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Norwegen

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Norwegen entdecken: Fjorde, Fjell und Nordlicht

Reiseführer · redaktionell

Wer einen Urlaub in Norwegen plant, merkt schnell, dass die Entfernungen anders zählen: Von Kristiansand im Süden bis zum Nordkap sind es auf der Straße rund 2.000 Kilometer, unterbrochen von Fjorden, Fähren und Hochebenen. Dazwischen liegen Holzstädte am Wasser, Gletscherzungen und Inseln, auf denen im Juni die Sonne nicht untergeht.

Fjorde, Fjell und Inseln: die Landschaften Norwegens

Das Bild, das die meisten im Kopf haben, stammt aus Westnorwegen. Der Geirangerfjord und der Nærøyfjord stehen gemeinsam auf der Welterbeliste, und wer einmal mit der Fähre zwischen Hellesylt und Geiranger gefahren ist, versteht, warum: Wasserfälle wie die Sieben Schwestern stürzen fast senkrecht in den Fjord, an den Hängen kleben verlassene Höfe, die früher nur per Leiter erreichbar waren. Der Sognefjord, mit über 200 Kilometern der längste des Landes, zieht sich bis an den Fuß des Jostedalsbreen, des größten Festlandgletschers Europas. Weiter südlich, oberhalb des Lysefjords bei Stavanger, ragt der Preikestolen 604 Meter über dem Wasser auf, ein Ziel, für das man rund zwei Stunden pro Richtung wandert.

Im Landesinneren dehnt sich die Hardangervidda aus, Europas größte Hochebene, auf der Rentierherden ziehen und Wanderer von Hütte zu Hütte gehen. Ganz anders wirken die Lofoten nördlich des Polarkreises: rote Rorbuer, die alten Fischerhütten auf Stelzen, Gestelle voller trocknendem Kabeljau und Granitgipfel, die direkt aus dem Meer aufsteigen. Noch weiter oben beginnt die Finnmark mit ihrer kargen Tundra und dem Nordkap, das viele Reisende per Hurtigruten-Schiff ansteuern.

Oslo, Bergen und die Städte am Wasser

Viele Sehenswürdigkeiten in Norwegen liegen in der Natur, doch die Städte sind mehr als bloße Durchgangsstationen. Oslo hat sich in den letzten Jahren an seinem Hafen neu erfunden. Rund um die Oper, deren Marmordach man begehen kann, sind das Munch-Museum und die Nationalbibliothek entstanden, das neue Nationalmuseum zeigt Edvard Munchs „Schrei“ in einer seiner Fassungen. Auf der Halbinsel Bygdøy liegen das Fram-Museum mit dem Polarschiff Roald Amundsens und das Kon-Tiki-Museum; im Frognerpark stehen über 200 Skulpturen von Gustav Vigeland. Abends treffen sich die Osloer in Grünerløkka, einem ehemaligen Arbeiterviertel mit Cafés und kleinen Bars.

Bergen, die regenreichste Großstadt des Landes, war einst Kontor der Hanse. Die bunten Holzhäuser von Bryggen sind heute Welterbe, vom Fischmarkt führt die Fløibanen auf den Hausberg. Trondheim lohnt sich wegen des Nidarosdoms, Pilgerziel seit dem Mittelalter, und der Speicherhäuser am Fluss Nidelva. Stavanger lebt vom Öl, hat sich aber mit der Altstadt Gamle Stavanger und ihren weißen Holzhäusern viel Charme bewahrt. Tromsø, das „Tor zur Arktis“, ist mit Eismeerkathedrale und lebhafter Kneipenszene Ausgangspunkt für Nordlichttouren. Wer bei der Auswahl seiner Norwegen Reiseziele kleinere Orte bevorzugt, findet sie in Ålesund mit seinen Jugendstilfassaden, in Kristiansand an der Südküste oder in Bodø, Europas Kulturhauptstadt 2024 und nahe dem Saltstraumen, einem der stärksten Gezeitenströme der Welt.

