Puebla entdecken: Talavera, Mole und Barock
Reiseführer · redaktionellKacheln in Blau und Weiß an den Fassaden, Kirchenkuppeln, so weit das Auge reicht, und am Horizont der rauchende Popocatépetl: Eine Reise nach Puebla zeigt das koloniale Mexiko in seiner prächtigsten Form. Nur rund zwei Busstunden von der Hauptstadt entfernt eignet sich die Stadt für eine Städtereise ebenso wie als Station auf einer Rundreise – nicht zuletzt wegen ihrer Küche, die als eine der besten des Landes gilt.
Eine Stadt der Spanier
Puebla de los Ángeles wurde 1531 als eine der ersten rein spanischen Siedlungen Mexikos gegründet, auf einer Ebene zwischen Vulkanen und an der Route von Veracruz nach Mexiko-Stadt. Der Legende nach zeigten Engel dem Bischof im Traum den Platz für die neue Stadt. Das schachbrettartige Straßennetz ist bis heute erhalten. Weltbekannt wurde Puebla am 5. Mai 1862, als mexikanische Truppen hier ein französisches Heer schlugen – der Cinco de Mayo wird inzwischen vor allem in den USA groß gefeiert, in Puebla mit einer Militärparade.
Sehenswürdigkeiten in Puebla
Das historische Zentrum gehört seit 1987 zum UNESCO-Welterbe. Am Zócalo erhebt sich die Kathedrale mit den höchsten Kirchtürmen Mexikos. Wenige Blocks entfernt verbirgt die Kirche Santo Domingo einen der Höhepunkte des mexikanischen Barocks: die Capilla del Rosario, deren Wände und Kuppel nahezu vollständig mit vergoldetem Stuck bedeckt sind. Die Biblioteca Palafoxiana von 1646 gilt als älteste öffentliche Bibliothek Amerikas, ihre Holzregale tragen Tausende alte Bände. Talavera-Kacheln schmücken die Casa de los Muñecos und viele Bürgerhäuser; in der Manufaktur Uriarte kann man zusehen, wie die Keramik bis heute von Hand bemalt wird. Abends lohnt ein Spaziergang durch den Callejón de los Sapos mit Antiquitätenständen und den Barrio del Artista, wo Maler in kleinen Ateliers arbeiten. Einen weiten Blick über die Stadt bietet das Riesenrad Estrella de Puebla im modernen Angelópolis-Viertel.
Museen und Kultur
Das Museo Amparo zeigt in zwei Kolonialhäusern präkolumbische und koloniale Kunst, die Dachterrasse blickt direkt auf die Kathedrale. Im modernen Museo Internacional del Barroco, einem weißen, wellenförmigen Bau des japanischen Architekten Toyo Ito, wird der Barock mit Multimedia erklärt. Auf dem Hügel von Loreto und Guadalupe erinnern zwei Forts und Museen an die Schlacht von 1862. Puebla ist zudem Universitätsstadt, was dem Zentrum ein junges Publikum beschert.
Essen in Puebla: Mole, Chiles en nogada und Süßes
Die Restaurants in Puebla sind Ziel kulinarischer Reisen. Der Mole poblano, eine dunkle Soße aus mehreren Chilisorten, Gewürzen, Nüssen und etwas Schokolade, soll in einer Klosterküche der Stadt erfunden worden sein und wird traditionell über Truthahn serviert. Von Juli bis September ist Saison für Chiles en nogada: gefüllte Poblano-Chilis unter weißer Walnusssoße mit Granatapfelkernen, in den Farben der mexikanischen Flagge. Auf der Straße gibt es Cemitas, große Sesambrötchen mit Fleisch, Käse und dem Kraut Pápalo, sowie Chalupas, kleine frittierte Tortillas mit Soße. Die Calle de los Dulces ist gesäumt von Läden mit Camotes, Süßkartoffel-Konfekt, und Tortitas de Santa Clara. Der Mercado de Sabores bündelt viele dieser Gerichte unter einem Dach.
Ausflüge in die Umgebung
Gleich westlich liegt Cholula mit der Großen Pyramide, dem volumenmäßig größten Pyramidenbau der Welt, der heute wie ein bewachsener Hügel aussieht und von einer gelben Kirche gekrönt wird. Bei klarem Wetter stehen dahinter der Popocatépetl und der Iztaccíhuatl. In Tonantzintla überrascht die Kirche Santa María mit einem Innenraum voller bunter indigener Stuckfiguren. Wer mehr Natur sucht, fährt nach Atlixco mit seinem milden Klima oder in die Berge um Cuetzalan.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der kleine Flughafen Hermanos Serdán (PBC) hat wenige Verbindungen; meist reist man über Mexiko-Stadt an und nimmt von dort oder direkt vom Flughafen MEX einen der häufig fahrenden Fernbusse. Das Zentrum erkundet man zu Fuß, das Schnellbussystem RUTA und Taxis ergänzen. Zentrale Bus-Drehscheibe ist der Busbahnhof CAPU im Norden. Die beste Reisezeit für Puebla liegt zwischen Oktober und April, wenn es trocken und tagsüber angenehm warm ist; die Nächte können auf über 2.000 Metern Höhe kühl werden. In der Regenzeit von Juni bis September regnet es meist nachmittags.












