Melbourne entdecken: Laneways, Kaffee und Kultur
Reiseführer · redaktionellMelbourne versteckt seine besten Seiten in schmalen Gassen: Hinter unscheinbaren Türen warten Bars, Galerien und Cafés, deren Barista den Flat White mit fast religiösem Ernst zubereiten. Die Hauptstadt Victorias gilt als kulturelle Hauptstadt Australiens und hat Sydney inzwischen bei der Einwohnerzahl eingeholt. Eine Städtereise nach Melbourne ist ideal für alle, die lieber stöbern als abhaken.
Von der Goldgräberstadt zur Kulturmetropole
Das Gebiet am Yarra River war seit Zehntausenden Jahren Land der Wurundjeri und anderer Völker der Kulin-Nation. 1835 gründeten Siedler aus Tasmanien die Stadt, und nur wenige Jahre später machte der Goldrausch in Victoria Melbourne zu einer der reichsten Städte der Welt. Aus dieser Zeit stammen die prächtigen viktorianischen Bauten, Arkaden und Boulevards. Von 1901 bis 1927 war Melbourne Sitz des australischen Parlaments, bis Canberra fertig war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Hunderttausende Einwanderer aus Italien und Griechenland – Melbourne hat bis heute eine der größten griechischen Gemeinden außerhalb Griechenlands und brachte die Espressokultur nach Australien.
Sehenswürdigkeiten in Melbourne
Die Flinders Street Station mit ihrer gelben Fassade und den Uhren über dem Eingang ist der klassische Treffpunkt, gegenüber liegt der Federation Square mit dem Ian Potter Centre, das australische Kunst zeigt, und dem Kinomuseum ACMI. Die Laneways wie Hosier Lane, deren Wände vollständig mit Graffiti bedeckt sind, Degraves Street mit Cafés und die Block Arcade mit Mosaikböden sind das Herz der Innenstadt. Das Royal Exhibition Building in den Carlton Gardens, errichtet für die Weltausstellung 1880, gehört zum UNESCO-Welterbe, daneben liegt das Melbourne Museum. Die National Gallery of Victoria an der St Kilda Road ist das älteste und meistbesuchte Kunstmuseum Australiens, mit einem gläsernen Wasservorhang am Eingang. Der Shrine of Remembrance und die Royal Botanic Gardens bilden eine grüne Oase südlich des Flusses.
Viertel: Fitzroy, St Kilda und Southbank
Fitzroy ist das Viertel der Vintage-Läden, Live-Musik und Street Art rund um die Brunswick Street und die Gertrude Street. Richmond hat sich mit der Swan Street und der Victoria Street, wo vietnamesische Restaurants dominieren, einen Namen gemacht; hier liegt auch der Melbourne Cricket Ground. South Yarra mit der Chapel Street steht für Mode und Brunchkultur, Hawthorn für ruhige Wohnstraßen und Universitäten. Southbank am Yarra River bietet Promenaden, Theater im Arts Centre und das Casino, und am Meer liegt St Kilda mit Pier, Luna Park und einer kleinen Pinguinkolonie, die sich abends am Wellenbrecher beobachten lässt. Footscray im Westen ist ein multikulturelles Viertel mit afrikanischen und vietnamesischen Märkten und Restaurants.
Kaffee, Essen und Märkte
Melbourne nimmt Kaffee ernst: In den Cafés wird mit Bohnen von lokalen Röstereien gearbeitet, und große Kaffeeketten haben hier traditionell einen schweren Stand. Zum Brunch gehören Smashed Avocado, Ricotta-Pancakes und Eggs Benedict. Der Queen Victoria Market, ein Markt aus dem 19. Jahrhundert, ist die größte Freiluft-Markthalle der südlichen Hemisphäre, mit Ständen für Obst, Fleisch, Delikatessen und Souvenirs; im Sommer gibt es Nachtmärkte. Die Restaurants in Melbourne reichen von griechischen Tavernen in der Lonsdale Street und Dim Sum in Chinatown bis zu Sterneküche. Dazu passen Weine aus dem Yarra Valley und der Mornington Peninsula.
Sport, Feste und Nachtleben
Melbourne ist sportverrückt. Der Melbourne Cricket Ground fasst rund 100.000 Zuschauer, und beim Finale der Australian Football League ist die ganze Stadt auf den Beinen. Im Januar finden die Australian Open im Melbourne Park statt, im März der Grand Prix der Formel 1 im Albert Park, und das Pferderennen Melbourne Cup im November ist in Victoria sogar ein Feiertag. Das Nachtleben spielt sich in Rooftop-Bars und Laneway-Bars der Innenstadt ab, in den Live-Musik-Kneipen von Fitzroy und Collingwood sowie in den Clubs von South Yarra. Das Comedy Festival im März und April gehört zu den größten der Welt.
Unterwegs in Melbourne
Der Flughafen Tullamarine (MEL) liegt rund 20 Kilometer nordwestlich, der SkyBus fährt in etwa 30 Minuten zur Southern Cross Station. Melbourne hat das größte Straßenbahnnetz der Welt, und in der Innenstadt ist die Tram in einer Free Tram Zone kostenlos. Die historische City Circle Tram fährt einen Rundkurs. Bezahlt wird mit der myki-Karte oder zunehmend kontaktlos. Der neue Metro Tunnel unter der Innenstadt mit zusätzlichen Bahnhöfen hat die Zugverbindungen zuletzt deutlich beschleunigt.
Zu Fuß lässt sich die kompakte Innenstadt, der sogenannte Hoddle Grid, gut erkunden, und entlang des Yarra River führen Rad- und Spazierwege bis in die Vororte. Leihräder und E-Scooter ergänzen das Angebot. Wer abends ausgeht, kann am Wochenende auf Nachtzüge und Nachttrams zählen, die bis in die frühen Morgenstunden fahren. Mit dem Spirit of Tasmania geht es über Nacht per Fähre von Geelong nach Devonport auf Tasmanien.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Melbourne ist für sein wechselhaftes Wetter bekannt – „vier Jahreszeiten an einem Tag“ sagen die Einheimischen. Beste Reisezeit sind Herbst (März bis Mai) und Frühling (Oktober, November). Ausflüge führen über die Great Ocean Road mit den Felsen der Twelve Apostles, auf Phillip Island zur Pinguinparade, in die Weinberge des Yarra Valley und in die Dandenong Ranges mit Baumfarnwäldern und der Dampfeisenbahn Puffing Billy. Wer mehr Zeit hat, fährt weiter in die Goldgräberstädte Ballarat und Bendigo oder in den Grampians-Nationalpark mit Felsmalereien und Kängurus.














