Sofia entdecken: Kuppeln, Thermen und Witoscha
Reiseführer · redaktionellIn Sofia stehen eine orthodoxe Kathedrale, eine Moschee, eine Synagoge und eine katholische Kirche nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, und zwischen ihnen sprudelt warmes Mineralwasser aus öffentlichen Brunnen, an denen die Einwohner ihre Flaschen füllen. Die bulgarische Hauptstadt am Fuß des Witoscha-Gebirges ist eine der ältesten Städte Europas und eines der günstigsten Ziele für eine Städtereise. Eine Reise nach Sofia verbindet römische Ruinen, byzantinische Kirchen und eine junge Café- und Barszene.
Serdika, Sredez, Sofia
Thraker siedelten hier schon vor Jahrtausenden an den warmen Quellen. Die Römer nannten die Stadt Serdika, und Kaiser Konstantin soll gesagt haben: „Serdika ist mein Rom.“ Im Mittelalter war Sredez eine wichtige Stadt des Bulgarischen Reiches, ab 1382 folgten fast fünf Jahrhunderte osmanischer Herrschaft. Nach der Befreiung 1878 wurde Sofia Hauptstadt des modernen Bulgarien und erhielt breite Boulevards, Ministerien und Theater. In der Zeit des Sozialismus entstanden monumentale Bauten und große Plattenbausiedlungen wie Mladost und Ljulin.
Sehenswürdigkeiten in Sofia
Die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren goldenen Kuppeln ist eine der größten orthodoxen Kirchen auf dem Balkan; sie erinnert an die russischen Soldaten, die im Befreiungskrieg fielen. In ihrer Krypta zeigt eine Sammlung Ikonen aus mehreren Jahrhunderten. Daneben steht die kleine Sophienkirche, eine frühchristliche Basilika aus dem 6. Jahrhundert, die der Stadt den Namen gab. Im Hof eines Hotels steht die Rotunde des heiligen Georg, die älteste erhaltene Kirche der Stadt, mitten in den Resten des antiken Serdika. In der Unterführung am Präsidentenpalast und an der Metrostation Serdika liegen römische Straßen und Gebäude frei. Die Banja-Baschi-Moschee, die Synagoge, eine der größten sephardischen Synagogen Europas, und die Zentrale Markthalle liegen dicht beieinander. Das alte Zentralbad, ein Bau mit bunten Kacheln, beherbergt heute das Stadtmuseum.
Museen und Kultur
Das Nationale Archäologische Museum in einer ehemaligen Moschee zeigt thrakisches Gold und römische Funde. Im Nationalen Historischen Museum am Stadtrand, in einer ehemaligen Residenz der kommunistischen Führung, sind Schätze aus der thrakischen Zeit zu sehen. Das Museum für sozialistische Kunst sammelt Statuen von Lenin und anderen Größen der Volksrepublik in einem Skulpturenpark. Am Stadtrand liegt die Kirche von Bojana mit Fresken aus dem Jahr 1259, die als Vorläufer der Renaissance gelten und UNESCO-Welterbe sind.
Viertel und Ausgehen
Das Zentrum rund um den Boulevard Witoscha, die Fußgängerzone mit Blick auf das Gebirge, ist das Einkaufs- und Ausgehviertel. Im Viertel rund um die Straßen Schischman und Oborischte, das kleine „Kreative Viertel“, liegen Cafés, Weinbars und Läden junger Designer. Lozenets im Süden ist ein gehobenes Wohnviertel mit Parks, Studentski grad, die Studentenstadt, ist bekannt für ihr ausgelassenes Nachtleben. Der Südpark und der Borissowa-Garten bieten Grün mitten in der Stadt.
Essen in Sofia
Die bulgarische Küche ist reich an Gemüse und Milchprodukten. Der Schopska-Salat aus Tomaten, Gurken, Paprika und geriebenem Schafskäse ist ein Muss, ebenso Tarator, eine kalte Joghurtsuppe mit Gurken und Walnüssen. Banitsa, ein Blätterteiggebäck mit Käse, isst man zum Frühstück mit Ayran oder Boza. Gegrillte Kebapcheta, Kjufteta und Kavarma stehen in den Mehanas, traditionellen Gasthäusern, auf der Karte. Bulgarische Weine, etwa aus der Rebsorte Mavrud, gewinnen international an Ansehen. Der Frauenmarkt, Zhenski Pazar, ist der größte und ursprünglichste Markt der Stadt.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen liegt rund zehn Kilometer östlich des Zentrums und ist per Metro angebunden. Die Metro mit mehreren Linien, Straßenbahnen und Trolleybusse erschließen die Stadt preiswert. Die beste Reisezeit ist Mai, Juni, September und Oktober; im Sommer kann es heiß werden, im Winter lockt das Skigebiet Witoscha direkt vor der Stadt. Ausflüge führen zum Kloster Rila, dem bekanntesten Kloster Bulgariens und UNESCO-Welterbe, nach Plowdiw und in die Sieben Rila-Seen. Mit dem Bus fährt man in einer knappen Stunde auf den Witoscha hinauf, wo Wanderwege zum Gipfel Tscherni Wrach und zu den Steinflüssen führen, riesigen Geröllfeldern aus Granitblöcken.














