Riga entdecken: Jugendstil, Altstadt und Zentralmarkt
Reiseführer · redaktionellGrimassen schneidende Masken an Jugendstilfassaden, mittelalterliche Kaufmannshäuser und ein Markt in alten Zeppelinhallen: Riga, die Hauptstadt Lettlands, ist die größte Stadt des Baltikums und ein lohnendes Ziel für eine Städtereise. An der Mündung der Daugava in die Ostsee verbinden sich Hanse-Geschichte, Architektur und eine lebendige Kulturszene.
Von der Hansestadt zur Hauptstadt
1201 gründete Bischof Albert von Buxhoeveden die Stadt, die bald zu einem wichtigen Mitglied der Hanse wurde. Später herrschten Polen-Litauen, Schweden und das Russische Reich über Riga, und lange prägte das Deutschbaltentum Handel und Kultur. Um 1900 war Riga eine der größten Industriestädte im Zarenreich und erlebte einen Bauboom. 1918 wurde Lettland unabhängig, verlor seine Freiheit aber 1940 durch die sowjetische Besetzung. Mit der Singenden Revolution erkämpfte das Land 1991 die erneute Unabhängigkeit; seit 2004 ist es Mitglied der EU, seit 2014 gilt der Euro. Das historische Zentrum ist seit 1997 UNESCO-Welterbe.
Sehenswürdigkeiten in Riga
In der Altstadt, Vecrīga, stehen der Dom zu Riga, eine der größten mittelalterlichen Kirchen des Baltikums mit einer berühmten Orgel, und die Petrikirche, deren Turm einen weiten Blick über die Dächer bietet. Das Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz, nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut, zeigt eine prächtige Renaissancefassade. Die Drei Brüder sind drei aneinander gebaute Wohnhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten. Am Rand der Altstadt erinnert das Freiheitsdenkmal an die Unabhängigkeit. Im Viertel Centrs liegt das Jugendstilviertel um die Alberta iela und Elizabetes iela, wo Michail Eisenstein, der Vater des Filmregisseurs, Fassaden mit Masken, Frauenköpfen und Fabelwesen entwarf. Rund ein Drittel der Gebäude im Zentrum ist im Jugendstil gebaut. Das Rigaer Jugendstilmuseum zeigt eine originalgetreu eingerichtete Wohnung aus der Zeit um 1900 mit einem prächtigen Treppenhaus. Das Lettische Nationale Kunstmuseum und das Okkupationsmuseum ergänzen das Angebot.
Essen in Riga
Der Zentralmarkt in fünf ehemaligen Zeppelinhangars ist einer der größten Märkte Europas: Hier gibt es geräucherten Fisch, Sauerkraut, Roggenbrot, Honig und Pilze aus den Wäldern. Die lettische Küche ist herzhaft, mit grauen Erbsen mit Speck, Kartoffeln, Hering und Rote Bete. Typisch sind Piragi, kleine Teigtaschen mit Speck und Zwiebeln. Der Riga Black Balsam, ein Kräuterlikör, wird pur oder im Kaffee getrunken. Im Viertel Āgenskalns auf der anderen Seite der Daugava gibt es eine restaurierte Markthalle mit Cafés und regionalen Produkten.
Unterwegs, Reisezeit und Ausflüge
Der Flughafen Riga International (RIX) liegt rund zehn Kilometer westlich, Busse fahren ins Zentrum. Straßenbahnen, Trolleybusse und Busse bringen einen in alle Stadtteile, etwa nach Avoti oder Teika. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September, wenn die Tage lang sind; Ende Juni wird mit Līgo und Jāņi das Mittsommerfest gefeiert, und Riga wird ruhiger, weil viele aufs Land fahren. Die Winter sind kalt und dunkel, aber mit Weihnachtsmarkt reizvoll. Ausflüge führen in den Badeort Jūrmala mit seinen Holzvillen und Sandstränden, in den Gauja-Nationalpark bei Sigulda und zum Schloss Rundāle, dem barocken Palast des Architekten Rastrelli, der auch den Winterpalast in Sankt Petersburg entwarf. Für einen Tag am Meer genügt der Vorortzug, der in rund einer halben Stunde nach Jūrmala fährt.







