Aragonien: Pyrenäen, Saragossa und Mudéjar-Kunst
Reiseführer · redaktionellAragonien ist eines der großen Unbekannten Spaniens: ein altes Königreich zwischen den Gletschern der Pyrenäen und den Steppen des Ebrotals, das viele nur auf der Durchfahrt von Barcelona nach Madrid streifen. Ein Urlaub in Aragonien führt zu Dreitausendern im Nationalpark Ordesa, zu maurisch inspirierten Backsteintürmen in Teruel und zur Basilika del Pilar am Ebro.
Drei Landschaften von Nord nach Süd
Die autonome Gemeinschaft im Nordosten Spaniens besteht aus den Provinzen Huesca, Saragossa und Teruel und ist rund so groß wie Niedersachsen, hat aber nur gut eine Million Einwohner, mehr als die Hälfte davon in der Hauptstadt. Im Norden ragen die höchsten Gipfel der Pyrenäen auf, darunter der Aneto mit über 3.400 Metern. Der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido mit Canyons, Wasserfällen und dem Monte Perdido ist Teil eines grenzüberschreitenden UNESCO-Welterbes. In der Mitte durchfließt der Ebro eine weite Senke mit Bewässerungsland, aber auch Halbwüsten wie die Monegros. Im Süden erstreckt sich das Iberische Randgebirge mit kalten Hochflächen, Kiefernwäldern und Dörfern wie Albarracín.
Saragossa: Pilar, Aljafería und Ebroufer
Saragossa, spanisch Zaragoza, ist die fünftgrößte Stadt Spaniens. Ihr Name geht auf die römische Kolonie Caesaraugusta zurück, deren Theater und Forum man besichtigen kann. Am Ebroufer steht die Basilika Nuestra Señora del Pilar mit vier Ecktürmen und bunten Kuppeln; Goya, der in der Nähe in Fuendetodos geboren wurde, malte einige ihrer Deckenfresken. Die Aljafería ist ein maurischer Palast aus dem 11. Jahrhundert und heute Sitz des aragonesischen Parlaments. Die Kathedrale La Seo zeigt an ihrer Außenwand Mudéjar-Fliesenarbeiten. Abends trifft man sich im Viertel El Tubo zum Tapeo. Mitte Oktober feiert die Stadt die Fiestas del Pilar mit Blumenopfer und Jotas, dem typischen aragonesischen Tanz.
Sehenswürdigkeiten in Aragonien: Pyrenäen und Bergorte
Zu den schönsten Aragonien Reiseziele zählen die Pyrenäentäler der Provinz Huesca. Jaca war die erste Hauptstadt des Königreichs Aragón, hat eine romanische Kathedrale und eine fünfeckige Zitadelle. In der Nähe liegt das Kloster San Juan de la Peña unter einem Felsüberhang. Sallent de Gállego im Tal von Tena ist Ausgangspunkt für das Skigebiet Formigal, Benasque im Osten liegt am Fuß von Aneto und Posets und ist ein Zentrum für Bergsteiger. Aínsa, die Hauptstadt des Sobrarbe, besitzt eine Plaza Mayor mit Arkaden und eine Burg. Sabiñánigo ist Industriestadt und Tor zu den Tälern, mit einem Museum für Pyrenäen-Volkskunde. Huesca selbst hat eine gotische Kathedrale; nördlich davon liegen die Mallos de Riglos, rote Felstürme, an denen Kletterer und Gänsegeier unterwegs sind, und das Castillo de Loarre, eine der besterhaltenen romanischen Burgen Europas.
Teruel, Albarracín und das Mudéjar-Erbe
Teruel ist eine der kleinsten Provinzhauptstädte Spaniens, aber ihre Mudéjar-Türme aus Backstein und glasierten Keramikkacheln gehören zum UNESCO-Welterbe. Die Stadt erzählt die Legende der Liebenden von Teruel, deren Mausoleum man besuchen kann. Die Provinz ist zudem für Dinosaurierfunde bekannt; der Themenpark Dinópolis widmet sich ihnen. Rund 40 Kilometer entfernt liegt Albarracín, ein Dorf mit rosafarbenen Häusern, Holzbalkonen und einer Stadtmauer, die über einen Hügel klettert. Im Maestrazgo, einem wenig besiedelten Bergland, stehen mittelalterliche Orte wie Cantavieja und Mirambel.
Ternasco, Schinken und Wein
Ternasco de Aragón, junges Lamm, ist die bekannteste Spezialität und wird im Ofen mit Kartoffeln gegart. Aus Teruel kommt luftgetrockneter Schinken mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Migas, Borrajas (eine Gemüsepflanze, die vor allem hier gegessen wird) und Pollo al chilindrón mit Paprika und Tomaten stehen auf der Karte. Zum Nachtisch gibt es Frutas de Aragón, kandiertes Obst mit Schokoladenüberzug. Die Weinbaugebiete Cariñena, Campo de Borja, Calatayud und Somontano liefern kräftige Garnacha-Weine und moderne Cuvées.
Anreise und beste Reisezeit
Saragossa liegt an der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Barcelona und ist von beiden Städten in rund eineinhalb Stunden zu erreichen. Der Flughafen der Stadt wird überwiegend für Fracht genutzt. Für Pyrenäen und Bergdörfer braucht man ein Auto. Die beste Reisezeit für Wanderungen ist Juni bis Oktober, für Städte Frühling und Herbst. Im Winter sind Formigal, Panticosa, Cerler und Candanchú Skiziele, während in Saragossa oft der kalte Nordwestwind Cierzo weht.













