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Nordmazedonien

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Nordmazedonien: Ohridsee, Klöster und Gebirge

Reiseführer · redaktionell

Nordmazedonien hat kein Meer, aber mit dem Ohridsee einen der ältesten Seen der Welt, dazu Klöster mit byzantinischen Fresken und Gebirge, die kaum jemand kennt. Ein Urlaub in Nordmazedonien ist preiswert, unaufgeregt und erstaunlich vielfältig für ein Land, das man in einem Tag durchqueren kann.

Ohrid und der Ohridsee

Der Ohridsee ist mehrere Millionen Jahre alt, bis zu 288 Meter tief und so klar, dass man an ruhigen Tagen weit hinunterschauen kann. In ihm leben Arten, die es nirgendwo sonst gibt, darunter die Ohridforelle. Die Stadt Ohrid zieht sich vom Ufer einen Hügel hinauf zur Festung des Zaren Samuil. Dazwischen stehen Kirchen aus dem 11. bis 14. Jahrhundert, die Häuser haben überkragende Obergeschosse aus Holz. Das Kirchlein Sveti Jovan Kaneo auf einem Felsvorsprung über dem Wasser ist das meistfotografierte Motiv des Landes, und Plaošnik, wo der heilige Kliment im 9. Jahrhundert eine der ersten slawischen Schulen gründete, gilt als Wiege der kyrillischen Schriftkultur. See und Stadt stehen gemeinsam mit dem albanischen Ufer auf der UNESCO-Liste. Wenige Kilometer weiter liegt Struga, wo der Schwarze Drin aus dem See fließt und jeden August ein internationales Poesiefestival stattfindet. Am Südufer schließlich steht das Kloster Sveti Naum, umgeben von Quellen, Pfauen und Ruderbooten.

Skopje: Basar und Monumente

Die Hauptstadt ist ein Ort der Gegensätze im wörtlichen Sinn: Auf der einen Seite des Flusses Vardar das Projekt Skopje 2014 mit Dutzenden Statuen, Triumphbogen und neoklassizistischen Fassaden, auf der anderen Seite die steinerne Brücke aus osmanischer Zeit und dahinter die Čaršija, einer der größten erhaltenen Basare des Balkans. Dort reihen sich Teestuben, Goldschmiede, Moscheen und Karawansereien wie der Kapan An. Über allem liegt die Festung Kale. Das Erdbeben von 1963 zerstörte große Teile der Stadt, der alte Bahnhof mit seiner bei 5:17 Uhr stehengebliebenen Uhr erinnert daran. Skopje ist auch Geburtsstadt von Mutter Teresa, ein Gedenkhaus steht an der Fußgängerzone. Ausflüge führen zum Matka-Canyon, wo man mit dem Kajak zwischen Felswänden zu Höhlen und mittelalterlichen Klöstern paddelt.

Bitola, Prilep und der Süden

Viele Sehenswürdigkeiten in Nordmazedonien liegen abseits der bekannten Routen, und der Süden zeigt das besonders deutlich. Bitola, im 19. Jahrhundert Stadt der Konsuln, hat mit der Fußgängerzone Širok Sokak eine Flaniermeile voller Cafés und Fassaden in Pastellfarben. Gleich am Stadtrand liegen die Ausgrabungen von Heraclea Lyncestis mit Bodenmosaiken aus frühchristlicher Zeit. Hinter der Stadt steigt der Nationalpark Pelister an, berühmt für die Molika-Kiefer, eine endemische Baumart des Balkans. Prilep ist das Zentrum des Tabakanbaus, umgeben von bizarren Granitfelsen und dem Kloster Treskavec hoch über der Stadt. Im Südosten, rund um Strumica und das Weingebiet Tikveš bei Kavadarci, wird es mediterraner: Hier wachsen Paprika, Tomaten und Trauben, die das Land weit über die Grenzen hinaus versorgen.

Berge, Klöster und der albanisch geprägte Westen

Rund ein Viertel der Bevölkerung ist albanischsprachig, vor allem im Westen um Tetovo und Gostivar. Tetovo besitzt mit der Bunten Moschee ein Bauwerk, dessen Wände außen und innen bemalt sind wie ein Teppich. Darüber erhebt sich das Šar-Gebirge mit dem Skigebiet Popova Šapka und Gipfeln über 2.700 Metern. Im Nationalpark Mavrovo steht das Kloster Sveti Jovan Bigorski mit einer Ikonostase, deren Holzschnitzereien hunderte Figuren zeigen. Das Dorf Galičnik feiert jeden Juli eine traditionelle Hochzeit, bei der ein Paar nach altem Ritus heiratet und das halbe Land zusieht. Weiter östlich hat Štip mit seiner Altstadt und der Universität ein ruhiges, studentisches Flair, Kumanovo nahe der serbischen Grenze ist für Musik und eine lebendige Kafana-Kultur bekannt.

Essen und Trinken

Die Küche ist bodenständig und stark vom Gemüse geprägt. Tavče gravče, weiße Bohnen im Tontopf gebacken, gilt als Nationalgericht, Ajvar aus gerösteter Paprika wird im Herbst in vielen Familien in großen Mengen eingekocht, der Duft liegt dann über ganzen Stadtvierteln. Dazu kommen Šopska-Salat mit geriebenem Schafskäse, gefüllte Paprika, Pastrmajlija, ein länglicher Fladen mit Fleisch aus der Gegend von Štip, und am Ohridsee gebratene Forelle. Der Wein aus der Tikveš-Region, vor allem die rote Rebsorte Vranec, ist günstig und gut. Zum Abschluss wird Rakija getrunken, oft vom Gastgeber selbst gebrannt.

Unterwegs und beste Reisezeit für Nordmazedonien

Die Entfernungen zwischen den Nordmazedonien Reisezielen sind klein: Von Skopje nach Ohrid sind es rund drei Autostunden, nach Bitola etwas weniger. Busse verbinden alle größeren Städte zuverlässig und günstig, die Bahn spielt kaum eine Rolle. Mit dem Mietwagen erreicht man auch abgelegene Klöster und Bergdörfer. Die beste Reisezeit für Nordmazedonien liegt im Mai und Juni sowie im September, wenn es tagsüber 22 bis 28 Grad warm ist. Der Ohridsee lädt von Juni bis September zum Baden ein, das Wasser erreicht im August etwa 23 Grad. Im Juli und August wird es in Skopje und im Vardartal oft heißer als 35 Grad. Der Winter ist kalt und schneereich in den Bergen, in Skopje kann im Januar dichter Smog über der Stadt liegen.