Cardiff entdecken: Burg, Bucht und walisische Seele
Reiseführer · redaktionellWenn Wales im Principality Stadium Rugby spielt, singen 70.000 Menschen die Hymne „Hen Wlad Fy Nhadau“ so laut, dass man es in der ganzen Innenstadt hört. Eine Städtereise nach Cardiff führt in die junge Hauptstadt von Wales, zu einer Burg mit märchenhaften Sälen, an die neu erfundene Bucht und in viktorianische Einkaufspassagen.
Von der Kohle zur Hauptstadt
Lange war Cardiff ein kleiner Marktort mit Burg. Im 19. Jahrhundert ließ die Familie der Marquesses of Bute Docks bauen, über die die Kohle aus den walisischen Tälern in die Welt verschifft wurde, und Cardiff wurde zu einem der größten Kohlehäfen der Welt. Im Hafenviertel Tiger Bay lebten Seeleute aus Dutzenden Ländern; die Sängerin Shirley Bassey stammt von hier. Erst 1955 wurde Cardiff offiziell Hauptstadt von Wales, und seit 1999 tagt hier das walisische Parlament. Walisisch ist Amtssprache und überall auf Schildern zu lesen.
Sehenswürdigkeiten in Cardiff
Cardiff Castle vereint römische Mauern, einen normannischen Burgturm auf einem Erdhügel und ein viktorianisches Schloss, das der Architekt William Burges für den dritten Marquess of Bute in einen neugotischen Traum verwandelte, mit vergoldeten Decken, Tierfiguren und einem Dachgarten. Hinter der Burg erstreckt sich der Bute Park, eine grüne Lunge am Fluss Taff. Das National Museum Cardiff im Civic Centre zeigt eine der besten Sammlungen impressionistischer Malerei in Großbritannien. Im Norden liegt die Llandaff Cathedral, außerhalb der Stadt das märchenhafte Castell Coch, ebenfalls von Burges. Das Freilichtmuseum St Fagans versammelt historische Gebäude aus ganz Wales, der Eintritt ist frei.
Cardiff Bay und Viertel
Wo früher die Kohleschiffe lagen, entstand nach dem Bau eines Sperrwerks ein Süßwassersee mit Promenaden. Das Wales Millennium Centre mit seiner kupferfarbenen Fassade und den eingeschnittenen Gedichtzeilen ist Opernhaus und Kulturzentrum, daneben stehen das gläserne Senedd und das rote Backsteingebäude Pierhead. Butetown, das alte Tiger Bay, ist heute ein Wohn- und Ausgehviertel. Roath mit dem Roath Park Lake und seinem Leuchtturm-Denkmal für Kapitän Scott, Cathays als Studentenviertel und das multikulturelle Grangetown zeigen das Alltagsleben. Fans von „Doctor Who“ erkennen viele Drehorte wieder.
Essen und Ausgehen
Im Zentrum führen viktorianische und edwardianische Arkaden wie die Morgan Arcade und die Castle Arcade zu kleinen Läden und Cafés. In der Markthalle von Cardiff, einem Glas- und Eisenbau, gibt es Welsh Cakes frisch vom Blech, Laverbread aus Algen und Bara Brith, ein Früchtebrot. Typisch sind Cawl, ein Eintopf mit Lamm und Lauch, und Welsh Rarebit, überbackenes Käsebrot. Abends trifft man sich in den Pubs der St Mary Street oder in der Womanby Street, einer Gasse mit Livemusik-Kneipen.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Cardiff liegt rund 20 Kilometer westlich, nach London Paddington fährt man in knapp zwei Stunden. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September. Ausflüge führen in die Brecon Beacons, an die Küste der Gower-Halbinsel und zum Schloss Caerphilly.











