Campeche entdecken: Bunte Gassen hinter alten Mauern
Reiseführer · redaktionellPastellfarbene Kolonialhäuser, wuchtige Bastionen und ein Malecón, an dem die Sonne im Golf versinkt: Eine Reise nach Campeche führt in eine der am besten erhaltenen Festungsstädte Amerikas. Für einen ruhigen Urlaub auf der Halbinsel Yucatán ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats ideal.
Piraten, Mauern und Welterbe
Die Spanier gründeten San Francisco de Campeche 1540 an der Stelle der Maya-Siedlung Ah Kin Pech. Als wichtigster Hafen der Halbinsel zog die Stadt Piraten wie Laurens de Graaf und Henry Morgan an, die sie im 17. Jahrhundert wiederholt plünderten. Als Antwort ließ die Krone ab 1686 eine sechseckige Stadtmauer mit acht Bastionen errichten. Große Teile davon stehen bis heute, und seit 1999 gehört die historische Festungsstadt zum UNESCO-Welterbe. Die Bastionen beherbergen inzwischen kleine Museen, etwa zu Schifffahrt, Waffen oder Maya-Stelen.
Sehenswürdigkeiten in Campeche
Herz der Altstadt in der Zona Centro ist der Parque Principal mit seinem Pavillon, flankiert von der Kathedrale Nuestra Señora de la Purísima Concepción, deren zwei Türme abends angestrahlt werden. Die Calle 59 ist Fußgängerzone und abends voller Tische. Durch die Puerta de Tierra, das Landtor, lässt sich ein Stück der Mauer begehen; an mehreren Abenden pro Woche gibt es dort eine Licht- und Tonshow. Oberhalb der Stadt thronen zwei Forts: Im Fuerte de San Miguel zeigt das Museum für Maya-Architektur Jademasken aus Calakmul, das Fuerte de San José el Alto bietet Ausblicke über Dächer und Meer. Der rund sieben Kilometer lange Malecón ist am frühen Abend Treffpunkt für Jogger, Radfahrer und Familien. Östlich des Zentrums liegt das traditionsreiche Viertel Samulá, bekannt für seine Kirche und die Fiesta im Juli.
Essen in Campeche
Die campechanische Küche gilt in Mexiko als eine der feinsten. Probieren sollte man Pan de cazón, geschichtete Tortillas mit Hundshai, Bohnen und Tomatensoße, außerdem Kokosgarnelen, Pámpano en escabeche und Shrimps-Cocktails. Am Markt Pedro Sainz de Baranda gibt es Obst, Fisch und einfache Garküchen. Typisch für die Abende sind Panuchos und Salbutes an Straßenständen rund um die kleinen Plätze der Altstadt, etwa im Barrio de San Francisco oder in Guadalupe.
Abende in der Altstadt
Wenn die Hitze nachlässt, füllt sich die Calle 59 mit Tischen, Musikern und Familien. Am Wochenende gibt es auf dem Hauptplatz oft Konzerte, Jarana-Tänzerinnen in weißen Huipiles drehen sich zu Bläsermusik. Ein Erlebnis ist eine Fahrt mit dem offenen Tranvía, der durch die Altstadt und hinauf zu den Forts rollt. Später am Abend treffen sich Einheimische in kleinen Bars rund um die Calle 8 oder am Malecón, wo der Wind vom Golf etwas Abkühlung bringt. Der Karneval im Februar gehört zu den ältesten Mexikos und endet traditionell mit der symbolischen Verbrennung des „Juan Carnaval“.
Ausflüge, Anreise und beste Reisezeit
Rund 50 Kilometer entfernt liegt die Maya-Stätte Edzná mit ihrer fünfstöckigen Pyramide, deutlich weniger besucht als Chichén Itzá. Weiter im Süden lockt die Biosphäre Calakmul mit Pyramiden mitten im Regenwald. Campeche hat einen kleinen Flughafen mit Verbindungen nach Mexiko-Stadt und ist Station des Tren Maya, der die Stadt mit Mérida, Cancún und Palenque verbindet; ADO-Busse fahren ebenfalls regelmäßig. Die Altstadt erkundet man am besten zu Fuß. Die beste Reisezeit ist von November bis April, wenn es trocken und weniger schwül ist. Campeche gilt als einer der sichersten Bundesstaaten Mexikos und eignet sich gut für entspannte Tage ohne Gedränge.



