Sehenswürdigkeit · Denkmäler

Zeche Zollverein

Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen

Zeche Zollverein, Essen (Denkmäler)
Fig. 01Zeche Zollverein© Thomas Wolf, www.foto-tw.de · CC BY-SA 3.0 de
§ 1

Über Zeche Zollverein

Die Zeche Zollverein in Essen ist weit mehr als nur ein stillgelegtes Bergwerk. Sie ist ein eindrucksvolles Zeugnis der industriellen Geschichte des Ruhrgebiets und heute ein lebendiges Zentrum für Kultur, Wissenschaft und Tourismus. Von 1851 bis 1986 wurde hier Steinkohle gefördert, wobei die Anlage zeitweise zu den produktivsten Bergwerken Deutschlands zählte. Benannt wurde sie nach dem Deutschen Zollverein, dem wirtschaftlichen Zusammenschluss, der 1834 gegründet wurde. Heute zählt das Areal gemeinsam mit der benachbarten Kokerei zum UNESCO-Welterbe und gilt als einer der wichtigsten Ankerpunkte der Europäischen Route der Industriekultur.

Die Geschichte des Ortes beginnt in den 1830er Jahren, als der Industrielle Franz Haniel auf der Suche nach geeigneten Kohlevorkommen für die Stahlerzeugung war. Nach erfolgreichen Bohrungen gründete er 1847 die bergrechtliche Gewerkschaft Zeche Zollverein. Die Wahl des Standortes in Essen-Stoppenberg war strategisch klug, da die 1847 eröffnete Cöln-Mindener Eisenbahn unmittelbar nördlich des Geländes verlief und so eine effiziente Anbindung an das Transportnetz sicherte. Die ersten Abteufarbeiten begannen noch im selben Jahr, doch erst 1851 konnte die Kohleförderung aufgrund von Wassereinbrüchen tatsächlich aufgenommen werden.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Zeche stetig an. Neue Schachtanlagen wurden errichtet, um die Förderung zu steigern und die unterirdische Infrastruktur zu verbessern. Besonders hervorzuheben ist die Schachtanlage 1/2/8, die im Laufe der Zeit mehrfach modernisiert wurde. Ein wichtiger Meilenstein war die Errichtung der Zentralförderanlage Schacht XII in den späten 1920er Jahren. Diese Anlage wurde von den Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer gestaltet und folgte den Prinzipien des sachlich-funktionalen Industriebaus der Neuen Sachlichkeit.

Schacht XII war eine technische und architektonische Meisterleistung, die als die modernste und „schönste Zeche der Welt“ galt. Das 1930 errichtete Doppelbockfördergerüst in Vollwandbauweise wurde zum Vorbild für viele spätere Zentralförderanlagen. Mit einer täglichen Förderkapazität von 12.000 Tonnen übernahm dieser Schacht die gesamte Kohlenförderung der bisherigen Anlagen. Die Zeche erreichte in den 1930er und 1950er Jahren ihre Förderrekorde und stand damit an der Spitze der deutschen Steinkohleförderung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Zeit der Rationalisierung blieb Zollverein ein wichtiger Standort. Die Förderung wurde zunehmend mechanisiert, und die Kokerei, die lange als modernste Europas galt, produzierte bis 1993 Koks. Schließlich wurde die Zeche am 23. Dezember 1986 stillgelegt, als letztes von rund 290 Essener Bergwerken. Die Schächte 2 und XII dienen heute noch als Sicherungsstandorte für die Wasserhaltung, wobei sie im Frühjahr 2023 mit Beton verfüllt wurden, um die Standsicherheit zu gewährleisten.

Der Wandel vom Industriestandort zum Kulturort begann unmittelbar nach der Schließung. Das Land Nordrhein-Westfalen kaufte das Gelände und stellte es unter Denkmalschutz, um einen Abriss zu verhindern. Die Sanierung und Umnutzung war ein komplexes Projekt, das von verschiedenen Stiftungen und Architekten begleitet wurde. 2001 wurden die Schachtanlagen XII und 1/2/8 sowie die Kokerei in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die Begründung lag in der herausragenden Anwendung moderner Gestaltungskonzepte auf einen gesamten Industriekomplex.

