Wien entdecken: Kaffeehäuser, Hofburg und Heuriger
Reiseführer · redaktionellEine Melange im Marmortischcafé, ein Abend in der Staatsoper und ein Glas Grüner Veltliner beim Heurigen am Stadtrand: Wien versteht sich auf Genuss. Eine Städtereise nach Wien verbindet kaiserliche Pracht mit Jugendstil, moderner Kunst und einer Lebensqualität, die regelmäßig internationale Ranglisten anführt.
Von der Residenzstadt zur Weltstadt
Schon die Römer unterhielten hier das Legionslager Vindobona. Ab dem späten 13. Jahrhundert residierten die Habsburger in Wien und machten die Stadt zum Zentrum eines Weltreichs. Zweimal, 1529 und 1683, belagerten osmanische Heere die Stadt vergeblich. Um 1900 war Wien eine der größten Metropolen Europas und ein Labor der Moderne: Gustav Klimt, Otto Wagner, Sigmund Freud, Gustav Mahler und Arthur Schnitzler prägten die Zeit. Nach dem Ende der Monarchie 1918 entstand das „Rote Wien“ mit seinen großen Gemeindebauten wie dem Karl-Marx-Hof. Heute ist Wien Sitz zahlreicher internationaler Organisationen, darunter der UNO und der OPEC.
Sehenswürdigkeiten in Wien
Mitten in der Inneren Stadt ragt der gotische Stephansdom mit seinem bunten Ziegeldach auf; vom Südturm blickt man über die Dächer. Die Hofburg war über sechs Jahrhunderte Residenz der Habsburger, heute beherbergt sie Kaiserappartements, das Sisi-Museum, die Schatzkammer, die Spanische Hofreitschule und die Nationalbibliothek mit ihrem barocken Prunksaal. Rund um die Altstadt zieht sich die Ringstraße mit Staatsoper, Parlament, Rathaus und Burgtheater. Im Südwesten liegt Schloss Schönbrunn, die Sommerresidenz mit über tausend Räumen, Schlosspark, Gloriette und dem ältesten Zoo der Welt. Das Belvedere, ein barockes Palais, zeigt Klimts „Der Kuss“. Im Prater dreht sich seit 1897 das Riesenrad, im Hundertwasserhaus im Bezirk Landstraße wachsen Bäume aus den Fenstern.
Museen und Musik
Das Kunsthistorische Museum besitzt eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen der Welt mit Werken von Bruegel, Rubens und Vermeer, gegenüber zeigt das Naturhistorische Museum Dinosaurier und die Venus von Willendorf. Im MuseumsQuartier im Bezirk Neubau liegen das Leopold Museum mit Werken von Egon Schiele und das mumok für moderne Kunst. Die Albertina vereint Grafik von Dürer bis Picasso. Musik ist überall: In der Staatsoper gibt es Stehplätze für wenige Euro, im Musikverein spielen die Wiener Philharmoniker, deren Neujahrskonzert weltweit übertragen wird. Mozart, Beethoven, Haydn, Schubert und Strauss lebten und wirkten hier; die Wiener Sängerknaben singen sonntags in der Hofburgkapelle.
Viertel: Leopoldstadt, Neubau und Alsergrund
Jenseits des Donaukanals liegt die Leopoldstadt mit dem Karmelitermarkt, dem Augarten und dem Prater, einst Zentrum des jüdischen Wien. Neubau und Mariahilf rund um die Mariahilfer Straße sind die Viertel der Boutiquen, Designläden und Cafés; der Naschmarkt am Wienfluss ist Wiens bekanntester Markt. Am Alsergrund wohnte Sigmund Freud, dessen Praxis in der Berggasse heute Museum ist. Favoriten mit dem Viktor-Adler-Markt zeigt das multikulturelle Wien, und in der Donaustadt ist mit der Seestadt Aspern eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas entstanden.
Essen in Wien: Schnitzel, Mehlspeisen und Heuriger
Die Wiener Küche ist die einzige, die nach einer Stadt benannt ist. Klassiker sind das Wiener Schnitzel vom Kalb, Tafelspitz mit Apfelkren, Gulasch und Backhendl. In den Kaffeehäusern – die Wiener Kaffeehauskultur zählt zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe – serviert man Melange, Einspänner und Mehlspeisen wie Sachertorte, Apfelstrudel und Kaiserschmarrn. Am Würstelstand gibt es spät abends Käsekrainer. Wien ist zudem eine Weinstadt: In Grinzing, Nussdorf und Stammersdorf schenken Heurige jungen Wein aus eigenen Weinbergen aus, dazu gibt es ein Buffet mit Liptauer und Schweinsbraten.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Wien-Schwechat liegt rund 18 Kilometer südöstlich; der City Airport Train erreicht Wien-Mitte in 16 Minuten, die S-Bahn ist günstiger. Ein dichtes Netz aus U-Bahn, Straßenbahn und Bussen erschließt die ganze Stadt, Zeitkarten lohnen sich. Mit der Straßenbahn rund um den Ring sieht man die Prachtbauten bequem vom Sitzplatz aus. Die beste Reisezeit liegt im Frühjahr und Frühherbst; in der Adventszeit locken Christkindlmärkte vor dem Rathaus und am Spittelberg, im Januar und Februar die Ballsaison mit dem Opernball. Im Sommer lädt die Donauinsel zum Baden ein, im Juni findet das Donauinselfest statt.
















