Tsukuba entdecken: Raumfahrt, Forschung und Doppelgipfel
Reiseführer · redaktionellVor dem Raumfahrtzentrum ragt eine echte Rakete in den Himmel, und im Hintergrund erhebt sich ein Berg mit zwei Gipfeln, den schon Dichter des 8. Jahrhunderts besangen. Eine Reise nach Tsukuba verbindet Wissenschaft zum Anfassen, Wanderungen und eine angenehm grüne, planmäßig angelegte Stadt – nur 45 Minuten von Akihabara.
Eine Stadt für die Forschung
In den 1960er Jahren beschloss die Regierung, staatliche Forschungsinstitute aus dem überfüllten Tokio auszulagern. Auf Feldern und Wäldern nordöstlich der Hauptstadt entstand die Wissenschaftsstadt Tsukuba mit der gleichnamigen Universität, Dutzenden Instituten und breiten Fuß- und Radwegen. 1985 fand hier eine Weltausstellung zu Wissenschaft und Technik statt, die das Image der Stadt prägte. Heute arbeiten in Tsukuba Tausende Forscher, darunter Nobelpreisträger, und die Stadt hat einen hohen Anteil internationaler Einwohner. Das Tsukuba Center Building von Arata Isozaki mit seinem abgesenkten Platz gilt als Ikone der japanischen Postmoderne.
Sehenswürdigkeiten in Tsukuba
Am bekanntesten ist das Weltraumzentrum der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Draußen liegt eine H-II-Rakete, drinnen zeigt die Ausstellung Satelliten und ein Modell des japanischen ISS-Moduls Kibō; bei Führungen sieht man das Kontrollzentrum, in dem Astronauten betreut werden. Das Geologische Museum des Forschungsinstituts AIST zeigt Gesteine und Fossilien aus ganz Japan, im Museum für Karten und Vermessung läuft man über eine riesige Luftbildkarte des Landes. Auch der Hochenergie-Beschleuniger KEK und das Expo Center mit einem großen Planetarium sind zugänglich. Der Botanische Garten des Naturkundemuseums lädt mit Gewächshäusern und Wäldern zum Spaziergang ein.
Der Berg Tsukuba
Im Norden erhebt sich der Tsukuba-san mit seinen Zwillingsgipfeln Nantai und Nyotai, männlicher und weiblicher Gipfel genannt, seit alters ein heiliger Berg. Am Fuß steht der Tsukubasan-Schrein, von dort führen eine Standseilbahn und eine Seilbahn nach oben, aber auch Wanderwege durch Buchenwald und Felsformationen. Von oben überblickt man die Kantō-Ebene bis Tokio und an klaren Tagen bis zum Fuji. Als Souvenir verkauft man Gama no Abura, eine Salbe, die früher mit Kröten-Fett angepriesen wurde – Straßenhändler führen noch heute das traditionelle Verkaufsschauspiel vor. Im Frühjahr blühen Pflaumenhaine am Hang.
Essen, Anreise und beste Reisezeit
Die internationale Bevölkerung macht die Restaurants in Tsukuba vielseitig: Neben Ramen und Soba findet man Küchen aus Indien, Nepal, Korea und Europa. Aus der Umgebung kommen Hoshi-imo, getrocknete Süßkartoffelstreifen, und Hitachi-Rind. Der Tsukuba Express fährt in rund 45 Minuten von Akihabara, vom Bahnhof gibt es Busse zum Berg. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst, wenn Wandern angenehm ist und Laub die Hänge färbt.
Grüne Stadt für Radfahrer
Tsukuba wurde von Anfang an mit einem eigenen Netz aus Fuß- und Radwegen geplant, das Universität, Institute und Wohnviertel kreuzungsfrei verbindet. Mit einem Leihrad lässt sich die Stadt deshalb entspannt erkunden. Der Tsukuba-Kasumigaura-Radweg folgt am Fuß des Bergs einer ehemaligen Bahntrasse und reicht bis zum See Kasumigaura, dem zweitgrößten See Japans. Unterwegs liegen Reisfelder, kleine Dörfer und alte Bahnhöfe, die heute Rastplätze sind.
