Washington entdecken: Monumente, Museen und Kirschblüte
Reiseführer · redaktionellAuf der National Mall liegt die amerikanische Geschichte wie ein offenes Buch: vom Kapitol über den Obelisken des Washington Monument bis zum Lincoln Memorial, in dem Martin Luther King 1963 von seinem Traum sprach. Eine Reise nach Washington lohnt sich auch deshalb, weil die meisten Museen keinen Eintritt kosten. Eine Städtereise in die US-Hauptstadt verbindet große Politik mit lebendigen Vierteln, Jazz und internationaler Küche.
Eine Hauptstadt auf dem Reißbrett
1790 beschloss der Kongress, am Potomac River eine neue Hauptstadt zu bauen, George Washington selbst wählte den Ort. Der französische Ingenieur Pierre L'Enfant entwarf einen Plan mit breiten Diagonalalleen, Plätzen und der großen Achse der Mall. 1814 brannten britische Truppen das Kapitol und das Weiße Haus nieder, doch beides wurde wieder aufgebaut. Der District of Columbia gehört zu keinem Bundesstaat, seine Einwohner kämpfen bis heute für volle Vertretung im Kongress. Eine Bauvorschrift begrenzt die Gebäudehöhe, weshalb die Skyline flach und das Kapitol weithin sichtbar bleibt.
Sehenswürdigkeiten in Washington
Die National Mall erstreckt sich über drei Kilometer vom Kapitol bis zum Lincoln Memorial. Am besten spaziert man abends, wenn die Denkmäler beleuchtet sind: das Washington Monument, das Weltkriegsdenkmal, die schwarze Wand des Vietnam Veterans Memorial mit über 58.000 Namen, das Martin Luther King Jr. Memorial und das Jefferson Memorial am Tidal Basin. Das Kapitol kann mit Führung besichtigt werden, ebenso die Library of Congress mit ihrem prachtvollen Lesesaal. Das Weiße Haus sieht man meist nur von außen, Führungen müssen lange vorher über Kongressabgeordnete bzw. die Botschaft beantragt werden. Jenseits des Potomac liegt der Arlington National Cemetery mit dem Grab John F. Kennedys und der Wachablösung am Grabmal des Unbekannten Soldaten.
Museen: die Smithsonian-Welt
Die Smithsonian Institution betreibt rund um die Mall fast 20 Museen, alle kostenlos. Das National Air and Space Museum zeigt das Flugzeug der Brüder Wright und die Apollo-11-Kapsel, das Museum of Natural History den Hope-Diamanten und ein riesiges Elefantenpräparat, das National Museum of African American History and Culture mit seiner bronzefarbenen Fassade gehört zu den bewegendsten Museen des Landes. Die National Gallery of Art beherbergt mit einem Bild von Leonardo da Vinci das einzige Gemälde des Meisters in Amerika. Das United States Holocaust Memorial Museum ist eindringlich, für den Besuch empfiehlt sich ein Zeitticket.
Viertel jenseits der Mall
Georgetown mit Kopfsteinpflaster, Federal-Style-Häusern und dem Chesapeake-and-Ohio-Kanal ist älter als die Hauptstadt selbst. Dupont Circle ist das Viertel der Botschaften, Buchläden und der queeren Szene, am Sonntag mit Bauernmarkt. Auf Capitol Hill wohnen Abgeordnete und Familien in Reihenhäusern, der Eastern Market ist seit 1873 ein beliebter Treffpunkt. Rund um die U Street, einst „Black Broadway“, wo Duke Ellington aufwuchs, sowie Logan Circle/Shaw konzentrieren sich Jazzclubs, Bars und Restaurants. Downtown und das Golden Triangle sind von Büros und Hotels geprägt, die Waterfront an der Wharf und Navy Yard ist ein neues Ausgehviertel am Fluss.
Essen in Washington
Die Restaurants in Washington spiegeln die internationale Bevölkerung wider. Die äthiopische Gemeinde ist eine der größten außerhalb Afrikas, Injera mit Linsen und Fleisch gibt es vor allem rund um Shaw. Ein lokaler Klassiker ist der Half-Smoke, eine scharfe Wurst mit Chili, die man seit 1958 bei Ben's Chili Bowl an der U Street isst. Blue Crabs und Crab Cakes aus der nahen Chesapeake Bay gehören ebenso dazu. Der Union Market am Rand von NoMa ist eine beliebte Food Hall, und die Cocktailbars rund um Logan Circle sind abends gut besucht.
Unterwegs, Reisezeit und Ausflüge
Reagan National Airport liegt nur wenige Metro-Stationen von der Innenstadt entfernt, internationale Flüge landen meist in Dulles, das seit 2022 mit der Silver Line angebunden ist, oder in Baltimore-Washington. Die Metrorail ist sauber und zuverlässig, die Mall erkundet man zu Fuß oder mit Leihrädern. Die beste Reisezeit ist der Frühling, wenn Ende März bis Anfang April rund um das Tidal Basin die Kirschbäume blühen, ein Geschenk aus Tokio von 1912, oder der Herbst. Der Sommer ist heiß und schwül. Ausflüge führen nach Mount Vernon, dem Landsitz George Washingtons, nach Alexandria mit seiner Altstadt, nach Annapolis oder in den Shenandoah-Nationalpark.














