Kischinau entdecken: Parks, Wein und Sowjet-Moderne
Reiseführer · redaktionellBreite, baumgesäumte Boulevards, große Parks und unter der Erde einige der größten Weinkeller der Welt: Chișinău, auf Deutsch Kischinau, die Hauptstadt der Republik Moldau, ist eine der grünsten Hauptstädte Europas und noch wenig bekannt. Eine Reise nach Kischinau ist eine Entdeckung für Neugierige, mit Sowjet-Moderne, orthodoxen Kirchen, Märkten und einer Weinkultur, die sich nicht verstecken muss.
Von der Provinzstadt zur Hauptstadt
Chișinău wurde im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt und war lange ein kleiner Marktflecken im Fürstentum Moldau. 1812 fiel Bessarabien an das Russische Reich, und Chișinău wurde Gouvernementshauptstadt mit geraden Straßen und klassizistischen Bauten; der Dichter Alexander Puschkin lebte hier einige Jahre in der Verbannung. Zwischen den Weltkriegen gehörte die Stadt zu Rumänien, danach zur Sowjetunion. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, wurde sie im sowjetischen Stil wiederaufgebaut. Seit 1991 ist Chișinău Hauptstadt der unabhängigen Republik Moldau, die 2024 Beitrittsverhandlungen mit der EU aufgenommen hat.
Sehenswürdigkeiten in Chișinău
Der Boulevard Ștefan cel Mare ist die Hauptachse der Stadt, mit Regierungsgebäuden, Läden und Cafés. Am Platz der Großen Nationalversammlung steht der Triumphbogen, dahinter im Park die orthodoxe Geburt-Christi-Kathedrale mit ihrem Glockenturm. Im Park Ștefan cel Mare erinnert ein Denkmal an den moldauischen Fürsten des 15. Jahrhunderts, und eine Allee mit Büsten ehrt Dichter und Schriftsteller. Das Nationalmuseum für Archäologie und Geschichte, das Kunstmuseum und das Ethnographische Museum in einem maurisch inspirierten Bau geben Einblick in die Geschichte des Landes. Fans der Sowjet-Moderne finden mit dem Zirkus, dem Hotel Cosmos und den „Toren der Stadt“, zwei Hochhaustürmen an der Einfahrt vom Flughafen, eindrucksvolle Beispiele. Der Valea-Morilor-Park mit seinem See und der Kaskadentreppe ist ein beliebter Erholungsort.
Wein und Essen
Moldau ist ein Weinland, und rund um die Hauptstadt liegen beeindruckende Kellereien. Mileștii Mici besitzt eine riesige Weinsammlung in Kellergängen von über 200 Kilometern Länge, die man mit dem Auto befahren kann, Cricova nördlich der Stadt ein unterirdisches Labyrinth mit Straßennamen. Typische Gerichte sind Mămăligă, ein fester Maisbrei mit Schafskäse und saurer Sahne, Plăcinte, gefüllte Teigtaschen, und Sarmale, Kohlrouladen. Der Zentralmarkt, Piața Centrală, ist ein lebhaftes Durcheinander aus Gemüse, Käse, Honig und Kleidung.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen liegt rund 13 Kilometer südöstlich und ist per Bus und Taxi erreichbar. Trolleybusse, Busse und Maxitaxis erschließen die Stadt preiswert. Die beste Reisezeit ist das Frühjahr und der Herbst; im Oktober wird mit dem Nationalen Weinfest die Weinlese gefeiert. Ausflüge führen zum Höhlenkloster Orheiul Vechi über einer Flussschleife, zum Kloster Căpriana und in die Weingüter der Region wie Château Purcari im Süden, wo man auch übernachten kann. Abends trifft man sich in den Cafés und Weinbars rund um den Boulevard und die Straße 31 August 1989; die meisten Restaurants sind für westeuropäische Verhältnisse günstig. Von Reisen in das abtrünnige Gebiet Transnistrien raten viele Regierungen ab; aktuelle Hinweise sollten vor der Reise geprüft werden.











