Kōbe entdecken: Hafen, Berge und Wagyu
Reiseführer · redaktionellZwischen dem Rokkō-Gebirge und der Bucht von Osaka zieht sich Kōbe als schmales Band am Wasser entlang – vom Bahnhof bis zum Hafen sind es oft nur zehn Minuten zu Fuß, zum Wanderweg in den Bergen kaum mehr. Eine Kōbe-Reise verbindet weltoffene Hafenatmosphäre mit Sake-Brauereien und dem wohl berühmtesten Rindfleisch der Welt.
Hafenstadt mit Weltblick
Der Hafen hieß im Mittelalter Ōwada-no-tomari und war ein Umschlagplatz im Handel mit China. Seine moderne Geschichte begann 1868, als Kōbe für ausländische Händler geöffnet wurde. Europäer und Amerikaner bauten Villen an den Hängen, Chinesen gründeten Nankinmachi, und Kōbe wurde einer der wichtigsten Häfen Asiens. Am 17. Januar 1995 zerstörte das Große Hanshin-Erdbeben weite Teile der Stadt, über 6.000 Menschen starben. Der Wiederaufbau gelang erstaunlich schnell, und die Erinnerung ist lebendig: Im Dezember erinnert das Lichterfest Kobe Luminarie an die Opfer.
Viertel und Stadtbezirke
Fast alles, was Besucher sehen wollen, liegt im Bezirk Chūō. Sannomiya ist das Zentrum mit Kaufhäusern, Bahnhöfen und Restaurants, Motomachi die ältere Einkaufsstraße. Den Hang hinauf liegt Kitano mit den Ijinkan, den Villen der einstigen Ausländer, unten am Wasser Harborland und Meriken Park. Östlich schließen Nada und Higashinada an, das Herz der Sake-Region Nada-Gogō mit Brauereien wie Hakutsuru und Kiku-Masamune. Im Bezirk Hyōgo liegt der historische Hafen, Nagata ist Heimat einer großen koreanischen Gemeinde und Geburtsort von Sobameshi. Tarumi im Westen blickt auf die Akashi-Kaikyō-Brücke, der Bezirk Kita hinter den Bergen umfasst den Onsenort Arima.
Sehenswürdigkeiten in Kōbe
Der rote Port Tower mit seiner taillierten Gitterkonstruktion ist das Wahrzeichen am Meriken Park, daneben erinnert ein erhaltener Abschnitt der zerstörten Kaimauer an das Erdbeben. In Kitano kann man mehrere Ijinkan besichtigen, etwa das Weathercock House mit seinem Wetterhahn. Nankinmachi, Kōbes Chinatown, ist klein, aber lebhaft. Mit der Shin-Kobe-Seilbahn schwebt man zum Nunobiki-Kräutergarten, und vom Mount Rokkō oder Maya bietet sich nachts ein Panorama, das zu den „Zehn-Millionen-Dollar-Aussichten“ Japans zählt. Die Akashi-Kaikyō-Brücke hielt bis 2022 den Weltrekord für die größte Spannweite einer Hängebrücke; auf geführten Touren kann man einen ihrer Pylone besteigen.
Museen und Kultur
Das Disaster Reduction and Human Renovation Institution erklärt eindrücklich das Erdbeben von 1995. Das Hyōgo Prefectural Museum of Art, ein Betonbau von Tadao Andō am Wasser, zeigt moderne Kunst, das Kobe City Museum Kunst der Namban-Zeit, als portugiesische Händler Japan erreichten. Jazz hat hier eine lange Tradition, und die Takarazuka-Revue, deren reine Frauen-Ensembles Musicals aufführen, spielt in der Nachbarstadt Takarazuka. Am Hafen zeigt das Kobe Maritime Museum unter seinem segelförmigen weißen Dach die Geschichte der Schifffahrt, und das Kawasaki Good Times World daneben präsentiert Motorräder und Shinkansen-Technik aus Kōbe.
Essen in Kōbe
Kobe-Rind stammt von Tajima-Rindern aus der Präfektur Hyōgo und ist streng zertifiziert; in Teppanyaki-Restaurants in Sannomiya wird es vor den Gästen auf der Eisenplatte gebraten. Günstiger wird es als Mittagsmenü. Sobameshi, gebratene Nudeln mit Reis, stammt aus Nagata, Akashiyaki aus dem nahen Akashi sind weiche Oktopusbällchen in Brühe. Durch die Ausländergemeinde hat Kōbe eine lange Bäcker- und Konditortradition, und in den Brauereien von Nada probiert man Sake, gebraut mit dem weichen Miyamizu-Wasser.
Unterwegs in Kōbe und beste Reisezeit
Der kleine Flughafen Kōbe auf einer Insel ist per Port Liner in rund 20 Minuten mit Sannomiya verbunden, internationale Flüge landen in Kansai, von wo Schnellboote über die Bucht fahren. Osaka liegt mit JR, Hankyū oder Hanshin nur gut 20 Minuten entfernt, der Shinkansen hält in Shin-Kōbe. In der Stadt verbinden die städtische U-Bahn, die Port Liner und der City-Loop-Bus die wichtigsten Punkte, vieles lässt sich aber zu Fuß erkunden. Frühling und Herbst sind die beste Reisezeit; der Sommer ist schwül, im Winter bleibt es dank der Bucht meist mild. Ausflüge lohnen nach Arima Onsen, einem der ältesten Thermalbäder Japans mit rötlich-eisenhaltigem „Kinsen“-Wasser, zur Burg Himeji, die etwa 40 Minuten entfernt liegt, oder über die Brücke auf die Insel Awaji mit Blumenparks und Strudeln an der Naruto-Meerenge.






