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Albanien

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Albanien: Riviera, Bergwelt und osmanische Städte

Reiseführer · redaktionell

Albanien war bis 1990 eines der abgeschottetsten Länder Europas, heute gehört es zu den spannendsten Zielen am Mittelmeer. Ein Urlaub in Albanien verbindet türkisfarbene Buchten am Ionischen Meer mit Bergen, in denen die Gastfreundschaft nach altem Gewohnheitsrecht fast heilig ist.

Die albanische Riviera: Sarandë, Ksamil und Himarë

Zwischen Vlora und der griechischen Grenze fällt das Ceraunische Gebirge steil zum Meer ab. Der Llogara-Pass auf über 1.000 Metern ist der dramatische Auftakt, danach windet sich die Straße hinunter zu Dörfern wie Dhërmi und Himarë, wo Kiesstrände in klares Wasser übergehen. Sarandë ist die größte Stadt im Süden, eine lebhafte Promenade mit Hotels, Fischlokalen und Fähren nach Korfu, das man an klaren Tagen am Horizont sieht. Wenige Kilometer weiter liegt Ksamil mit seinen kleinen vorgelagerten Inseln, die man schwimmend oder per Tretboot erreicht. Zu den beliebtesten Albanien Reisezielen gehört dieser Küstenabschnitt zu Recht, im Hochsommer ist es hier allerdings voll; im Juni oder September dagegen findet man noch Buchten wie Gjipe, die nur zu Fuß oder per Boot zugänglich sind.

Durrës, Vlora und der Norden der Küste

An der Adria ist die Küste flacher und sandiger. Durrës, die älteste Stadt des Landes, hat ein römisches Amphitheater mitten in der Altstadt, das erst in den 1960er-Jahren wiederentdeckt wurde, und einen langen Badestrand mit Hotels bis Golem. Vlora ist der Ort, an dem 1912 die Unabhängigkeit ausgerufen wurde; vor der Stadt liegen die Halbinsel Karaburun und die Insel Sazan, beide heute Meeresschutzgebiet. Ganz im Norden empfängt Shëngjin vor allem albanische Familien und Urlauber aus dem Kosovo, während die Lagunen bei Velipoja Vogelbeobachter anziehen.

Sehenswürdigkeiten in Albanien: Steinstädte und Ruinen

Zwei Städte stehen gemeinsam auf der UNESCO-Liste: Berat, die Stadt der tausend Fenster, deren weiß getünchte osmanische Häuser sich übereinander den Hang hinaufstaffeln, und Gjirokastra mit Häusern aus grauem Stein und Dächern aus Schieferplatten, überragt von einer mächtigen Burg. Bei Sarandë liegt Butrint, eine antike Stadt im Sumpfwald, in der griechische, römische, byzantinische und venezianische Schichten übereinanderliegen. Ein Theater, ein Baptisterium mit Mosaiken und ein venezianischer Turm am Kanal machen den Rundgang zu einem Spaziergang durch zweieinhalb Jahrtausende. Im Südosten ist Korça die Stadt der Bierbrauer und Serenaden, mit einem Basar aus dem 18. Jahrhundert, nicht weit vom Ohridsee und dem stilleren Prespasee.

Tirana und die jüngere Geschichte

Tirana hat sich in kaum einer Generation völlig verändert. Bunte Fassaden, die ein früherer Bürgermeister bemalen ließ, das Viertel Blloku mit seinen Bars, in dem früher nur die Parteielite wohnen durfte, und der neu gestaltete, autofreie Skanderbeg-Platz prägen das Zentrum. Zwei frühere Atombunker, Bunk'Art 1 und 2, erzählen als Museen von der Diktatur Enver Hoxhas, unter der Hunderttausende kleine Betonbunker im ganzen Land entstanden. Viele davon stehen noch an Stränden und Feldrändern. Wer mehr Ruhe sucht, fährt mit der Seilbahn auf den Hausberg Dajti. Skutari im Norden, auf Albanisch Shkodra, ist das kulturelle Zentrum der Gegend, mit der Burg Rozafa, katholischen Kirchen und einer Fahrradkultur, die in Albanien sonst selten ist.

Albanische Alpen und Wanderwege

Hinter Shkodra beginnen die Prokletije, die albanischen Alpen. Von Theth nach Valbona führt eine Tageswanderung über einen Pass auf rund 1.800 Metern, unterwegs gibt es Hirtenhütten, die Kaffee und Joghurt verkaufen. Ein Klassiker ist die Anreise über den Komani-Stausee, wo eine kleine Fähre durch eine enge, grün schimmernde Schlucht fährt. In den Bergdörfern übernachtet man in Gästehäusern, in denen die Familie selbst kocht, oft mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Weiter im Süden lockt der Fluss Vjosa, seit 2023 als Wildfluss-Nationalpark geschützt, einer der letzten frei fließenden großen Flüsse Europas.

Essen und Trinken

Die albanische Küche mischt mediterrane, türkische und griechische Einflüsse. Tavë kosi, im Ofen gebackenes Lamm unter einer Kruste aus Joghurt und Eiern, gilt als Nationalgericht. Dazu kommen Byrek mit Spinat oder Käse, gefüllte Paprika, Fërgesë aus Paprika und Frischkäse und an der Küste fangfrischer Fisch, oft nach Gewicht berechnet. In Gjirokastra probiert man Qifqi, Reisbällchen mit Minze. Raki aus Trauben wird zu jeder Gelegenheit gereicht, Weine aus Berat und Përmet sind günstig und überraschend gut. Der Espresso ist überall hervorragend: Die Cafékultur steht der italienischen kaum nach.

Unterwegs und beste Reisezeit für Albanien

Das Straßennetz hat sich stark verbessert, dennoch sind Bergstraßen teils schmal und Fahrstile temperamentvoll. Zwischen den Städten fahren Busse und Minibusse, sogenannte Furgon, die meist ohne festen Fahrplan starten, sobald sie voll sind. Eine Bahnverbindung spielt für Reisende kaum eine Rolle. Die beste Reisezeit für Albanien sind Mai und Juni sowie September und Oktober, mit Temperaturen zwischen 22 und 28 Grad und Wasser, das im Herbst noch über 22 Grad warm ist. Im Juli und August wird es im Landesinneren oft heißer als 35 Grad, an der Riviera sind Unterkünfte dann knapp. Die Bergwanderungen in Theth und Valbona sind von Juni bis September möglich, im Winter sind die Pässe meist verschneit.