Hakodate entdecken: Sternfestung, Hafen und Nachtblick
Reiseführer · redaktionellWenn abends die Lichter zwischen zwei Buchten aufflammen und die Landzunge wie eine leuchtende Sanduhr erscheint, versteht man, warum Japaner für diesen Blick eigens in den Süden Hokkaidos reisen. Eine Reise nach Hakodate verbindet Hafengeschichte, westliche Kirchen und den wohl berühmtesten Fischmarkt der Insel.
Ein früh geöffneter Hafen
1859 gehörte Hakodate zu den ersten Häfen, die Japan nach zwei Jahrhunderten der Abschottung für den Außenhandel öffnete. Konsulate, Kaufleute und Missionare aus Russland, Großbritannien und den USA ließen sich nieder, und ihre Spuren prägen bis heute das Viertel Motomachi am Fuß des Berges. Die weiße Russisch-Orthodoxe Auferstehungskirche, die katholische Kirche und das ehemalige Gemeindehaus des Bezirks Hakodate in Hellblau und Gelb stehen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Steile Gassen wie der Hachiman-zaka führen hinunter zum Wasser und geben den Blick auf die Hafenbecken frei.
Sehenswürdigkeiten in Hakodate
Das bekannteste Bauwerk ist Goryōkaku, eine sternförmige Festung nach europäischem Vorbild, fertiggestellt 1864. Hier endete 1869 der Boshin-Krieg, als die Truppen der kurzlebigen Republik Ezo kapitulierten; der Samurai Hijikata Toshizō fiel in den Kämpfen und ist bis heute eine Kultfigur. Vom benachbarten Aussichtsturm sieht man die Sternform am besten, im Frühling gesäumt von Kirschblüten. Der Berg Hakodate ist mit der Seilbahn in wenigen Minuten erklommen; der Nachtblick gilt als einer der schönsten Japans. Am Hafen beherbergen die roten Backsteinspeicher von Kanemori heute Läden und Cafés.
Essen in Hakodate: Morgenmarkt und Salz-Ramen
Früh aufstehen lohnt sich: Der Morgenmarkt neben dem Bahnhof öffnet im Morgengrauen, und an den Ständen gibt es Schalen mit Seeigel, Lachsrogen und Krabben. Besonders typisch ist frischer Tintenfisch, den man in Becken teils selbst angeln kann und der dann hauchdünn geschnitten wird. Hakodate ist außerdem Heimat der Shio-Ramen mit klarer Salzbrühe, die sich deutlich von den schweren Misosuppen Sapporos unterscheidet. Eine örtliche Institution ist die Burgerkette Lucky Pierrot mit verspielt dekorierten Filialen, die es nur in dieser Gegend gibt.
Onsen und Ausflüge in die Umgebung
Der Thermalort Yunokawa liegt am Stadtrand direkt am Meer, mit der Straßenbahn erreichbar; im Winter baden dort im botanischen Garten Makaken in heißem Wasser. Eine halbe Stunde nördlich lockt der Ōnuma-Quasi-Nationalpark mit Inseln im See und dem Vulkan Komagatake, ideal für Radtouren oder Kanufahrten. Die beste Reisezeit reicht von Juni bis Oktober, wenn es angenehm kühl ist; im Winter tauchen Schnee und Illuminationen die Backsteinspeicher in ein besonderes Licht.
Unterwegs in Hakodate
Der Flughafen Hakodate liegt nur rund 20 Minuten mit dem Bus vom Zentrum entfernt. Seit 2016 erreicht der Hokkaido-Shinkansen durch den Seikan-Tunnel den Bahnhof Shin-Hakodate-Hokuto, von dort fährt ein Zubringerzug in etwa 20 Minuten in die Innenstadt. Vor Ort sind die beiden Straßenbahnlinien das praktischste Verkehrsmittel: Sie verbinden Bahnhof, Motomachi, Goryōkaku und Yunokawa. Tageskarten gelten für Tram und Busse. Wer abends auf den Berg möchte, sollte die Seilbahn früh nehmen: Kurz vor Sonnenuntergang bilden sich lange Schlangen, und bei Nebel verschwindet das Panorama manchmal ganz. Alternativ fahren Busse über eine Bergstraße hinauf, die im Winter allerdings gesperrt ist.