Heute beherbergt das Areal zahlreiche kulturelle Einrichtungen. Das Herzstück ist die umgebaute Kohlenwäsche von Schacht XII, die das Ruhr Museum und das Besucherzentrum Ruhr beherbergt. Besucher können hier über die Geschichte des Ruhrgebiets und der Industriekultur lernen. Eine freistehende Rolltreppe, die als höchste ihrer Art in Deutschland gilt, führt auf 24 Meter Höhe in das Gebäude. Auf dem Dach befindet sich der Erich-Brost-Pavillon, ein Ort für Veranstaltungen jeder Art.

Weitere wichtige Einrichtungen sind das Red Dot Design Museum im ehemaligen Kesselhaus und der Zollverein-Kubus, der als Campus der Folkwang Universität der Künste dient. Die ehemalige Kokerei beherbergt Ausstellungsräume für Gegenwartskunst, darunter die begehbare Rauminstallation „Palace of Projects“. Im ehemaligen Waschkaue ist das choreographische Zentrum NRW untergebracht, während das ehemalige Maschinenhaus den Kunstschacht beherbergt. Diese vielfältige Nutzung macht das Areal zu einem lebendigen Ort für Kunst, Design und Wissenschaft.

Das Gelände ist auch ein Ort der Natur. Auf den Halden und in den Gleisbereichen hat sich eine artenreiche Flora und Fauna entwickelt, die als „Industrienatur“ bezeichnet wird. Diese ökologische Vielfalt ist bundesweit einzigartig und unterstreicht die Bedeutung des Ortes für den Erhalt der urbanen Biodiversität. Der 2012 fertiggestellte Zollverein Park verbindet die historischen Bauten mit neuen Wegen, Plätzen und Pavillons, wobei die Industrienatur bewusst in den Vordergrund gestellt wird.

Besucher erleben auf Zollverein eine einzigartige Mischung aus Geschichte, Architektur und Natur. Die Außenbesichtigung der Anlage ist jederzeit möglich, und vom Besucherzentrum werden täglich Führungen angeboten, die teilweise von ehemaligen Bergleuten geleitet werden. Das Areal ist Austragungsort für zahlreiche nationale und internationale Veranstaltungen, von Kunstausstellungen bis hin zu Sportevents. Die Zeche Zollverein ist damit nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit, sondern ein dynamischer Ort, der die Zukunft der Industriekultur im Ruhrgebiet prägt.

Nach dem Artikel „Zeche Zollverein" aus der deutschen Wikipedia, von einem Sprachmodell zusammengefasst und umformuliertLizenz CC BY-SA 4.0
§ 2

Steckbrief

Kategorie
Sehenswürdigkeit › Denkmäler
Bewertung
noch keine Bewertung · jetzt bewerten
Adresse
Gelsenkirchener Straße 181
45309 Essen, Deutschland
Stadtteil
Stoppenberg
Telefon
+49201246810
Website
www.zollverein.de
E-Mail
socialmedia@zollverein.de
Koordinaten
51.48657° N · 7.04419° E
Datenqualität
confidence 0.99
Kennung
ID 285fb772-bdf…
§ 3

Lage & Umgebung

Ebenen zuschalten
EbenenKarte
Umkreis
§ 4

Häufige Fragen zu Zeche Zollverein

kurz beantwortet

Was ist die Zeche Zollverein in Essen?

Die Zeche Zollverein ist ein ehemaliges Steinkohlenbergwerk im Essener Stadtteil Stoppenberg und heute ein Zentrum für Kultur, Wissenschaft und Tourismus. Von 1851 bis 1986 wurde hier Steinkohle gefördert, zeitweise zählte die Anlage zu den produktivsten Bergwerken Deutschlands. Gemeinsam mit der benachbarten Kokerei gehört das Areal an der Gelsenkirchener Straße 181 zum UNESCO-Welterbe und gilt als einer der wichtigsten Ankerpunkte der Europäischen Route der Industriekultur.

