Okzitanien: Von den Pyrenäen ans Mittelmeer
Reiseführer · redaktionellOkzitanien, französisch Occitanie, ist die Region zwischen Pyrenäen, Zentralmassiv und Mittelmeer, benannt nach der alten Sprache des Südens, dem Okzitanischen. Ein Urlaub in Okzitanien verbindet die rosa Backsteinstadt Toulouse mit Katharerburgen, römischen Bauten in Nîmes, Badeorten an der Mittelmeerküste und Wanderungen in den Pyrenäen.
Landschaften des Südens
Die Region ist flächenmäßig die zweitgrößte Frankreichs. Im Süden bilden die Pyrenäen eine Mauer zu Spanien, mit dem Cirque de Gavarnie, einem gewaltigen Felskessel, und dem Pic du Midi, auf dessen Gipfel eine Sternwarte steht. Im Nordosten liegen die Causses und Cevennen, Kalkhochflächen und tief eingeschnittene Schluchten wie die Gorges du Tarn. Dazwischen erstrecken sich Weinbaugebiete wie das Languedoc, Corbières und Minervois. Die flache Mittelmeerküste ist von Lagunen, den Étangs, gesäumt, an denen Flamingos stehen und Austern gezüchtet werden.
Städte und Orte
Toulouse, die „Ville rose“, verdankt ihren Spitznamen den rosafarbenen Ziegeln. Die romanische Basilika Saint-Sernin, das Kloster der Jakobiner und das Capitole prägen die Altstadt, die Garonne und der Canal du Midi ihre Ufer. Als Sitz von Airbus und der Raumfahrtindustrie zeigt die Stadt in der Cité de l’Espace und im Museum Aeroscopia ihre technische Seite. Montpellier ist eine junge Universitätsstadt mit der Place de la Comédie und dem modernen Viertel Antigone. Nîmes besitzt eine der besterhaltenen römischen Arenen und die Maison Carrée. Perpignan hat katalanisches Flair mit dem Palast der Könige von Mallorca, Carcassonne eine mittelalterliche Festungsstadt mit doppeltem Mauerring. Béziers und Narbonne sind alte Weinstädte, Agde mit dem Cap d’Agde ein großer Badeort.
Ebenso lohnend sind kleinere Orte: Cordes-sur-Ciel thront auf einem Hügel über dem Tarn, Saint-Cirq-Lapopie klebt über dem Lot, Collioure an der Côte Vermeille mit seinem Glockenturm am Wasser inspirierte Matisse und Derain zum Fauvismus. Sète ist eine Hafenstadt auf Kanälen, Uzès besitzt einen der schönsten Märkte Südfrankreichs, und Conques bewahrt mit der Abteikirche Sainte-Foy einen Schatz romanischer Goldschmiedekunst. Zu den Okzitanien Reisezielen in den Bergen zählen Bagnères-de-Luchon und die Pyrenäen-Thermalorte.
Sehenswürdigkeiten in Okzitanien
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Okzitanien gehören der Pont du Gard, ein römisches Aquädukt über dem Gardon, der Canal du Midi, ein Kanal aus dem 17. Jahrhundert zwischen Toulouse und Mittelmeer, und die Cité von Carcassonne – alle drei UNESCO-Welterbe. Lourdes in den Pyrenäen ist einer der größten Wallfahrtsorte der Welt. Rocamadour klebt an einer Felswand über dem Alzou, das Viadukt von Millau überspannt das Tarn-Tal als eine der höchsten Brücken der Welt. Katharerburgen wie Peyrepertuse und Quéribus thronen auf Felsgraten, und die Bischofsstadt Albi besitzt eine gewaltige Backsteinkathedrale sowie das Toulouse-Lautrec-Museum.
Im Hérault lohnt der Abstecher in die Höhle Grotte de Clamouse oder die Grotte des Demoiselles, Tropfsteinhöhlen mit riesigen Sälen, und an der Küste der Naturpark der Narbonnaise mit Lagunen und Weinbergen.
Geschichte und Kultur
Im Mittelalter blühte hier die höfische Lyrik der Troubadoure. Die Katharer, eine christliche Glaubensbewegung, wurden im 13. Jahrhundert in den Albigenserkreuzzügen verfolgt. Im Roussillon um Perpignan spricht und tanzt man bis heute katalanisch, in vielen Orten trägt das Straßenschild auch einen okzitanischen Namen. Rugby ist in Toulouse und vielen Kleinstädten fast eine Religion, und Ferias mit Stierläufen gehören in Nîmes und Béziers zum Sommer.
Essen und Trinken
Das Cassoulet aus weißen Bohnen, Ente, Wurst und Schweinefleisch streiten Castelnaudary, Carcassonne und Toulouse für sich. Der Roquefort reift in Kalksteinhöhlen im Aveyron, Foie gras und Confit kommen aus dem Gers. An der Küste isst man Austern aus dem Étang de Thau, in Sète die scharf gewürzte Tielle, eine Tintenfischpastete. Das Languedoc ist eines der größten Weinbaugebiete der Welt, dazu kommen Blanquette de Limoux, ein Schaumwein, und süße Weine aus Banyuls.
Anreise und beste Reisezeit
Toulouse und Montpellier haben internationale Flughäfen, Montpellier und Nîmes sind per TGV aus Paris in gut drei Stunden erreichbar. Die beste Reisezeit liegt im Mai und Juni sowie im September und Oktober; im Juli und August ist es an der Küste heiß und voll, in den Pyrenäen dagegen ideal zum Wandern.














