Ichikawa entdecken: Tempel, Birnen und Literatur
Reiseführer · redaktionellAuf der anderen Seite des Edogawa beginnt Chiba, doch Ichikawa ist längst mit Tokio verwachsen: Pendler strömen morgens in die U-Bahn, abends kehren sie in ruhige Wohnstraßen zurück. Für einen Ausflug während der Tokio-Reise lohnt die Stadt mit einem großen Tempelbezirk, Gärten, literarischen Spuren und dem Feuchtgebiet von Gyōtoku.
Geschichte und Dichter
Ichikawa war schon in der Antike bedeutend: Hier lag der Sitz der Provinzverwaltung von Shimōsa. Im Stadtteil Mama erzählt man die Legende der schönen Tekona, die sich lieber ins Meer stürzte, als zwischen ihren Verehrern zu wählen – Dichter der Man'yōshū besangen sie bereits im 8. Jahrhundert, und der kleine Tempel Guhō-ji erinnert an sie. Im 20. Jahrhundert zogen viele Schriftsteller und Künstler in das grüne Ichikawa, darunter Nagai Kafū, der hier seine letzten Jahre verbrachte, und der Maler Higashiyama Kaii, dem eine Gedenkhalle gewidmet ist.
Sehenswürdigkeiten in Ichikawa
Der wichtigste Ort ist der Nakayama Hokekyō-ji, einer der Haupttempel der Nichiren-Schule, gegründet im 13. Jahrhundert. Der Weg vom Bahnhof Shimōsa-Nakayama führt durch eine Ladenstraße zu einem Gelände mit fünfstöckiger Pagode, Haupthalle und einem prächtigen Tor; im Winter beenden Mönche hier eine hundert Tage dauernde Askese mit eiskalten Wassergüssen. Im Norden liegt der Satomi-Park auf der Kōnodai-Anhöhe, wo im 16. Jahrhundert Schlachten zwischen den Hōjō und Satomi tobten; heute blühen dort Rosen über dem Fluss. Im Süden schützt das Vogelschutzgebiet Gyōtoku ein Stück Feuchtgebiet an der Bucht von Tokio.
Gyōtoku und das Leben am Wasser
Das Viertel Gyōtoku an der Tōzai-Linie war früher berühmt für seine Salzgärten, deren Salz über Kanäle nach Edo geliefert wurde. Heute prägen Wohnblocks, Bürotürme und die Gassen um den Bahnhof Gyōtoku das Bild, wo sich viele Restaurants, Izakaya und kleine Bars aneinanderreihen. Abends treffen sich hier Pendler aus der Innenstadt, und die Auswahl reicht von Ramen bis zu indischen Küchen, denn im nahen Nishi-Kasai an derselben Linie lebt eine große indische Gemeinde. Bis Tokyo Disneyland in Urayasu sind es nur wenige Minuten.
Essen in Ichikawa und beste Reisezeit
Im August und September ist Ichikawa für seine Nashi bekannt, die saftigen japanischen Birnen, die entlang der Straßen in Hofläden verkauft werden – die Stadt gehört zu den wichtigsten Anbaugebieten der Präfektur. Mit der JR-Sōbu-Linie ist man in rund 20 Minuten in Akihabara, die Tōzai-Linie fährt direkt nach Nihonbashi und Ōtemachi. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst: Im März blühen die Kirschen am Mama-Fluss, im November färbt sich der Ahorn im Tempelbezirk des Hokekyō-ji.
Ausflüge rund um Ichikawa
Ichikawa liegt günstig für Touren in beide Richtungen. Nach Westen ist man nach wenigen Stationen in Kinshichō oder Ryōgoku mit der Sumō-Halle Kokugikan, nach Osten fährt man weiter nach Funabashi und an die Küste der Bucht von Tokio, wo im Frühsommer Muscheln gesammelt werden. Ein schöner Spaziergang führt vom Satomi-Park am Edogawa entlang nach Norden bis Yagiri, wo eine alte Ruderfähre nach Shibamata übersetzt. Für Familien ist der städtische Zoo- und Pflanzengarten im Norden ein ruhiges Ziel.
