinderzimmer und Winter Smoking Room. Geht man weiter die Castle Street entlang Richtun Taff gelangt man zur Animal Wall . Die handgearbeiteten Steintiere zieren die Mauer, die 1866 von William Burges entworfen wurde. Die Mauer stand ursprünglich vor der Burg, wurde 1925 an den heutigen Standort versetzt und 2010 restauriert.
Quelle: Wikivoyage, „Cardiff“ · Autor:innen laut Versionsgeschichte · CC BY-SA 4.0