Nagoya entdecken: Burg, Miso und Ingenieurskunst
Reiseführer · redaktionellAuf dem Dach der Burg Nagoya glänzen zwei goldene Fabelwesen mit Tigerkopf und Fischleib, die Kinshachi – Symbole einer Stadt, die gern unterschätzt wird. Zwischen Tokio und Osaka gelegen, wird Nagoya von vielen Japan-Reisenden im Shinkansen nur durchfahren. Dabei lohnt sich ein Nagoya-Urlaub für alle, die Samurai-Geschichte, Technik und eine sehr eigenwillige Küche erleben wollen.
Die Stadt der drei Reichseiniger
Die Region um Nagoya brachte die drei Männer hervor, die Japan im 16. Jahrhundert einten: Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu. Letzterer ließ ab 1610 die Burg Nagoya bauen und verlegte die Stadt Kiyosu kurzerhand an diesen Ort – Tempel, Händler und Handwerker zogen mit. Unter dem Owari-Zweig der Tokugawa wurde Nagoya zu einer der wichtigsten Burgstädte. Im 20. Jahrhundert entwickelte es sich zum Industriezentrum: Webstühle, Flugzeuge, später Autos. Toyota hat seinen Sitz in der Nachbarstadt Toyota, die Firmengeschichte begann aber mit den automatischen Webstühlen von Sakichi Toyoda in Nagoya. Nach schweren Bombenschäden 1945 wurde die Stadt mit breiten Boulevards neu angelegt, bis heute ein Merkmal Nagoyas.
Viertel: Sakae, Meieki und Ōsu
Das Zentrum gliedert sich in wenige gut überschaubare Bereiche. Im Stadtbezirk Nakamura liegt Meieki rund um den Hauptbahnhof mit seinen Zwillingstürmen, Kaufhäusern und unterirdischen Einkaufsstraßen. Im Bezirk Naka ist Sakae das Herz für Einkaufen und Ausgehen – rund um Sakae 3-chome reihen sich Kaufhäuser, Restaurants und Bars, der Fernsehturm Chubu Electric Power MIRAI TOWER und das Glasdach Oasis 21 prägen das Bild. Ebenfalls in Naka liegt Ōsu, ein quirliges Arkadenviertel rund um den Ōsu-Kannon-Tempel mit Secondhandläden, Elektronik und Imbissständen. Higashi mit seinen alten Samurai-Villen im Viertel Shumoku und Chikusa mit dem Kakuōzan-Tempel und den Uni-Kneipen sind ruhiger, Meitō im Osten ist ein grünes Wohnviertel.
Sehenswürdigkeiten in Nagoya
Die Burg Nagoya ist das bekannteste Ziel. Der Hauptturm ist ein Betonnachbau von 1959 und aus Sicherheitsgründen derzeit nicht begehbar, doch der rekonstruierte Hommaru-Palast lohnt allein den Besuch: Goldene Schiebetüren mit Tigern und Kiefern zeigen, wie prunkvoll die Fürsten lebten. Der Atsuta-Schrein im Süden gehört zu den bedeutendsten Shintō-Heiligtümern Japans, hier soll das heilige Schwert Kusanagi aufbewahrt werden, eines der drei Reichsinsignien. Der Tokugawa-Garten und das Tokugawa-Kunstmuseum zeigen Schätze der Fürstenfamilie, darunter Rollbilder zum Genji-Roman. Ein ruhiger Gegenpol ist der Shiratori-Garten, ein Landschaftsgarten mit Teehaus nahe Atsuta. Im Ōsu-Kannon-Tempel findet am 18. und 28. jedes Monats ein Flohmarkt statt, auf dem Kimonos, Keramik und allerlei Trödel den Besitzer wechseln. Und wer die Stadt von oben sehen möchte, fährt auf die offene Aussichtsterrasse Sky Promenade im Midland Square gegenüber dem Hauptbahnhof oder spaziert über das gläserne Dach von Oasis 21, das abends in wechselnden Farben leuchtet.
Museen: von Webstühlen bis Magnetschwebebahn
Technikfans kommen in Nagoya voll auf ihre Kosten. Das Toyota Commemorative Museum of Industry and Technology in einer alten Backstein-Spinnerei zeigt lebendige Vorführungen von Webstühlen bis zu Robotern. Im SCMaglev and Railway Park am Hafen stehen Shinkansen-Generationen und der Rekord-Magnetschwebezug. Das Nagoya City Science Museum besitzt eines der größten Planetarien der Welt. Am Flughafen Centrair gibt es mit dem Flight of Dreams eine Halle rund um die Boeing 787, für die Teile in der Region gefertigt werden. Und seit 2022 lockt der Ghibli-Park im Expo-Gelände von Nagakute Anime-Fans in die Nachbarschaft.
Essen in Nagoya
„Nagoya-meshi“ heißt die lokale Küche, und sie ist kräftig, oft dunkel und würzig. Grundlage ist der rote Hatchō-Miso aus Okazaki. Miso-Katsu, paniertes Schweineschnitzel mit süßer Misosoße, und Miso-Nikomi-Udon im Tontopf sind Klassiker. Hitsumabushi, gegrillter Aal auf Reis, isst man in drei Etappen: pur, mit Gewürzen und schließlich mit Brühe übergossen. Tebasaki, frittierte Hühnerflügel mit Pfeffer, sind das Kneipenessen schlechthin, Kishimen sind flache Udon-Nudeln, Tenmusu kleine Reisbällchen mit Garnelentempura. Ein Kuriosum ist die Morgen-Kultur: In vielen Cafés gibt es zum Kaffee kostenlos Toast mit süßer Bohnenpaste und ein Ei dazu.
Ausgehen in Nagoya
Abends trifft man sich in Sakae und im benachbarten Nishiki 3-chome, dem größten Barviertel der Stadt mit Hostessenclubs, Izakaya und Karaoke. Gemütlicher geht es in Ōsu und rund um den Bahnhof in den Gassen von Meieki zu, wo Tebasaki-Lokale bis spät geöffnet haben. Sportfans erleben die Chunichi Dragons im Vantelin Dome, und im Juli füllt das große Sumo-Turnier, das inzwischen in der neuen IG Arena stattfindet, die Stadt mit Ringern. Wer ein Theater erleben möchte, findet im Misono-za in Sakae einen traditionsreichen Kabuki- und Bühnenbau. Klassische Konzerte gibt es im Aichi Arts Center, das neben dem Fernsehturm auch ein Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen beherbergt.
Unterwegs in Nagoya und beste Reisezeit
Der Flughafen Chūbu Centrair auf einer Insel in der Bucht von Ise ist mit dem Meitetsu-Expresszug in knapp 30 Minuten erreicht. Mit dem Shinkansen braucht man nach Tokio rund 1 Stunde 40 Minuten, nach Kyōto etwa 35 Minuten. Die U-Bahn mit sechs Linien und der Me-guru-Sightseeingbus verbinden die Sehenswürdigkeiten. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst, der Sommer ist sehr heiß. Ausflüge lohnen sich zur Originalburg Inuyama am Kiso-Fluss, wo im Sommer Kormoranfischer arbeiten, zum Freilichtmuseum Meiji Mura, zum Ise-Schrein oder in die Bergdörfer Shirakawa-gō und Takayama.




