Barcelona entdecken: Gaudí, Gassen und Mittelmeer
Reiseführer · redaktionellBarcelona hat das seltene Glück, Strand, Altstadt und Weltarchitektur auf engstem Raum zu vereinen – und eine Bevölkerung, die ihre katalanische Identität selbstbewusst lebt. Eine Städtereise nach Barcelona führt von den gotischen Gassen am Hafen über die Jugendstilfassaden des Eixample bis hinauf auf den Montjuïc. Wer seinen Barcelona Urlaub klug plant, sieht nicht nur die Sagrada Família, sondern auch die Stadt dahinter.
Zwei Jahrtausende zwischen Römern und Olympia
Die Römer gründeten hier im 1. Jahrhundert v. Chr. die Siedlung Barcino; Teile ihrer Stadtmauer und Säulen des Augustustempels stehen noch im Barri Gòtic. Im Mittelalter stieg Barcelona als Hauptstadt der Krone von Aragón zu einer der großen Handelsmächte des Mittelmeers auf. 1714 eroberten bourbonische Truppen die Stadt – der 11. September ist bis heute katalanischer Nationalfeiertag. Mit der Industrialisierung kam der Reichtum zurück, und das Bürgertum ließ sich ab 1860 im neuen Stadterweiterungsgebiet Eixample prachtvolle Häuser bauen. Den zweiten großen Sprung brachten die Olympischen Spiele 1992: Damals öffnete sich Barcelona endgültig zum Meer, Industriebrachen wurden zu Stränden und Promenaden.
Sehenswürdigkeiten in Barcelona: Gaudí und mehr
Die Sagrada Família ist seit 1882 im Bau und soll in den kommenden Jahren mit dem zentralen Jesusturm ihre endgültige Höhe erreichen; schon jetzt ist sie die höchste Kirche der Welt. Innen verwandelt sich das Licht durch die bunten Fenster in einen Wald aus Farben – Tickets sollte man unbedingt vorab buchen. Antoni Gaudís Casa Batlló mit ihrem Drachenrücken-Dach und die wellenförmige Casa Milà, genannt La Pedrera, liegen beide am Passeig de Gràcia. Der Park Güell oberhalb von Gràcia bietet die berühmte Mosaikbank und einen weiten Blick über die Stadt. Doch Barcelona ist mehr als Gaudí: Der Palau de la Música Catalana von Domènech i Montaner gehört zu den schönsten Konzertsälen der Welt, das Hospital de Sant Pau ist ein Jugendstil-Ensemble von märchenhafter Größe. Am Montjuïc thront das Nationalmuseum MNAC über den Wasserspielen der Font Màgica, und die Kathedrale sowie die Basilika Santa Maria del Mar zeigen katalanische Gotik in Reinform.
Viertel: von Ciutat Vella bis Gràcia
Ciutat Vella, die Altstadt, besteht aus mehreren Vierteln: dem Barri Gòtic mit Kathedrale und Plaça del Rei, dem Raval mit dem weißen Museu d'Art Contemporani und vielen jungen Läden, sowie El Born mit Designboutiquen und Bars rund um Santa Maria del Mar. Die Rambla, einst die berühmteste Flaniermeile, ist heute vor allem Durchgangsstraße für Besucher – schöner ist es in den Seitengassen. Das Eixample mit seinem charakteristischen Raster und den abgeschrägten Ecken ist das bürgerliche Herz der Stadt; die Seite links vom Passeig de Gràcia gilt zudem als Zentrum der queeren Szene. Gràcia, einst eigenständiges Dorf, hat sich mit kleinen Plätzen wie der Plaça del Sol eine fast dörfliche Atmosphäre bewahrt; im August verwandelt die Festa Major de Gràcia die Straßen mit selbst gebastelter Dekoration. Sant Martí umfasst das alte Industrieviertel Poblenou, wo heute Tech-Firmen, Galerien und die Rambla del Poblenou zusammenkommen, sowie die Strände bis zum Fòrum. In Sants-Montjuïc liegen der Berg mit seinen Museen und das Arbeiterviertel Poble-sec mit Tapasbars an der Carrer de Blai, in Les Corts das Fußballstadion Camp Nou, und Sarrià-Sant Gervasi steht für ruhige Villenstraßen am Fuß des Tibidabo.
Museen und Kultur
Das Museu Picasso im Born zeigt vor allem die frühen Jahre des Malers, der seine Jugend in Barcelona verbrachte. Die Fundació Joan Miró auf dem Montjuïc ist allein wegen des lichtdurchfluteten Baus von Josep Lluís Sert einen Besuch wert. Das CosmoCaixa begeistert Familien mit einem nachgebauten Stück Amazonas-Regenwald. Kulturell prägen katalanische Traditionen den Kalender: Am Sant-Jordi-Tag, dem 23. April, schenkt man sich Rosen und Bücher; zur Mercè im September bauen Castellers menschliche Türme, und beim Correfoc rennen Teufel mit Funkenregen durch die Straßen.
Essen und Trinken in Barcelona
Die Restaurants in Barcelona reichen von einfachen Bodegas bis zu Sterneküche. Klassisch katalanisch sind Pa amb tomàquet, Brot mit Tomate und Olivenöl, Botifarra-Wurst, Escalivada aus geröstetem Gemüse und zum Nachtisch Crema catalana. Fideuà, eine Art Paella mit kurzen Nudeln, isst man am besten mit Meerblick in der Barceloneta. Die Boqueria an der Rambla ist der bekannteste Markt, aber auch stark besucht; entspannter einkaufen lässt es sich im Mercat de Santa Caterina mit seinem bunten Wellendach oder im Mercat de Sant Antoni. Abends gehört ein Vermut oder ein Glas Cava dazu, im Winter auf die Calçotada, wenn gegrillte Frühlingszwiebeln mit Romesco-Sauce gegessen werden.
Ausgehen, Strand und Nachtleben
Die Barceloneta ist der stadtnahe Strand, dahinter reihen sich Bogatell und Nova Icària, wo es ruhiger zugeht. Abends ziehen die Einheimischen durch die Bars des Born, des Raval und von Gràcia; die großen Clubs liegen am Port Olímpic. Musikfestivals wie das Primavera Sound und das Sónar machen Barcelona im Frühsommer zum Treffpunkt der internationalen Szene.
Unterwegs in Barcelona und beste Reisezeit
Vom Flughafen El Prat (BCN) fahren der Aerobús, die Metro-Linie L9 und Regionalzüge ins Zentrum. Metro und Busse decken die Stadt dicht ab, und viele Wege lassen sich zu Fuß gehen. Taschendiebe sind vor allem an der Rambla und in der Metro aktiv, Wachsamkeit lohnt sich. Die beste Reisezeit sind Mai, Juni sowie September und Oktober, wenn das Meer noch warm, die Stadt aber weniger voll ist. Im Hochsommer ist es heiß und dicht gedrängt. Lohnende Ausflüge führen zum Kloster Montserrat in den gezackten Bergen, an die Strände von Sitges oder ins Weinbaugebiet Penedès.















