Houston entdecken: Raumfahrt, Kunst und Tex-Mex
Reiseführer · redaktionell„Houston, wir haben ein Problem“ – kaum ein Stadtname ist so eng mit der Raumfahrt verbunden. Eine Reise nach Houston führt aber nicht nur zur NASA, sondern in die vielfältigste Großstadt der USA, in ein Museumsviertel von Weltrang und zu einer Küche, die Texas, Mexiko, Vietnam und den Süden vereint. Ein Urlaub in Houston ist eine Entdeckung für alle, die Städte jenseits der bekannten Postkartenmotive mögen.
Vom Sumpf zur Energiemetropole
1836, wenige Monate nach der Schlacht von San Jacinto, mit der Texas seine Unabhängigkeit von Mexiko erkämpfte, gründeten die Brüder Allen am Buffalo Bayou eine Stadt und benannten sie nach dem Sieger Sam Houston. Kurz war sie sogar Hauptstadt der Republik Texas. Der Durchbruch kam mit dem Ölfund von Spindletop 1901 und dem Bau des Houston Ship Channel, der die Stadt mit dem Golf von Mexiko verbindet und den Hafen zu einem der größten der USA machte. Seit 1961 ist Houston Sitz des Johnson Space Center, von dem aus die Apollo-Missionen gesteuert wurden – „Houston“ war das erste Wort, das vom Mond gesprochen wurde. Heute ist die Stadt Zentrum der Energiewirtschaft, beherbergt mit dem Texas Medical Center den größten Medizinkomplex der Welt und hat keine Flächennutzungsplanung im klassischen Sinn, was das bunte Nebeneinander von Hochhäusern, Einfamilienhäusern und Taquerías erklärt.
Viertel mit Charakter
Downtown hat sich mit dem Discovery Green, einem Park mit Konzertbühne, dem Theater District und dem Baseballstadion der Astros belebt. Ein Tunnelsystem von mehreren Kilometern verbindet die Bürotürme unterirdisch, ideal an heißen Tagen. Montrose ist das künstlerische und queere Herz der Stadt mit Vintage-Läden, Tattoo-Studios, Cafés und der Menil Collection. Die Houston Heights nordwestlich davon wirken mit viktorianischen Holzhäusern, der 19th Street und Antiquitätenläden fast kleinstädtisch. Entlang des Washington Avenue Corridor reihen sich Bars und Lokale, in Uptown rund um die Galleria, eines der größten Einkaufszentren des Landes, dominieren Luxushotels und Glasfassaden. Greenway / Upper Kirby ist ein lebendiger Mix aus Büros, Restaurants und Wohnanlagen, Spring Branch im Westen überrascht mit koreanischen und mexikanischen Lokalen.
Sehenswürdigkeiten in Houston
Das Space Center Houston, etwa 40 Kilometer südöstlich, ist das offizielle Besucherzentrum des Johnson Space Center. Höhepunkte sind die Tram-Tour zum historischen Kontrollraum der Apollo-Missionen, die riesige Saturn-V-Rakete im Rocket Park und das Spaceshuttle-Modell auf einer Boeing 747. In der Innenstadt lädt der Buffalo Bayou Park mit Rad- und Kajakwegen ein; bei Sonnenuntergang fliegen an der Waugh Drive Bridge Hunderttausende Fledermäuse aus. Der Hermann Park mit Japanischem Garten und Zoo grenzt an den Museum District. Wer Geschichte sucht, fährt zum San Jacinto Monument, einer Säule, die höher ist als das Washington Monument. Ein Abend bei den Astros im Daikin Park oder beim Houston Livestock Show and Rodeo im Frühjahr zeigt die texanische Seele der Stadt.
Museen und Kultur
Im Museum District liegen rund 20 Häuser auf engem Raum. Das Museum of Fine Arts Houston ist eines der größten Kunstmuseen der USA, mit einem neuen Bau für moderne Kunst von Steven Holl. Das Houston Museum of Natural Science punktet mit Dinosauriern und einer prächtigen Edelsteinsammlung. In Montrose zeigt die Menil Collection Surrealisten und Stammeskunst bei freiem Eintritt, gleich daneben liegt die Rothko Chapel, ein stiller achteckiger Raum mit 14 dunklen Gemälden von Mark Rothko. Houston gehört zu den wenigen US-Städten mit eigenem Ensemble für Oper, Ballett, Sinfonie und Theater, die im Theater District in Downtown spielen.
Essen in Houston
Die Restaurants in Houston gehören zu den spannendsten des Landes. Tex-Mex hat hier Tradition: Fajitas, Enchiladas mit Chili con Carne, Queso und Margaritas. Texanisches Barbecue mit langsam geräuchertem Brisket ist allgegenwärtig, ebenso Crawfish im Frühjahr, gekocht mit Cajun-Gewürzen. Eine Houstoner Spezialität ist die „Viet-Cajun“-Küche, entstanden in der großen vietnamesischen Gemeinde – scharfe Flusskrebse mit Knoblauchbutter. Bellaire Boulevard in Chinatown ist eine Meile voller Pho-Lokale, Dim-Sum-Hallen und Bäckereien, daneben finden sich nigerianische, pakistanische und salvadorianische Lokale. Für das Ausgehen bieten Montrose, die Washington Avenue und EaDo östlich von Downtown Bars, Brauereien und Livemusik. Im Sommer sorgen zudem Freilichtkonzerte im Miller Outdoor Theatre im Hermann Park bei freiem Eintritt für entspannte Abende.
Unterwegs in Houston
Der George Bush Intercontinental Airport im Norden ist das internationale Drehkreuz, der kleinere William P. Hobby Airport im Süden bedient vor allem Inlandsflüge. Houston ist sehr weitläufig; die METRORail-Stadtbahn verbindet zwar Downtown, Museum District, Texas Medical Center und das Stadion der Texans, doch für die meisten Ziele ist ein Auto praktischer. Wer im Zentrum wohnt, kommt mit Stadtbahn, Leihrädern und Fahrdiensten gut zurecht.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Die beste Reisezeit für Houston liegt zwischen Oktober und April. Der Sommer ist heiß und sehr feucht, zudem fällt er in die Hurrikansaison von Juni bis November. Im Frühjahr blühen die Wildblumen in der Umgebung, und das Rodeo zieht im März Millionen Besucher an. Für Ausflüge bieten sich Galveston mit viktorianischer Altstadt, Strand und Pleasure Pier an, gut eine Stunde südöstlich am Golf. Kemah lockt mit seinem Boardwalk, und wer Natur sucht, fährt in den Brazos Bend State Park mit Alligatoren und Sternwarte.













