Nikkō entdecken: Tōshō-gū, Wasserfälle und Bergseen
Reiseführer · redaktionell„Sag nicht prächtig, bevor du Nikkō gesehen hast“, lautet ein altes japanisches Sprichwort. Eine Reise nach Nikkō führt zu einem überwältigend geschmückten Mausoleum, das ganz in Gold und Lack leuchtet, zu jahrhundertealten Zedernalleen und hinauf in ein Hochland mit Seen, Wasserfällen und heißen Quellen.
Der Tōshō-gū und das Weltkulturerbe
1617 wurde Tokugawa Ieyasu, der Gründer des Shogunats, hier beigesetzt, und sein Enkel Iemitsu ließ den Schrein Tōshō-gū zu einem Prunkbau ausbauen, an dem Tausende Handwerker arbeiteten. Das Yōmeimon-Tor ist mit über 500 Schnitzfiguren verziert, man nennt es auch das Tor, an dem man den ganzen Tag stehen bleiben könnte. An einem Stallgebäude sitzen die berühmten drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, und über einem Durchgang die schlafende Katze, ein Meisterwerk der Holzschnitzerei. Zusammen mit dem Tempel Rinnō-ji und dem Schrein Futarasan bildet der Tōshō-gū seit 1999 das UNESCO-Welterbe der Schreine und Tempel von Nikkō. Am Eingang überspannt die rote Shinkyō-Brücke den Fluss Daiya.
Sehenswürdigkeiten in Nikkō
Einen ruhigen Gegenpol bietet die Kanmangafuchi-Schlucht, an der eine Reihe von Steinstatuen mit roten Mützen steht; der Legende nach soll man nie zweimal dieselbe Zahl zählen. Über die kurvenreiche Straße Irohazaka mit ihren 48 Haarnadelkurven geht es hinauf zum Chūzenji-See auf über 1.200 Metern. Dort stürzt der Kegon-Wasserfall 97 Meter in die Tiefe; ein Aufzug bringt Besucher zu einer Plattform am Fuß. Am Seeufer erinnern die früheren Sommerresidenzen ausländischer Botschaften an die Zeit, als Diplomaten hier die Hitze Tokios flohen. Weiter oben liegt das Hochmoor Senjōgahara mit Holzstegen und schließlich der Onsenort Yumoto.
Essen in Nikkō
Die Spezialität ist Yuba, die feine Haut, die sich beim Erhitzen von Sojamilch bildet. In Nikkō wird sie dicker und gerollt serviert, frisch mit Sojasauce, frittiert oder in Brühe. Dazu gibt es Soba aus Buchweizen der Region, mit dem klaren Wasser aus den Bergen zubereitet. Als Mitbringsel kauft man Yōkan aus Süßbohnen und Shiso-umwickelte Pickles. Im Ort Kinugawa, ebenfalls zur Stadt gehörend, servieren große Hotels ausgedehnte Büfetts.
Kinugawa und Freizeitparks
Das Onsengebiet Kinugawa entlang einer Felsschlucht ist eines der bekanntesten des Kantō-Gebiets, Bootsfahrten führen durch die Schlucht. In der Nähe zeigt Edo Wonderland eine nachgebaute Stadt der Edo-Zeit mit Ninja-Shows, Tōbu World Square bildet berühmte Bauwerke der Welt im Maßstab 1:25 nach.
Anreise und beste Reisezeit
Mit dem Tōbu-Expresszug Spacia X ist man von Asakusa in knapp zwei Stunden in Nikkō, mit JR über Utsunomiya. Die Japanische Zedernallee entlang der alten Straßen gilt als längste Baumallee der Welt. Die beste Reisezeit ist Mitte Oktober bis Anfang November, wenn das Laub von oben nach unten durchfärbt, sowie der grüne Frühsommer, wenn Azaleen am Chūzenji-See blühen. Im Winter ist es in den Höhenlagen sehr kalt, dafür sind die Schreine unter Schnee besonders stimmungsvoll und deutlich leerer. Wer früh am Morgen zum Tōshō-gū geht, erlebt die Anlage, bevor die Reisebusse eintreffen, und hört nur das Rauschen der Zedern.


