Genua entdecken: Hafen, Paläste und Pesto
Reiseführer · redaktionellGenua ist steil, verwinkelt und vom Meer geprägt: Zwischen Hafen und Hängen liegt eine der größten mittelalterlichen Altstädte Europas. Eine Reise nach Genua verbindet prächtige Renaissancepaläste mit dunklen Gassen, Seefahrergeschichte und der Heimat des Pesto – eine Städtereise mit Überraschungen.
La Superba
Die Republik Genua war über Jahrhunderte eine der führenden Seemächte des Mittelmeers, rivalisierend mit Venedig und Pisa. Genuesische Bankiers finanzierten im 16. und 17. Jahrhundert die spanische Krone, und der Reichtum floss in Paläste. Christoph Kolumbus wurde hier geboren, sein vermutetes Elternhaus steht an der Porta Soprana. Den Beinamen „La Superba“, die Stolze, trägt die Stadt bis heute.
Sehenswürdigkeiten in Genua
Die Via Garibaldi gehört zu den Strade Nuove, die mit den Rolli-Palästen UNESCO-Welterbe sind. Im Palazzo Rosso, Palazzo Bianco und Palazzo Doria-Tursi hängen Gemälde von Van Dyck, Rubens und Veronese. Die Kathedrale San Lorenzo mit ihrer schwarz-weiß gestreiften Fassade birgt eine britische Granate aus dem Zweiten Weltkrieg, die nie explodierte. Der Palazzo Ducale an der Piazza De Ferrari ist heute Ausstellungshaus. Das Labyrinth der Altstadtgassen, die „Caruggi“, zieht sich bis zum Hafen. Hier, im Bezirk Centro Est, wechseln sich Barockkirchen, winzige Läden und alte Kolonialwarenhandlungen ab; manche Gassen sind so schmal, dass kaum Sonnenlicht hineinfällt. Die Via del Campo, besungen vom Genueser Liedermacher Fabrizio De André, und die Piazza San Matteo mit den Häusern der Familie Doria sind gute Ankerpunkte. Über allem wacht die Lanterna, einer der ältesten noch aktiven Leuchttürme der Welt.
Am alten Hafen
Der Architekt Renzo Piano, ein gebürtiger Genuese, gestaltete den Porto Antico zum Columbus-Jahr 1992 um. Dort liegt das Aquarium von Genua, eines der größten Europas, daneben das Seefahrtsmuseum Galata mit einem begehbaren U-Boot und der Panoramaaufzug Bigo. Spaziert man die Küste entlang nach Osten, erreicht man im Viertel Levante das alte Fischerdorf Boccadasse mit bunten Häusern und kleinem Kiesstrand sowie die Uferpromenade Corso Italia.
Essen in Genua
Pesto alla genovese aus Basilikum, Pinienkernen, Knoblauch, Pecorino und Parmesan wird klassisch mit Trofie oder Trenette serviert, oft mit Kartoffeln und grünen Bohnen. Die Focaccia ist hier flach, ölig und wird zum Frühstück sogar in Cappuccino getunkt; die Focaccia di Recco ist mit Käse gefüllt. Dazu kommen Farinata aus Kichererbsenmehl, Torta pasqualina und frittierte Meeresfrüchte. Wer Wein dazu möchte, wählt einen Vermentino oder Pigato von der Riviera. Im Mercato Orientale im Zentrum kaufen die Genuesen ein, in den Friggitorie der Altstadt gibt es Fritiertes auf die Hand.
Unterwegs in Genua
Der Flughafen liegt westlich am Meer, ein Bus verbindet ihn mit den Bahnhöfen Principe und Brignole. Weil die Stadt an steilen Hängen klebt, gehören Standseilbahnen, Zahnradbahn und öffentliche Aufzüge zum Nahverkehr – der Aufzug Castelletto bringt Fahrgäste auf eine Aussichtsterrasse über den Dächern. Eine Metrolinie verbindet die Innenstadt. Von den Fähranlegern starten Schiffe nach Sardinien, Korsika, Sizilien und Nordafrika.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Das Klima ist dank der schützenden Berge im Rücken auch im Winter mild, Schnee fällt in der Stadt nur selten; Frühling und Herbst eignen sich am besten, im Sommer kann es schwül werden. Mit Zug oder Boot erreicht man Camogli, Portofino und die Bucht von San Fruttuoso, weiter östlich die Cinque Terre. Wanderer schätzen die Festungen auf den Hügeln über der Stadt, die man mit der Zahnradbahn Principe–Granarolo oder der Schmalspurbahn Genova–Casella erreicht; von dort führen Wege entlang der alten Stadtmauern mit weitem Blick über Hafen und Meer. In Pegli im Westen und in Nervi im Osten liegen Villen mit großen Parks, darunter die Villa Durazzo-Pallavicini mit ihrem romantischen Landschaftsgarten voller Tempelchen, Brücken und Grotten aus dem 19. Jahrhundert; die Promenade von Nervi, die Passeggiata Anita Garibaldi, verläuft direkt über den Klippen. Ein Genua-Urlaub lässt sich so leicht mit Badetagen verbinden, denn die Strände der Riviera beginnen fast am Stadtrand.















