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Moldau

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Moldau: Weinkeller, Klöster und sanfte Hügel

Reiseführer · redaktionell

Die Republik Moldau zählt zu den am wenigsten besuchten Ländern Europas, dabei besitzt sie einige der größten Weinkeller der Welt, in Felsen gebaute Klöster und Dörfer, in denen Gäste noch mit Brot und Salz empfangen werden. Ein Urlaub in Moldau ist ruhig, günstig und voller Begegnungen.

Ein Land zwischen Pruth und Dnister

Moldau liegt zwischen Rumänien und der Ukraine, eingerahmt von den Flüssen Pruth und Dnister. Die Landschaft besteht aus sanften Hügeln, Weinbergen, Sonnenblumenfeldern und kleinen Wäldern, das Klima ist kontinental mit heißen Sommern. Amtssprache ist Rumänisch, im Alltag hört man aber auch viel Russisch, vor allem in der Hauptstadt und im Süden, wo die Gagausen eine eigene Turksprache sprechen. Seit 2022 ist Moldau offizieller Kandidat für den Beitritt zur Europäischen Union. Der schmale Landstreifen östlich des Dnister, Transnistrien, steht nicht unter der Kontrolle der Regierung in Chișinău und wird von einer international nicht anerkannten Führung verwaltet. Das Auswärtige Amt rät von Reisen dorthin ab, konsularische Hilfe ist dort nur eingeschränkt möglich.

Chișinău: grüne Hauptstadt mit Sowjeterbe

Kischinau, rumänisch Chișinău, ist erstaunlich grün: Parks wie der Stefan-cel-Mare-Park und der große Valea-Morilor-See mit seiner langen Treppe prägen das Stadtbild. Am Hauptboulevard stehen die Kathedrale der Geburt Christi mit ihrem frei stehenden Glockenturm, ein Triumphbogen aus dem 19. Jahrhundert und Verwaltungsgebäude im sowjetischen Stil. Der Zentralmarkt ist ein Erlebnis für sich: Bäuerinnen verkaufen eingelegtes Gemüse, Honig, selbst gemachten Käse und Wein in Plastikflaschen. Im Nationalmuseum für Geschichte und Archäologie erzählt ein riesiges Diorama von den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Die Cafés und Weinbars in der Innenstadt sind in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden, und die Preise liegen weit unter dem westeuropäischen Niveau.

Weinkeller und Weinstraßen

Wein ist das Aushängeschild des Landes, und die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Moldau liegen tatsächlich unter der Erde. Mileștii Mici gilt laut Guinness-Buch als größte Weinsammlung der Welt, mit rund 200 Kilometern Stollen und Millionen Flaschen; ein Teil wird mit dem eigenen Auto durchfahren. Cricova, nur wenige Kilometer vor Kischinau, hat ein unterirdisches Straßennetz mit Straßennamen wie Cabernet oder Sauvignon, in dem auch Staatsgäste bewirtet wurden. Kleinere Güter wie Château Purcari im Süden, Asconi oder Et Cetera bieten Verkostungen, Übernachtungen und Küche aus eigenen Zutaten. Einheimische Rebsorten wie die weiße Fetească Albă oder die rote Rară Neagră lohnen den Vergleich mit internationalen Sorten. Am ersten Oktoberwochenende feiert das ganze Land den Nationalen Weintag mit Ständen und Musik im Zentrum der Hauptstadt.

Orheiul Vechi und die Klöster

Rund eine Stunde nördlich von Kischinau windet sich der Fluss Răut durch eine Kalksteinschlucht. Dort liegt Orheiul Vechi, ein Freilichtgelände mit Resten einer mittelalterlichen Stadt, Hügeln voller Funde aus der Zeit der Geten und einem Höhlenkloster, das Mönche in die Felswand gegraben haben. Das Höhlenkloster wird bis heute genutzt, die Kirche oben auf dem Felsen ist ein beliebtes Fotomotiv. Im Dorf Butuceni kann man in Gästehäusern übernachten und Plăcintă probieren, die frisch auf dem Holzofen gebacken wird. Die Stadt Orhei selbst ist der Hauptort der Region. Im Norden liegen die Klöster Saharna und Țipova am Dnister, letzteres ebenfalls in den Fels gebaut, sowie die Festung von Soroca, ein kreisrundes Bollwerk aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Bălți, die zweitgrößte Stadt, ist vor allem Verkehrsknoten und Handelszentrum des Nordens.

Essen und Trinken

Die moldauische Küche ähnelt der rumänischen, mit ukrainischen, russischen und türkischen Einflüssen. Mămăligă, der feste Maisbrei, wird mit Brânză, salzigem Schafskäse, und Smântână, saurer Sahne, gegessen, oft dazu Tochitură, ein Gericht aus Schweinefleisch mit Spiegelei. Zeamă, eine säuerliche Hühnersuppe mit hausgemachten Nudeln, gilt als Mittel gegen fast alles. Plăcinte gefüllt mit Kürbis, Kraut oder Käse gibt es an jeder Ecke, Sarmale in Weinblättern oder Kohl auf jeder Hochzeit. Im Süden kochen die Gagausen Gerichte wie Kaurma aus geschmortem Lamm, die eher an Anatolien erinnern. Zum Wein trinken viele Moldauer gern Divin, einen Weinbrand, der zu Sowjetzeiten als Kognak in die ganze Union ging.

Unterwegs und beste Reisezeit für Moldau

Wer abseits der großen Moldau Reiseziele unterwegs ist, wird in Dörfern oft spontan zu einem Glas Hauswein eingeladen, und ein paar Worte Rumänisch oder Russisch öffnen viele Türen. Die Entfernungen sind kurz, kein Ziel liegt mehr als drei, vier Autostunden von der Hauptstadt entfernt. Minibusse, Rutiere genannt, verbinden fast jedes Dorf mit Kischinau, die Abfahrten erfolgen vom Zentralen oder Nördlichen Busbahnhof. Ein Mietwagen erleichtert Besuche in Weingütern; wer verkostet, sollte einen Fahrer einplanen. Nachtzüge und Busse verbinden die Hauptstadt mit Bukarest und Iași in Rumänien. Die beste Reisezeit für Moldau sind Mai und Juni, wenn Akazien blühen, sowie September und Oktober zur Weinlese, mit Temperaturen zwischen 18 und 26 Grad. Im Juli und August wird es häufig über 30 Grad heiß, die Winter sind kalt, mit Frost und Schnee von Dezember bis Februar.