Sendai entdecken: Date Masamune, Gyūtan und Tanabata
Reiseführer · redaktionellUnter dem Blätterdach der Zelkoven an der Jōzenji-dōri sitzen Studenten auf Bänken, und über der Stadt reitet Date Masamune in Bronze – Sendai wirkt grüner und gelassener, als man es von einer Millionenstadt erwartet. Für eine Städtereise in den Norden Japans ist Sendai der ideale Ausgangspunkt. Ein Sendai Urlaub verbindet Samuraigeschichte, gegrillte Rinderzunge und Ausflüge zur Inselbucht von Matsushima.
Die Stadt des einäugigen Drachen
Sendais Geschichte beginnt 1600, als Date Masamune, wegen seines verlorenen Auges „der einäugige Drache“ genannt, auf dem Aoba-Hügel seine Burg anlegen ließ. Der ehrgeizige Fürst schickte sogar eine Gesandtschaft nach Rom und machte Sendai zur Hauptstadt eines der reichsten Lehen Japans. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Zentrum stark zerstört, danach entstand die heutige Stadt mit breiten Alleen, die ihr den Beinamen „Hauptstadt der Bäume“ eingetragen haben. Am 11. März 2011 traf der Tsunami die Küste im Bezirk Wakabayashi schwer; die Grundschule Arahama ist heute eine Gedenkstätte, die vom Tag der Katastrophe und vom Wiederaufbau erzählt.
Sehenswürdigkeiten in Sendai
Von der Burg selbst sind nur Mauern geblieben, doch der Aussichtspunkt am Burgberg mit der Reiterstatue Date Masamunes bietet den besten Blick über den Bezirk Aoba. Unweit davon liegt im Wald das Zuihōden, das Mausoleum des Fürsten: ein prächtig in Schwarz, Gold und leuchtenden Farben bemaltes Bauwerk, nach Kriegszerstörung originalgetreu rekonstruiert. Der Ōsaki-Hachiman-Schrein mit seiner lackierten Haupthalle gehört zu den Nationalschätzen. Architekturfans pilgern zur Sendai Mediatheque von Toyo Ito, deren gläserne Fassade und röhrenartige Stützen ein Wahrzeichen moderner japanischer Baukunst sind. Der Hop-on-Hop-off-Bus Loople verbindet die wichtigsten Stationen bequem. Wer das Stadtbild von oben sehen will, fährt auf die Aussichtsetage des AER-Hochhauses am Bahnhof, von der man bei klarem Wetter bis zum Pazifik blickt. Im Frühjahr ist der Nishi-Park mit seinen Kirschbäumen ein beliebter Ort für Hanami-Picknicks, und am Hirose-Fluss, der sich in Schleifen durch die Stadt zieht, laden Uferwege zu Spaziergängen ein.
Feste: Tanabata und Lichterallee
Vom 6. bis 8. August feiert Sendai das wohl prächtigste Tanabata-Fest Japans. Dann hängen in den überdachten Einkaufsstraßen rund um Ichibanchō riesige, handgefertigte Papierschmuckgirlanden, die bis fast zum Boden reichen und sich bei jedem Luftzug bewegen. Am Vorabend gibt es ein großes Feuerwerk. Im Dezember verwandelt die SENDAI Hikari no Pageant die Zelkoven an der Jōzenji-dōri in einen Tunnel aus Hunderttausenden Lichtern, und im September füllt das Jazzfestival Jōzenji Streetjazz Straßen und Plätze mit Musik.
Essen in Sendai: Gyūtan und Zunda
Die Spezialität schlechthin ist Gyūtan, dick geschnittene, über Holzkohle gegrillte Rinderzunge, serviert mit Gerstenreis, Ochsenschwanzsuppe und eingelegtem Gemüse. Am Bahnhof gibt es eine ganze Gasse mit Gyūtan-Lokalen. Süß wird es mit Zunda: Mochi oder Milchshakes mit einer leuchtend grünen Paste aus zerstampften Edamame. Dazu kommen Sasakama, Fischkuchen in Bambusblattform, und frische Meeresfrüchte aus dem nahen Hafen Shiogama. Die Präfektur Miyagi ist zudem eine angesehene Sake-Region, viele Izakaya führen lokale Brauereien.
Ausgehen in Kokubunchō
Kokubunchō gilt als größtes Vergnügungsviertel im gesamten Nordosten Japans. Zwischen Hochhäusern mit Dutzenden Bars pro Gebäude finden sich Izakaya, Yakitori-Grills, Karaoke und kleine Musikkneipen. Gleich nebenan, an den Arkaden von Ichibanchō und Chūō, kann man tagsüber einkaufen und abends essen gehen. Fans des Baseballs erleben im Rakuten Mobile Park im Bezirk Miyagino ein Heimspiel der Tohoku Rakuten Golden Eagles.
Unterwegs in Sendai und Ausflüge
Der Tōhoku-Shinkansen erreicht Sendai von Tokio in rund 90 Minuten. Vom Flughafen Sendai fährt eine Bahnlinie in etwa 25 Minuten zum Hauptbahnhof. In der Stadt verkehren zwei U-Bahn-Linien, ergänzt durch Busse. Zu den schönsten Ausflügen gehört Matsushima, eine Bucht mit über 200 kiefernbestandenen Inselchen, die zu den drei klassischen Landschaften Japans zählt – mit dem Zug in etwa 40 Minuten erreichbar. Die heißen Quellen von Akiu Onsen und Sakunami Onsen liegen innerhalb der Stadtgrenzen, und der Bergtempel Yamadera in der Nachbarpräfektur Yamagata ist eine gute Stunde entfernt. Beste Reisezeit sind Frühsommer und Herbst, im August lockt Tanabata, im Winter wird es kalt, aber selten tiefverschneit.