Warum heißt die Zeche Zollverein in Essen so und wer hat sie gegründet?

Die Zeche Zollverein ist nach dem Deutschen Zollverein benannt, dem 1834 gegründeten wirtschaftlichen Zusammenschluss. Gegründet wurde sie vom Industriellen Franz Haniel, der 1847 nach erfolgreichen Bohrungen die bergrechtliche Gewerkschaft Zeche Zollverein ins Leben rief. Den Standort in Essen-Stoppenberg wählte er strategisch, weil die 1847 eröffnete Cöln-Mindener Eisenbahn direkt nördlich des Geländes verlief. Wegen Wassereinbrüchen begann die Kohleförderung erst 1851.

Was ist das Besondere an Schacht XII der Zeche Zollverein?

Schacht XII ist die Zentralförderanlage der Zeche Zollverein in Essen und galt als modernste und „schönste Zeche der Welt“. Die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer gestalteten die Anlage Ende der 1920er Jahre im sachlich-funktionalen Stil der Neuen Sachlichkeit. Das 1930 errichtete Doppelbockfördergerüst in Vollwandbauweise wurde zum Vorbild für viele spätere Zentralförderanlagen. Mit einer täglichen Förderkapazität von 12.000 Tonnen übernahm Schacht XII die gesamte Kohlenförderung der bisherigen Anlagen.

Wann wurde die Zeche Zollverein in Essen stillgelegt?

Die Zeche Zollverein wurde am 23. Dezember 1986 stillgelegt, als letztes von rund 290 Essener Bergwerken. Ihre Förderrekorde hatte sie in den 1930er und 1950er Jahren erreicht, die benachbarte Kokerei produzierte noch bis 1993 Koks. Die Schächte 2 und XII dienen weiterhin als Sicherungsstandorte für die Wasserhaltung und wurden im Frühjahr 2023 zur Gewährleistung der Standsicherheit mit Beton verfüllt.

Was kann man rund um die Zeche Zollverein in Essen besichtigen?

Rund um die Zeche Zollverein in Essen liegen mehrere Museen und historische Stätten in Gehweite. travelguide195 listet im Umkreis von einem Kilometer unter anderem das Portal der Industriekultur (rund 140 m), das Ruhr Museum (rund 160 m), das Red Dot Design Museum (rund 160 m), die Alte Waage (rund 350 m) und die Kokerei Zollverein (rund 400 m). Außerdem verzeichnet travelguide195 rund 7 Restaurants im Umkreis von 500 Metern. Die Zeche ist zudem Teil der Tour „Essen kompakt: Zollverein, Dom und Folkwang an einem Tag“.

§ 5

Bewertungen & Kommentare

noch keine
  1. Reisetipp aus Wikivoyagevon Reisenden geschrieben

    Seit 2002 Weltkulturerbe und Symbol des früheren Bergbaus in Essen. Zeche und Kokerei sind zwei voneinander räumlich getrennte Bereiche, die jeweils im Rahmen von Führungen besichtigt werden können. Die Führung durch die erst 1993 geschlossene Kokerei dauert zwei Stunden, in denen fast alle Bereiche der Kokerei bis hin zum Blick von unten durch einen 98 m hohen Schornstein begangen werden. Im Inneren des heutigen Eingangsgebäudes befindet sich ein Café (im Sommer mit Außenbestuhlung). Zusätzliche Attraktion ist ein zwischen den früheren Koksöfen eingebautes Riesenrad und ein sogenanntes Werksschwimmbad, das im Sommer für die Öffentlichkeit freigegeben ist.

    Quelle: Wikivoyage, „Essen“ · Autor:innen laut Versionsgeschichte · CC BY-SA 4.0

  2. Noch keine Kommentare. Warst du schon hier? Teile deinen Tipp.