San Luis Potosí entdecken: Silber, Barock und Huasteca
Reiseführer · redaktionellPlätze, Plätze, Plätze: Kaum eine mexikanische Stadt hat so viele davon im historischen Kern wie San Luis Potosí. Wer eine Reise durch das Bergbauland des Nordens plant, findet hier barocke Kirchen, Silbergeschichte und eine Küche mit eigenem Charakter – und als Bonus das Tor zur grünen Huasteca.
Eine Stadt aus Silber
1592 entdeckten spanische Siedler Gold und Silber im nahen Cerro de San Pedro, und schon bald wurde die Stadt gegründet. Der Beiname Potosí verweist auf die legendäre Silberstadt in Bolivien – man hoffte auf ähnlichen Reichtum. Aus den Erträgen entstanden prachtvolle Kirchen und Paläste. 1910 entwarf Francisco I. Madero hier, in Haft, den Plan de San Luis, der den Beginn der Mexikanischen Revolution markierte. Das Centro Histórico ist Teil des UNESCO-Welterbes Camino Real de Tierra Adentro.
Sehenswürdigkeiten in San Luis Potosí
Rund um die Plaza de Armas stehen die Kathedrale und der Palacio de Gobierno, nur wenige Schritte entfernt liegt die Plaza del Carmen mit dem gleichnamigen Templo, einem Meisterwerk des churrigueresken Barocks mit vergoldetem Seitenaltar. Gleich daneben zeigt das Museo Nacional de la Máscara Hunderte Festmasken aus allen Landesteilen. Das Teatro de la Paz, ein klassizistischer Bau von 1894, ist bis heute eine wichtige Bühne. Die Calzada de Guadalupe, eine lange Promenade, führt vom Zentrum zum Santuario de Guadalupe. Im Barrio de San Sebastián und anderen alten Vierteln haben sich kleine Kirchen und Plätze erhalten, die einen Spaziergang abseits der Touristenwege lohnen.
Kultur und Ausgehen
Das Centro de las Artes in einem ehemaligen Gefängnis, in dem auch Madero einsaß, ist heute Kulturzentrum mit Ausstellungen und Werkstätten. Das Museo Federico Silva widmet sich zeitgenössischer Skulptur. Am Abend spielt sich das Leben auf den beleuchteten Plätzen ab, wo Familien flanieren und Straßenmusiker auftreten. Rund um die Calle Carranza und in der Gegend von Lomas de San Luis gibt es Cafés, Bars und Restaurants. Ein Höhepunkt im Kalender ist die nächtliche Prozession del Silencio am Karfreitag, bei der vermummte Bruderschaften schweigend durch die Altstadt ziehen.
Essen in San Luis Potosí
Ein Muss sind die Enchiladas potosinas: Der Teig wird mit Chili rot gefärbt, mit Käse gefüllt und frittiert. Dazu kommen Tacos rojos, Zacahuil aus der Huasteca – eine riesige, im Erdofen gegarte Tamale – und Fiambre potosino, ein kalter Fleisch- und Gemüseteller. Auf dem Mercado República gibt es Garküchen und regionale Süßigkeiten aus Kaktusfeigen. Die Region erzeugt Mezcal aus wild wachsenden Agaven, den man in einigen Bars der Stadt probieren kann.
Unterwegs, Ausflüge und beste Reisezeit
Der Flughafen Ponciano Arriaga (SLP) liegt nördlich der Stadt; der Busbahnhof bietet Verbindungen in alle Richtungen. Im Zentrum geht man zu Fuß. Lohnend sind Ausflüge nach Real de Catorce, einer halb verlassenen Bergbaustadt in der Wüste, die man durch einen langen Tunnel erreicht, oder in die Huasteca Potosina mit türkisfarbenen Wasserfällen wie Tamul und dem surrealen Skulpturengarten von Edward James in Xilitla. Die beste Reisezeit für die Stadt liegt zwischen Oktober und April: tagsüber mild, nachts kühl auf rund 1.860 Metern Höhe. Für die Huasteca eignen sich die Monate nach der Regenzeit, wenn die Wasserfälle noch kräftig sind, das Wasser aber wieder klar wird. Im Mai kann es in der Stadt sehr warm werden. Die Semana Santa mit der Prozession del Silencio ist ein besonderer, aber auch gefragter Termin – Hotels im Zentrum sind dann schnell belegt.
Spaziergang durch die Plätze der Altstadt
Am besten erschließt sich das Zentrum auf einem Rundgang von Platz zu Platz. Er beginnt an der Plaza de Armas, führt über die Plaza de los Fundadores mit dem Gebäude der Universität und weiter zur Plaza de San Francisco, wo der Templo de San Francisco mit seiner Sakristei voller Gemälde steht. Von dort ist es nicht weit zur Plaza de Aranzazú und zum Museo Regional Potosino in einem früheren Franziskanerkloster. Zum Schluss lohnt der Weg hinüber zum Jardín de San Juan de Dios. Unterwegs fallen die Fassaden aus rosafarbenem Cantera-Stein auf, die im Abendlicht besonders warm wirken.
