Katalonien: Barcelona, Costa Brava und Pyrenäen
Reiseführer · redaktionellKatalonien hat eine eigene Sprache, eigene Feste und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein – das spürt man schon an den gestreiften Senyera-Fahnen auf vielen Balkonen. Ein Urlaub in Katalonien führt von den Modernisme-Fassaden Barcelonas über die felsigen Buchten der Costa Brava bis zu romanischen Kirchen in Pyrenäentälern, in denen im Winter Schnee liegt.
Lage und Landschaft
Die autonome Gemeinschaft im Nordosten Spaniens grenzt an Frankreich und Andorra und besteht aus den vier Provinzen Barcelona, Girona, Lleida und Tarragona. Rund 580 Kilometer Küste reichen von Portbou an der französischen Grenze bis zum Ebrodelta, einer flachen Landschaft aus Reisfeldern, Lagunen und Sandbänken. Im Norden bilden die Pyrenäen eine Barriere mit Gipfeln über 3.000 Metern; der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici ist mit seinen Bergseen der einzige Nationalpark Kataloniens. Im Hinterland erheben sich markante Bergmassive wie der Montserrat mit seinen zerklüfteten Konglomerattürmen, und im Westen öffnet sich die trockenere Ebene um Lleida mit Obstplantagen.
Barcelona und die Städte im Umland
Barcelona ist die Hauptstadt und zugleich eine der meistbesuchten Städte Europas. Antoni Gaudí prägt ihr Bild: Die Sagrada Família, seit 1882 im Bau, nähert sich der Vollendung ihrer zentralen Türme, die Casa Batlló und die Casa Milà säumen den Passeig de Gràcia, und im Park Güell schaut man von Mosaikbänken über die Stadt. Daneben stehen das Gotische Viertel mit Kathedrale und Plaça del Rei, die Markthalle Boqueria an den Ramblas, die Stadtteile El Born und Gràcia sowie der Montjuïc mit dem Museu Nacional d'Art de Catalunya und der Fundació Joan Miró. Die Stadtgrenzen verschwimmen mit L'Hospitalet de Llobregat, einer der dichtest besiedelten Städte Europas, und den Industriestädten des Vallès wie Terrassa, Sabadell und Granollers, die im 19. Jahrhundert mit Textilfabriken groß wurden.
Sehenswürdigkeiten in Katalonien jenseits der Hauptstadt
Tarragona war als Tarraco eine der wichtigsten Städte des römischen Hispanien. Amphitheater am Meer, Circus-Gewölbe und Stadtmauer sind UNESCO-Welterbe, und der Tarragonès mit Badeorten wie Salou und dem Freizeitpark PortAventura zieht Familien an. Girona besticht durch die bunten Häuser am Fluss Onyar, eines der besterhaltenen jüdischen Viertel Europas und eine Kathedrale mit breitem gotischem Kirchenschiff. Figueres im Alt Empordà – auf Deutsch Oberampurien – ist die Stadt Salvador Dalís, dessen Theater-Museum unter der eiereverzierten Kuppel steht; sein Wohnhaus in Portlligat bei Cadaqués kann man ebenfalls besichtigen. Das Kloster Montserrat mit der Schwarzen Madonna, die romanischen Kirchen des Vall de Boí und das Zisterzienserkloster Poblet sind weitere Ziele. Sitges südlich von Barcelona verbindet Strand, Altstadt und ein bekanntes Filmfestival.
Costa Brava und Costa Daurada
Die Costa Brava beginnt an der Grenze und reicht über das Baix Empordà – Niederampurien – mit Orten wie Palafrugell, Calella de Palafrugell, Begur und L'Estartit bis nach Blanes in der Comarca La Selva. Pinien reichen bis an die Felsbuchten, Fußwege, die Camins de Ronda, verbinden die Calas. Im Baix Empordà liegen außerdem mittelalterliche Dörfer wie Pals und Peratallada. Weiter südlich folgen die Costa del Maresme und die Costa Daurada mit langen Sandstränden bei Cambrils und Salou.
Kultur, Sprache und Küche
Katalanisch ist neben Spanisch Amtssprache und im Alltag allgegenwärtig. Am 11. September wird die Diada, der Nationalfeiertag, begangen, am 23. April Sant Jordi, an dem man Bücher und Rosen verschenkt. Die Castells, Menschentürme mit bis zu zehn Etagen, sind Kulturerbe der Menschheit und bei Dorffesten zu sehen, ebenso die Sardana, ein Kreistanz. Kulinarisch beginnt vieles mit pa amb tomàquet, mit Tomate eingeriebenem Brot. Im Frühjahr grillt man Calçots, lange Frühlingszwiebeln, die in Romesco-Sauce getunkt werden. Suquet de peix, ein Fischeintopf, und Crema catalana gehören dazu, ebenso Cava aus dem Penedès um Sant Sadurní d'Anoia und kräftige Rotweine aus dem Priorat.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Barcelona-El Prat ist der wichtigste Ankunftsort, dazu kommen Girona und Reus für Ferienflüge. Der Hochgeschwindigkeitszug verbindet Barcelona mit Madrid, Girona und über Figueres mit Frankreich; ein dichtes Netz von Regionalzügen der Rodalies erschließt Küste und Umland. Für die Pyrenäen ist ein Auto sinnvoll. Die beste Reisezeit für Stadt und Küste sind Mai, Juni und September, wenn das Meer warm, die Hitze aber erträglich ist. Im Hochsommer sind Strände und Sagrada Família stark besucht, im Winter locken Skigebiete wie Baqueira-Beret im Val d'Aran.












