Neapel entdecken: Pizza, Vesuv und Barockgassen
Reiseführer · redaktionellWäscheleinen über engen Gassen, Motorroller zwischen Marktständen und im Hintergrund der Vesuv: Neapel ist laut, lebendig und voller Kunstschätze. Eine Reise nach Neapel verbindet antike Ausgrabungen, barocke Kirchen und die vielleicht beste Pizza der Welt – und eine Städtereise hier bleibt garantiert nicht blass.
Griechische Wurzeln, königliche Pracht
Griechische Siedler gründeten im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. Neapolis, die „neue Stadt“. Das Straßenraster der Antike ist im Centro Storico bis heute erkennbar: Die drei Decumani, allen voran die schnurgerade Spaccanapoli, durchziehen die Altstadt von Ost nach West. Unter Normannen, Staufern, Anjou, Aragonesen und Bourbonen war Neapel über Jahrhunderte Hauptstadt eines Königreichs und zeitweise eine der größten Städte Europas. Diese Geschichte erklärt die Fülle an Palästen, Klöstern und Kirchen, die das historische Zentrum zum UNESCO-Welterbe machen.
Sehenswürdigkeiten in Neapel
In der Cappella Sansevero liegt der „Verschleierte Christus“, eine Marmorskulptur von Giuseppe Sanmartino, deren Schleier fast durchsichtig wirkt. Die Kathedrale bewahrt das Blut des Stadtpatrons San Gennaro, dessen Verflüssigung mehrmals im Jahr erwartet wird. Unter der Stadt öffnet Napoli Sotterranea ein Labyrinth aus griechischen Zisternen und Luftschutzkellern. Am Meer reihen sich die Piazza del Plebiscito mit dem Königspalast, das Teatro San Carlo – eines der ältesten aktiven Opernhäuser Europas – und das Castel dell'Ovo auf seiner kleinen Insel. Hoch über allem thront das Castel Sant'Elmo auf dem Vomero mit dem Kloster San Martino und dem schönsten Blick über den Golf.
Museen und Viertel
Das Archäologische Nationalmuseum zählt zu den bedeutendsten der Welt: Mosaiken, Fresken und Statuen aus Pompeji und Herculaneum, darunter das berühmte Alexandermosaik. Im Museo di Capodimonte, einem bourbonischen Jagdschloss mit großem Park, hängen Werke von Caravaggio, Tizian und Botticelli. Rund um die Altstadt im ersten und zweiten Stadtbezirk liegen die Quartieri Spagnoli, deren Gassen mit Graffiti des Fußballidols Maradona geschmückt sind. Elegant geht es in Chiaia mit Boutiquen und der Uferpromenade zu, ruhiger und bürgerlich auf dem Vomero. Die Via San Gregorio Armeno ist ganzjährig der Krippenkunst gewidmet, mit handgefertigten Figuren von Heiligen bis zu Fußballern und Politikern.
Essen in Neapel
Die neapolitanische Pizza – weicher Rand, kurz im Holzofen gebacken – gehört als Handwerkskunst der Pizzaioli zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Klassiker sind Margherita und Marinara, auf die Hand gibt es die Pizza fritta oder die zusammengeklappte Pizza a portafoglio. Dazu kommen Frittatina di pasta, Ragù, Pasta e patate und Fisch aus dem Golf. Zum Nachtisch gehören Sfogliatella, Babà mit Rum und zu Ostern die Pastiera. Der Espresso wird stark und süß getrunken, und mancherorts lebt der Brauch des „caffè sospeso“ fort, des vorausbezahlten Kaffees für Unbekannte. Für Märkte lohnen die Pignasecca und der Fischmarkt an der Porta Nolana.
Unterwegs in Neapel
Der Flughafen Capodichino liegt nur wenige Kilometer nordöstlich des Zentrums; der Alibus fährt zum Hauptbahnhof Garibaldi und zum Hafen. Die Metrolinie 1 ist für ihre „Kunststationen“ bekannt, allen voran Toledo mit ihrer blau schimmernden Halle. Vier Standseilbahnen verbinden das Zentrum mit dem Vomero. Von Garibaldi startet die Circumvesuviana nach Herculaneum, Pompeji und Sorrent, vom Hafen Molo Beverello legen Fähren nach Capri, Ischia und Procida ab. Wie in jeder Großstadt sollte man auf Taschendiebe achten, besonders in vollen Bussen und am Bahnhof.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Frühling und Herbst sind ideal: angenehme Temperaturen, Badewetter ab Juni an der Küste. Im Hochsommer wird es heiß und die Ausflugsziele sind voll. Ein Höhepunkt ist die Weihnachtszeit, wenn San Gregorio Armeno von Krippenliebhabern bevölkert wird. Neben Pompeji und Herculaneum lohnen der Aufstieg zum Krater des Vesuvs, die Phlegräischen Felder bei Pozzuoli und ein Tag an der Amalfiküste. Wer mehr Zeit hat, setzt mit der Fähre nach Procida über, der kleinsten und ursprünglichsten Insel im Golf, oder besucht das Königsschloss von Caserta mit seinem kilometerlangen Park. Für einen Neapel-Urlaub von vier bis fünf Tagen lässt sich so die Stadt bequem mit zwei oder drei Ausflügen kombinieren, ohne das Hotel zu wechseln.















