Sapporo entdecken: Schnee, Bier und Miso-Ramen
Reiseführer · redaktionellSapporo ist eine junge Stadt: Vor gut 150 Jahren stand hier kaum mehr als ein paar Hütten der Ainu, heute leben fast zwei Millionen Menschen in der Hauptstadt Hokkaidos. Eine Reise nach Sapporo bedeutet im Winter Schneeskulpturen und Pulverschnee, im Sommer milde Tage, Biergärten und Lavendelfelder – und das ganze Jahr über einige der besten Meeresfrüchte Japans.
Eine Stadt auf dem Reißbrett
Erst ab 1869 erschloss die Meiji-Regierung Hokkaido systematisch, und Sapporo wurde als Verwaltungssitz im Schachbrettmuster angelegt. Amerikanische Berater halfen dabei, etwa William S. Clark, der die Landwirtschaftsschule gründete und mit dem Satz „Boys, be ambitious!“ in Erinnerung blieb. Daher die Straßennamen, die wie Koordinaten funktionieren: Minami-4-jō-Nishi 3-chōme bedeutet vierter Block südlich, dritter westlich vom Zentrum. Lange verdrängt, wird die Kultur der Ainu, der indigenen Bevölkerung, heute stärker gewürdigt. 1972 richtete Sapporo als erste Stadt Asiens Olympische Winterspiele aus.
Sehenswürdigkeiten in Sapporo
Der Ōdōri-Park zieht sich über anderthalb Kilometer quer durch das Zentrum, an seinem Ostende steht der Sapporo TV Tower. Wenige Schritte entfernt liegt der hölzerne Uhrturm von 1878, Wahrzeichen der Stadt und einst Exerzierhalle der Landwirtschaftsschule. Auf dem Mount Moiwa fährt eine Seilbahn zu einem der schönsten Nachtpanoramen Japans, und die Sprungschanze Ōkurayama bietet einen schwindelerregenden Blick ins Tal. Der Hokkaidō-Jingū liegt in einem großen Park mit Kirschbäumen, die hier erst Anfang Mai blühen. Der Moerenuma-Park des Bildhauers Isamu Noguchi im Nordosten verwandelt eine ehemalige Mülldeponie in eine Landschaftsskulptur.
Susukino und das Zentrum
Südlich des Ōdōri-Parks beginnt Susukino, das größte Vergnügungsviertel nördlich von Tokio. Die Blöcke Minami-3-jō bis Minami-6-jō, jeweils um Nishi 3 bis 5, bündeln Restaurants, Izakaya, Karaoke und Bars in vielstöckigen Gebäuden. Die überdachte Einkaufsstraße Tanukikōji verläuft hier auf mehreren Blöcken. Außerhalb des Zentrums bieten Bezirke wie Teine mit seinem Skigebiet und Kiyota ruhige Wohnviertel; Teine war 1972 Austragungsort olympischer Alpinwettbewerbe.
Essen und Trinken in Sapporo
Sapporo gab Japan sein Miso-Ramen: kräftige Brühe mit Butter, Mais und angebratenem Gemüse, besonders gut in der Ramen-Yokochō-Gasse in Susukino. Genghis Khan (Jingisukan) ist gegrilltes Lammfleisch auf einer gewölbten Eisenplatte, Soup Curry eine leichte Curry-Suppe mit großen Gemüsestücken. Am Nijō-Markt und am Zentralmarkt gibt es zum Frühstück Kaisendon, Reisschalen mit Seeigel, Lachsrogen und Krabben. Die Brauerei Sapporo, 1876 gegründet, ist die älteste Biermarke Japans; im Sapporo Beer Museum lernt man ihre Geschichte und probiert danach im Biergarten nebenan. Süßes kommt von Ishiya, dessen Kekse Shiroi Koibito es in jedem Souvenirladen gibt.
Feste und Ausflüge
Anfang Februar füllt das Sapporo Snow Festival den Ōdōri-Park und Susukino mit riesigen Schnee- und Eisskulpturen, Millionen Besucher kommen. Im Juli und August verwandelt sich derselbe Park in einen großen Biergarten, im Juni feiert das Yosakoi-Sōran-Festival mit Tanzgruppen. Ausflüge führen zur Kanalstadt Otaru mit Glaswerkstätten und Sushi, zu den heißen Quellen von Jōzankei, im Sommer nach Furano und Biei mit Lavendel- und Blumenfeldern. Skifahrer schätzen Niseko und Kiroro, aber auch Teine und Kokusai sind von Sapporo aus in kurzer Zeit erreichbar. Wer die Ainu-Kultur kennenlernen will, fährt nach Shiraoi zum Nationalmuseum Upopoy am Poroto-See, rund eine Stunde südlich. Bierfreunde finden in Eniwa und Chitose weitere Brauereien und Destillerien, und die Whiskybrennerei Nikka in Yoichi liegt hinter Otaru an der Küste.
Unterwegs in Sapporo und beste Reisezeit
Der Flughafen New Chitose liegt rund 40 Kilometer südöstlich; der Rapid Airport erreicht den Bahnhof Sapporo in rund 40 Minuten. Drei U-Bahn-Linien, eine Ringstraßenbahn und unterirdische Fußgängerpassagen zwischen Bahnhof und Susukino machen auch den Winter angenehm. Die beste Reisezeit hängt vom Ziel ab: Februar für Schnee und Festival, Juni bis September für angenehmes Wetter ohne die Schwüle Südjapans, Oktober für Herbstlaub. Hokkaido-Winter sind kalt und schneereich, also gute Schuhe mitnehmen. Für das Schneefestival sollte man Hotels früh buchen, denn dann ist die Stadt monatelang im Voraus ausgelastet.



