Jersey entdecken: Burgen, Buchten und Gezeiten
Reiseführer · redaktionellJersey ist die größte der Kanalinseln und liegt nur gut 20 Kilometer vor der Küste der Normandie. Ein Urlaub auf Jersey bedeutet Burgen über dem Meer, Sandbuchten und einen Tidenhub von bis zu zwölf Metern, der die Insel bei Ebbe fast doppelt so groß erscheinen lässt. Politisch ist Jersey ein Kronbesitz der britischen Krone mit eigenem Parlament, nicht Teil des Vereinigten Königreichs und nicht der EU.
St Helier und die Sehenswürdigkeiten auf Jersey
Im Hauptort St Helier lebt rund ein Drittel der Inselbevölkerung. Die viktorianische Markthalle Central Market mit ihrem Brunnen und die Fischhalle nebenan sind morgens am lebhaftesten, in der Fußgängerzone King Street fallen die vielen Banken auf, denn Jersey ist ein bedeutender Finanzplatz. Vor der Bucht liegt Elizabeth Castle auf einer Gezeiteninsel: Bei Ebbe geht man über einen Damm hinüber, bei Flut bringt ein Amphibienfahrzeug Besucher ans Tor. An der Ostküste thront Mont Orgueil über dem Hafen von Gorey, eine mittelalterliche Burg mit Treppen, Türmen und Ausblick bis Frankreich. Zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten auf Jersey gehört auch La Hougue Bie, ein jungsteinzeitliches Ganggrab, das rund 6.000 Jahre alt ist und von einer mittelalterlichen Kapelle gekrönt wird.
Küsten, Strände und Gezeiten
Jede Seite der Insel hat ihren eigenen Charakter. Im Westen erstreckt sich die St Ouen's Bay über acht Kilometer, ein Strand für Surfer und Spaziergänger mit Dünen und Wachtürmen. An ihrem Südende steht der Leuchtturm La Corbière auf einer Felsklippe, erreichbar über einen Damm, der bei Flut überspült wird. Der Norden besteht aus steilen Klippen, über die ein Küstenpfad zu kleinen Buchten wie Grève de Lecq und Plémont führt. Im Südosten zieht sich das Meer bei Niedrigwasser so weit zurück, dass man mit Führern über den Meeresboden zum Seymour Tower wandern kann, der bei Flut allein im Wasser steht. Die gesamte Südostküste ist als Ramsar-Feuchtgebiet geschützt.
Geschichte und Kultur
Wie Guernsey war Jersey Teil des Herzogtums Normandie und blieb nach 1204 der englischen Krone treu, behielt aber normannisches Recht, eigene Gemeinden und bis heute französische Orts- und Straßennamen. Das Jèrriais, eine normannische Mundart, hört man noch selten im Alltag. Von 1940 bis 1945 war Jersey von deutschen Truppen besetzt; die Jersey War Tunnels, ein von Zwangsarbeitern gegrabenes Stollensystem, erzählen von dieser Zeit, und am 9. Mai wird der Liberation Day gefeiert. Ein Familienziel ist der Durrell Wildlife Park, den der Naturforscher und Autor Gerald Durrell 1959 gründete, um bedrohte Arten zu züchten. Im August zieht die Battle of Flowers durch St Helier, ein Umzug mit Wagen, die mit Tausenden Blüten geschmückt sind.
Essen und Trinken
Das berühmteste Produkt der Insel sind die Jersey Royals, kleine Frühkartoffeln mit geschützter Herkunftsbezeichnung, die von März bis Juni auf steilen Südhängen geerntet werden, traditionell mit Seetang gedüngt. Die Milch der Jersey-Kühe ist reich an Fett und landet als Eis, Butter und Sahne auf dem Tisch. In der Royal Bay of Grouville werden Austern gezogen, Hummer, Krabben und Jakobsmuscheln kommen fangfrisch in die Restaurants von Gorey und St Aubin. Traditionell sind Black Butter, ein dunkles Mus aus Äpfeln, Cidre und Gewürzen, und die Jersey Wonders, in Fett ausgebackene Teigkringel.
Anreise und Unterwegs
Der Flughafen Jersey hat Verbindungen nach London und vielen britischen Regionalflughäfen, aus Deutschland reist man meist mit Umsteigen. Condor Ferries fahren von Poole und Portsmouth sowie von St-Malo, im Sommer verbinden zusätzlich Schnellboote die Insel mit Häfen der Normandie. Deutsche Reisende brauchen einen Reisepass und sollten vor der Abreise prüfen, ob eine elektronische Reisegenehmigung, die ETA, nötig ist. Auf der Insel gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Meilen pro Stunde, auf den „Green Lanes“ nur 15, auf denen Fußgänger, Reiter und Radfahrer Vorrang haben. Ein gutes Busnetz erreicht alle Küsten.
Beste Reisezeit für Jersey
Die beste Reisezeit für Jersey liegt zwischen Mai und September. Jersey zählt zu den sonnigsten Orten der britischen Inseln, im Sommer werden 19 bis 22 Grad erreicht. Im Mai und Juni blühen die Küsten, im September ist das Meer am wärmsten und die Strände leerer. Die Winter sind mild, aber windig.
