Essen entdecken: Zollverein, Folkwang und Baldeneysee
Reiseführer · redaktionellWo einst die größte Steinkohlenzeche der Welt förderte, steht heute ein Fördergerüst als Wahrzeichen der Industriekultur, umgeben von Museen, Designstudios und Grünflächen. Essen hat den Wandel von der Kohle- zur Kulturstadt eindrucksvoll vollzogen und war 2010 Kulturhauptstadt Europas für das gesamte Ruhrgebiet. Eine Reise nach Essen zeigt Industriegeschichte, eine bedeutende Kunstsammlung und viel Grün im Süden.
Von der Abtei zur Montanmetropole
Essen entstand um ein Frauenstift, das im 9. Jahrhundert gegründet wurde. Der Essener Domschatz mit der Goldenen Madonna, der ältesten vollplastischen Marienfigur des Abendlandes, erinnert an diese Zeit. Im 19. Jahrhundert machten Kohle und Stahl die Stadt groß; die Familie Krupp baute hier ein Industrieimperium auf. Nach dem Ende des Bergbaus musste sich die Stadt neu erfinden. Heute sitzen große Energie- und Handelskonzerne in Essen, das sich gern als grüne Stadt präsentiert und 2017 Grüne Hauptstadt Europas war.
Sehenswürdigkeiten in Essen
Die Zeche Zollverein im Norden ist UNESCO-Welterbe. Die Bauten im Bauhaus-Stil, entworfen von Fritz Schupp und Martin Kremmer, gelten als „schönste Zeche der Welt“. Im ehemaligen Kohlenwäsche-Gebäude zeigt das Ruhr Museum die Natur- und Kulturgeschichte des Reviers, das Red Dot Design Museum ist im alten Kesselhaus untergebracht. Im Winter wird auf der Kokerei Eis gelaufen. Im Süden liegt die Villa Hügel, der monumentale Wohnsitz der Familie Krupp mit großem Park, hoch über dem Baldeneysee. Der Dom im Stadtkern bewahrt den Domschatz, die Alte Synagoge ist eine der größten erhaltenen Synagogen Deutschlands und heute ein Haus jüdischer Kultur.
Kunst und Kultur
Das Museum Folkwang besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen der Klassischen Moderne in Deutschland, mit Werken von Van Gogh, Gauguin, Cézanne und den Expressionisten; der Eintritt in die Sammlung ist kostenlos. Das Aalto-Theater, ein Opernhaus des finnischen Architekten Alvar Aalto, und die Philharmonie prägen das Kulturleben. Die Folkwang Universität der Künste hat ihren Sitz im Stadtteil Werden.
Viertel und Ausgehen
Rüttenscheid, die „Rü“, ist das beliebteste Ausgehviertel mit Restaurants, Bars und Cafés entlang der Rüttenscheider Straße, die im Sommer zur Freiluftmeile wird. Holsterhausen und das Südviertel sind belebte Wohnviertel, in Werden an der Ruhr gibt es eine hübsche Altstadt mit Fachwerk und der romanischen Abteikirche. Typische Ruhrgebietsküche wie Currywurst, Pommes und Bergmannskost wie Pfefferpotthast findet man in Kneipen und Trinkhallen, den „Buden“.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Düsseldorf ist mit S-Bahn und Regionalzug in rund 20 bis 30 Minuten erreichbar. Essen ist ein ICE-Halt, die Städte des Ruhrgebiets sind über S-Bahnen eng vernetzt. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September, wenn der Baldeneysee zum Segeln, Radfahren und seit einigen Jahren auch zum Baden an einer offiziellen Badestelle einlädt. Ausflüge führen zum Gasometer Oberhausen, zum Landschaftspark Duisburg-Nord und nach Bochum ins Deutsche Bergbau-Museum. Mit dem Fahrrad lässt sich das Ruhrtal auf dem Ruhrtalradweg erkunden, und die Grugapark-Anlagen im Süden der Stadt mit Botanischem Garten und Tierwiesen sind ein beliebtes Ausflugsziel für Familien.













