Asturien: Picos de Europa, Cidre und grüne Küste
Reiseführer · redaktionellDie Asturier nennen ihre Heimat Paraíso Natural, und wer bei Sonnenschein über die Hochweiden der Picos de Europa blickt, versteht warum. Ein Urlaub in Asturien bedeutet Steilküste und Sandbuchten, Kühe auf Bergwiesen, Cidre, der aus Armeslänge ins Glas gegossen wird, und eine Geschichte, die mit dem Beginn der Reconquista verknüpft ist.
Zwischen Gebirge und Kantabrischem Meer
Asturien liegt an der Nordküste Spaniens zwischen Galicien und Kantabrien und ist ein Fürstentum: Der spanische Thronfolger trägt den Titel Prinz oder Prinzessin von Asturien. Die Region ist nur rund 200 Kilometer lang und an keiner Stelle breiter als etwa 80 Kilometer. Im Süden bildet das Kantabrische Gebirge eine Wand, im Osten erheben sich die Kalkmassive der Picos de Europa mit dem Naranjo de Bulnes, einem markanten Felszahn. Der Naturpark Somiedo im Westen ist Rückzugsgebiet der Braunbären, deren Bestand sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erholt hat. Die Küste ist geprägt von Klippen, Flussmündungen und Stränden, die bei Flut fast verschwinden. Das Klima ist atlantisch, mit häufigem Regen und milden Sommern.
Oviedo, Gijón und Avilés
Oviedo, die Hauptstadt, ist eine aufgeräumte, elegante Stadt mit gotischer Kathedrale, in deren Cámara Santa Reliquien und Goldkreuze aufbewahrt werden. Am Hang des Monte Naranco stehen die Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo aus dem 9. Jahrhundert, Meisterwerke der asturischen Präromanik und UNESCO-Welterbe. Woody Allen drehte hier, eine Statue erinnert daran. Gijón ist die größte Stadt, eine Hafen- und Industriestadt mit dem Stadtstrand San Lorenzo, dem alten Fischerviertel Cimadevilla auf einer Halbinsel und der Laboral Ciudad de la Cultura, einem monumentalen Bau aus der Franco-Zeit. Avilés hat eine gut erhaltene Altstadt mit Arkaden und das Kulturzentrum Niemeyer, das letzte große Werk des brasilianischen Architekten in Europa. Siero mit der Kleinstadt Pola de Siero liegt im Zentrum zwischen den drei Städten und ist für seinen Viehmarkt bekannt.
Sehenswürdigkeiten in Asturien: Picos de Europa und Covadonga
Cangas de Onís mit seiner gewölbten römischen Brücke über den Sella ist Ausgangspunkt für die Picos de Europa. Wenige Kilometer entfernt liegt Covadonga, wo um 722 der asturische Anführer Pelayo die Mauren besiegt haben soll; die Grotte mit der Marienkapelle und die rosafarbene Basilika sind ein Wallfahrtsort. Die Straße führt weiter zu den Seen von Covadonga, Enol und Ercina, auf rund 1.100 Metern. Im Sommer ist die Zufahrt für Privatautos beschränkt, Busse pendeln. Die Wanderung durch die Cares-Schlucht ist einer der bekanntesten Wege Spaniens. Wer Höhlenmalerei sehen möchte, findet sie in Tito Bustillo bei Ribadesella, einer UNESCO-geschützten Höhle mit steinzeitlichen Bildern.
Küstenorte
Zu den schönsten Asturien Reiseziele gehören die kleinen Hafenorte. Llanes im Osten hat eine Altstadt, bunt bemalte Betonblöcke von Agustín Ibarrola am Hafen und Dutzende Strände, darunter Gulpiyuri, einen Binnenstrand, der unterirdisch mit dem Meer verbunden ist. Ribadesella ist Ziel des internationalen Kanurennens auf dem Sella Anfang August, bei dem Tausende feiern. Villaviciosa an einer Flussmündung gilt als Hauptstadt des Apfelweins, und Lastres und Cudillero mit ihren an den Hang geklebten Häusern sind Fotomotive. Im Westen wird die Küste wilder, mit Orten wie Luarca.
Sidra, Fabada und Käse
Asturien ist das Land der Sidra, eines naturtrüben, herben Apfelweins. In den Sidrerías gießt der Kellner ihn mit ausgestrecktem Arm aus großer Höhe ins Glas, damit er sich mit Luft verbindet, und man trinkt den Schluck sofort aus. Die Fabada asturiana, ein Eintopf aus großen weißen Bohnen mit Chorizo, Blutwurst und Speck, ist das Nationalgericht. Cachopo, zwei Kalbsschnitzel mit Schinken und Käse gefüllt und paniert, hat sich zum Kultessen entwickelt. Asturien hat zahlreiche Käsesorten, am bekanntesten ist der Cabrales, ein kräftiger Blauschimmelkäse, der in Höhlen der Picos reift. Zum Nachtisch gibt es Arroz con leche mit karamellisierter Kruste. In der Fischerei spielen Seehecht und Seeigel eine Rolle.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Asturias liegt bei Avilés und wird vor allem über Madrid und Barcelona, saisonal auch direkt angeflogen. Seit 2023 verbindet eine Hochgeschwindigkeitsstrecke durch die Pajares-Tunnel Oviedo und Gijón mit Madrid in rund dreieinhalb Stunden. Schmalspurbahnen fahren entlang der Küste. Die beste Reisezeit ist Juni bis September, wenn es am trockensten ist und die Temperaturen um 20 bis 25 Grad liegen. Im Frühjahr und Herbst sind die Picos leerer, doch das Wetter wechselt schnell.