Geschichte und Kultur: von Wikingern bis Samen

Norwegen ist erst seit 1905 ein unabhängiges Königreich, doch seine Geschichte reicht weit zurück. Wikingerfunde wie das Oseberg-Schiff zeugen von der Zeit, als Seefahrer von hier aus Irland, Island und Grönland erreichten. Aus dem Mittelalter stammen die Stabkirchen, kunstvoll gezimmerte Holzbauten mit Drachenköpfen am Giebel; die Kirche von Urnes am Lustrafjord ist die älteste erhaltene und Welterbe, die von Borgund und Heddal sind ebenso sehenswert. Im Norden leben die Samen, deren Kultur man in Karasjok und Kautokeino begegnet, etwa beim Osterfest mit Rentierrennen und Joik-Gesang. Wichtigster Feiertag ist der 17. Mai, der Nationalfeiertag, an dem ganze Städte in Trachten, den Bunader, auf den Straßen unterwegs sind und Kinderumzüge statt Militärparaden stattfinden.

Essen und Trinken: Fisch, Brunost und Waffeln

Die norwegische Küche hat viel mit Konservieren zu tun. Stockfisch von den Lofoten, luftgetrocknet und hart wie Holz, wird seit Jahrhunderten nach Südeuropa exportiert. Zur Weihnachtszeit kommt Lutefisk auf den Tisch, in Lauge eingeweichter Trockenfisch, im Westen dagegen Pinnekjøtt, gesalzene und gedämpfte Lammrippen. Frischen Lachs, Königskrabben aus der Barentssee und Krabben, die man im Hafen direkt vom Boot kauft, gibt es fast überall. Ein Klassiker ist Brunost, ein karamelliger brauner Käse aus Molke, den man mit dem Käsehobel – einer norwegischen Erfindung – auf Waffeln oder Brot legt. Dazu trinkt man Kaffee, und zwar viel davon. Alkohol ist teuer, Wein und Spirituosen gibt es nur im staatlichen Vinmonopolet; der Kartoffelschnaps Aquavit reift traditionell in Fässern, die auf Schiffen den Äquator überquert haben.

Unterwegs in Norwegen: Anreise, Bahn, Fähre und Auto

Die meisten Reisenden landen in Oslo-Gardermoen, Direktflüge aus Deutschland gehen auch nach Bergen, Stavanger und im Winter teils nach Tromsø. Wer mit dem Auto kommt, nimmt die Fähre von Kiel nach Oslo oder von Hirtshals in Dänemark nach Kristiansand, Larvik, Stavanger oder Bergen. Im Land selbst ist die Bergensbahn zwischen Oslo und Bergen eine der schönsten Bahnstrecken Europas; von Myrdal zweigt die steile Flåmsbahn hinab zum Aurlandsfjord ab. Straßen sind gut, aber schmal und kurvig, Mautstationen arbeiten automatisch über das Kennzeichen. Für Tagesetappen sollte man großzügig planen und Fährzeiten einrechnen. Die Hurtigruten und der Konkurrent Havila verbinden zwischen Bergen und Kirkenes täglich über 30 Häfen und sind im Norden oft schlicht das Verkehrsmittel der Einheimischen.

Beste Reisezeit für Norwegen: Mitternachtssonne oder Nordlicht

Die beste Reisezeit für Norwegen hängt davon ab, was man erleben möchte. Für Wanderungen, Fjordfahrten und Roadtrips eignen sich Juni bis August, wenn in Oslo und Bergen tagsüber 18 bis 25 Grad erreicht werden und viele Passstraßen erst ab Ende Mai schneefrei sind. Nördlich des Polarkreises scheint dann die Mitternachtssonne, in Tromsø etwa von Ende Mai bis Ende Juli. Im September färbt sich das Fjell rot und gelb, die Wege leeren sich. Wer Polarlichter sehen will, reist zwischen Ende September und März nach Tromsø, auf die Lofoten oder in die Finnmark; die dunklen Wochen um die Jahreswende haben dabei ihren eigenen Reiz. Ski- und Hundeschlittentouren sind von Februar bis April am angenehmsten, wenn die Tage schon wieder lang werden und Orte wie Lillehammer oder Geilo noch tief verschneit sind.